Ein langer Weg zur biologischen Vielfalt

Langenfeld (wft). Der Wald am Süntel soll auf 1301 Hektar künftig keine Pflegemaßnahmen und keinen Holzeinschlag mehr erfahren, der Forst sich zu einem Naturwald entwickeln können. Nur noch Fichten, Lerchen und die Roteiche sollen bis zum Jahr 2020 geschlagen und damit herausgenommen werden, weil sie nicht zum natürlichen Bestand der heimischen Wälder zählen, wie Forstminister Christian Meyer, Umweltminister Stephan Wenzel (beide Grüne) und Klaus Merker, der Präsident der niedersächsischen Landesforsten, jüngst bei einer Besichtigung des Naturwaldes auf der Langenfelder Gemarkung erklärten. Begleitet wurden die beiden Minister auch von Ricky Stankewitz vom Landesvorstand des Nabu und Karl-Friedrich Weber, dem waldpolitischen Sprecher des BUND in Niedersachsen.

Bereits im Jahr 1972 waren 461 Hektar Baumbestand in diesem Bereich zum Naturwald erklärt und aus der Bewirtschaftung genommen worden. Jetzt wurden durch Beschluss der Landesregierung weitere 840 Hektar umgewidmet und damit eine Lücke zu dem Ziel geschlossen, zehn Prozent der in öffentlicher Hand befindlichen Wälder zu Naturwald zu machen. Auf dem Süntel kann sich damit die zweitgrößte Waldfläche in Niedersachsen mit eigener Dynamik entwickeln und Schauplatz einer besonderen Biodiversität werden. Insgesamt wird jetzt in Niedersachsen auf rund 33000 Hektar Waldfläche auf Pflegemaßnahmen verzichtet und kein Holz mehr geerntet.

„Wir erhöhen in den alten und neuen Naturwaldflächen entscheidend die Artenvielfalt. Profitieren werden also die vielen im Wald beheimateten, teils sehr seltenen Tier- und Pflanzenarten, denen wir jetzt mehr Lebensraum geben. Zugleich bildet diese Vielfalt wichtige genetische Ressourcen für die Zukunft“, sagte Fortsminister Meyer beim gemeinsamen Waldspaziergang. Zu den ausgesprochen seltenen Pflanzen auf dem Süntel zählen nach Angaben von Christian Weigel, dem Leiter des Forstamtes Oldendorf, das „Westfälische Brillenschötchen“, die „Österreichische Rauke“, der erst im Jahr 2005 entdeckte Milzfarn und der Berglauch. Niedersachsen und der Süntel leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Sie hat zum Ziel, deutschlandweit fünf Prozent des gesamten Waldes stillzulegen. „Die jetzt beschlossene Gebietskulisse ist ein Meilenstein für den Naturschutz“, betonte Meyer, „die Landesforsten sind damit Vorbild auch für andere Waldbesitzer.

Nachdem im Jahr 2013 nur rund fünf Prozent des Landeswaldes wirtschaftlich ungenutzt waren, wurden bis 2015 durch ein erstes Auswahlverfahren bereits mehr als acht Prozent der Fläche als Naturwald ausgewiesen. Auch Bürger und die Naturschutzverbände konnten Vorschläge für mögliche Naturwaldflächen im Landeswald machen. Den Vorschlag, die zusätzlichen 840 Hektar auf dem Süntel umzuwidmen, hatte Forstamtsleiter Weigel gemacht.

„Mit der Schaffung von Naturwäldern kommen wir dem Ziel, den Wald als Zentrum der natürlichen Arten- und Lebensvielfalt dauerhaft zu schützen, wieder ein Stück näher“, erklärte Umweltminister Wenzel. „Bäume reinigen die Luft, spenden Schatten, regulieren den Wasserhaushalt und sind entscheidende Klimaschützer in unserer Natur.“ Der Zustand der Umwelt und die Bedrohung vieler Arten zeigten aber auch, dass noch ein langer Weg vor uns liege.