„Ein Sprung, den wir wagen müssen“

Hameln (ll). Die Stadt Hameln will künftig noch mehr auf ihre Einwohner hören – und sie offenbar auch stärker in die Entscheidungen einbinden. Noch in diesem Jahr sollen vier sogenannte Bürgerforen in der Nord- und der Südstadt sowie im Basberg- und im Klütviertel stattfinden. Das hat Oberbürgermeister Claudio Griese Mittwoch beim Neujahrsempfang im Foyer des jüngst sanierten Theaters bekannt gegeben.

Nach Schätzungen der Stadt waren knapp 400 Gäste zum Neujahrsgruß des Oberbürgermeisters erschienen. Die Veranstaltung fand nun zum insgesamt vierten Mal statt; der Empfang am Mittwochabend war der erste offizielle Termin nach Wiedereröffnung des Hamelner Spielhauses. Gelegenheit für den „OB“, kurz zurück-, mehr aber nach vorne zu blicken. Mit den angekündigten Bürgerforen wird die Verwaltung mit ihren Bürgern wohl mehr ins Gespräch kommen. Detailfragen zu den Foren sind aber noch nicht geklärt, sagte Griese: „Lassen Sie sich überraschen.“

Nicht ausschließlich der finanziellen Situation der Stadt sei es geschuldet, dass große Vorhaben wie die Rathaussanierung oder die Instandsetzung des Hochzeitshausdaches noch eine Weile hinausgeschoben werden müssten. Vielmehr könne die Stadt die Projekte mangels Fachkräften im Rathaus nicht alle gleichzeitig stemmen. Rat- und Hochzeitshaus müssen so laut Griese „notgedrungen pausieren“.

Weil es inzwischen aber wieder mehr Kinder in der Stadt gebe, sei der Neubau einer Kindertagesstätte unumgänglich. Die Planungen sollen in diesem Jahr konkret werden. „Das ist ein mächtiger Sprung, den wir wagen müssen“, sagte Griese. Wohlweißlich, dass er sicher noch einige Diskussionen mit der Politik um den genauen Standort und die Ausgestaltung der Finanzierung führen müssen wird.

Neben der Entwicklung des Weserufers sei ohnehin die Aufgabe Bildung eines der zentralen Themen, die aus dem Dialogprozess „Hameln 2030“ hervorgegangen sind. Dieser Prozess ist im letzten Jahr mit einem Abschlussbericht erledigt worden. Dafür gab es als Dank Blumen für Koordinatorin Dr. Gesa Snell. Als Gesprächspartner hatte Claudio Griese Robin Illge und Maiko Magdi von den „Boyz of Weserbergland“ eingeladen. Die jungen Filmemacher hatten ihre Heimat und nicht alltägliche Sportarten ins Kino gebracht.

Eine bundesweite Kampagne für den geplanten Bildungscampus auf dem Gelände der ehemaligen Linsingen-Kaserne will Griese nun starten. „Dafür müssen wir Bildungsträger nach Hameln holen“, so der Oberbürgermeister. Weiter müsse durch Unterstützung der Hochschule Weserbergland Hameln als Hochschulstandort ausgebaut werden.

Dem Rathauschef wird aber höchstwahrscheinlich eine Schuldebatte ins Haus stehen. Die Verwaltung wird ein Konzept zur Zukunft der Schulstandorte erstellen, kündigte Griese an. Einerseits stehen erhebliche Sanierungsmaßnahmen im Schulbereich an; andererseits gebe es neue Anforderungen der Schulpädagogik, die räumliche Veränderungen mit sich brächten. Ob kleinere Schulen in jedem Ortsteil noch eine Zukunft haben, ließ der Oberbürgermeister offen. Klar ist für ihn, dass „wir mutiger sein müssen, uns Gedanken zu machen, wie es mit den Schulen weitergeht“.

Theaterdirektor Wolfgang Haendler war übrigens „überglücklich und dankbar“, nach gut fünfmonatiger Sanierungspause wieder Gäste im Theater begrüßen zu können. Freitag ging für Haendeler und alle anderen Theater-Mitarbeiter mit dem Gastspiel der „Berlin Comedian Harmonists“ dann auch wieder das Alltagsgeschäft los.