Ab Montag erst mal Schleusen-Schluss

Hameln (ey). 1084 Schleusungen im Jahr 2016: Trotz der bis auf ein Minimum geschrumpften Frachtschifffahrt nimmt die Hamelner Schleuse offensichtlich eine wichtige Aufgabe wahr. Die (sommerliche) Freizeitschifffahrt macht einen Riesenanteil aus. „Allein im Juni dieses Jahres wurden 160 Schiffe geschleust“, sagt Ralph Schwekendiek, Sprecher der Außenstelle der Wasser- und Schifffahrtsbehörde Hannoversch-Münden in Hameln. Umso wichtiger ist das, was ab kommendem Montag, 9. Oktober, vollzogen wird: eine komplette Inspektion der Hamelner Schleuse auf Herz und Nieren.

Alle sechs Jahre werden

Sicherheit und Funktion geprüft

Beziehungsweise: auf Wände und Tore. „Alle sechs Jahre findet eine solche Inspektion durch die Ingenieure unserer Behörde statt. Sie wird ungefähr vier Wochen in Anspruch nehmen“, mutmaßt Ralph Schwekendiek. Über ein Informationsportal für die Nutzung von Bundeswasserstraßen ist die Schifffahrt bereits darüber informiert worden, dass in Hameln die Schleuse einen Monat lang nicht genutzt werden kann. Erst muss die Kammer vollständig trockengelegt werden. Dann sind sowohl die Wände als auch die Tore genauestens unter die Lupe zu nehmen und teils zu reinigen – bei einer Schleusenlänge von immerhin 256 Metern eine große Aufgabe.

Setzrisse. Rost. Schlamm. – Es gibt viel zu beachten bei dieser Inspektion. Mit größeren Schäden ist allerdings kaum zu rechnen, weil die schon im Jahr 2006 während einer großen Sanierung ausgemerzt wurden; 2011 waren außerdem die Schleusentore erneuert worden – eine Herkulesaufgabe angesichts des Gewichts von 14 Tonnen pro Tor.

Die Personenschifffahrt der Flotte Weser ist von den Arbeiten an der Schleuse übrigens nicht betroffen. Ausflügler können wie gewohnt die Weser an Bord „erfahren“. Apropos: Ein Ausflug an die Weser lohnt sich für Hamelner und Besucher aus dem Umland hier in jedem Fall, denn eine trockene Schleuse sieht man ja auch nicht alle Tage. Und wer nur einige Meter weitergeht auf der Münsterbrücke und die Seite wechselt, wird auch am unteren Wehr (Höhe Pfortmühle) einen nicht alltäglichen Anblick erleben, denn dort werden Sanierungsarbeiten an der Wehrmauer durchgeführt (wir berichteten).

Übrigens: Die Hamelner Schleuse ist in den Jahren 1929 bis 1933 gebaut worden. Wer von der Münsterbrücke auf sie hinunterblickt, wird feststellen, dass sie nicht gerade ist, sondern eine deutliche Krümmung aufweist. Nicht gerade üblich für ein solches Bauwerk, aber dafür gibt es einen triftigen Grund. Es handelt sich im Ursprung um eine Schleppzugschleuse, das bedeutet, dass hier ein Schleppverband mehrere Schiffe zog; dieser Schleppverband konnte weit über hundert Meter lang sein. Die Krümmung der Schleuse ist baulich so umgesetzt worden, weil sie in der gedachten Verlängerung direkt auf die Hafeneinfahrt zeigt; im Hafen wurden die Ladungen der Schleppverbände gelöscht. Wäre sie gerade, hätte ein langer Schleppverband nicht direkt in die Hafeneinfahrt gelangen können und rangieren müssen.