Gans gut unterwegs

Weserbergland (ey). Die Wildgänse haben’s im Gefühl, wenn der Winter naht. Wohl deshalb fliegen sie gerade in kleinen wie größeren Verbänden über das Weserbergland, direkt über Hameln, die Ortschaften und Bad Pyrmont, Richtung süd- bis südwestlichere Gefilde. Hunderte Menschen haben nachts ihre Rufe vernommen, dabei gehen die meisten doch immer davon aus, dass der Wildvogelzug als Zeichen des kommenden und gehenden Winters stets im Herbst und Frühling stattfindet!? Weit gefehlt, denn gerade der Zug nordischer Gänse kann während der gesamten Winterzeit erfolgen, sagt einer, der es wissen muss: Dr. Kordt Rehn ist langjähriger Vogelschutzbeauftragter und im Vorstand des Naturschutzbundes (Nabu) Bad Pyrmont Fachmann für Ornithologie.

So ist es gewiss nicht dem Alkoholpegel zuzuschreiben, dass mancher Hameln-Pyrmonter in der Silvesternacht und an Neujahr die Wildgänse hoch oben am Himmel gehört haben will. „In der Tat ziehen Wildgans-Verbände gerade über uns hinweg, aus Nordosteuropa, dem Baltikum und Polen kommend. Sie spüren, dass der Winter naht und fliegen dorthin, wo es wärmer ist und wo sie genügend Nahrung finden: Frankreich, Nordspanien und auch das Rheindelta in den Niederlanden“, sagt Kordt Rehn. Dass jetzt Kraniche ziehen, hält der erfahrene Ornithologe für eher unwahrscheinlich. Es seien Wildgänse, und dies komme gar nicht selten vor. Dennoch ist zu beobachten, dass die Klimaerwärmung auch das Verhalten der Wildvogel verändere. „Großvögel spüren instinktiv, wenn ihre Nahrungsreviere vom Winter bedroht sind. Doch durch die wärmer gewordenen Winter und Agrarmonokulturen wie zum Beispiel Mais ist in ihren Quartieren längere Zeit genug Futter vorhanden. Das lässt die Vögel mitunter viel später in südliche Gefilde aufbrechen. Das strenge Zugverhalten bröckelt, weil die Alphatiere merken, dass es Alternativen gibt“, sagt Kordt Rehn.

Ziehen die Wildgänse jetzt über das Weserbergland hinweg, suchen sie Schutz vor dem Winter. Sie sind also auch ein Bote für kältere Zeiten im Weserbergland. Tatsächlich steigen die Temperaturen schon an diesem Wochenende kaum mehr über fünf Grad Celsius. Im Übrigen ist es so, dass alle Wildvögel gerne in hellen (Voll-)Mondnächten fliegen. Das erklärt auch, weshalb sie gerade um den Jahreswechsel mit dem „Super-Mond“ sehr aktiv waren.

Die Rufe der Zugvögel: Kranichrufe Wildgänse Sind es Kraniche oder Gänse, deren Rufe aus nächtlichem Himmel erschallen? Schon aus der Ferne kündigen sich die teils über 100 Tiere zählenden Zugverbände an. Laut Naturschutzbund unterschieden sich die Rufe deutlich. erinnern an ein „erhabenes“ Trompeten: „krru – krarr“ im Wechsel. Im Herbst kann man die „Tschirp“-Rufe der Jungvögel aus nächster Nähe heraushören. rufen je nach Art unterschiedlich, ähneln aber einander. Sie schnattern, quäken (beispielsweise Graugans) quieken (beispielsweise Blässgans) oder fliegen manchmal sogar fast stumm (Saatgans).