Leerstand – und was dagegen zu tun ist

Bad Pyrmont (mes). Seit weit mehr als 2000 Jahren gehören Stadt und Handel eng zusammen, treffen sich Menschen auf Märkten, um ihre Einkäufe zu erledigen, Geschäfte zu machen und Erlebnisse zu teilen. Soll eine Innenstadt lebendig, attraktiv und sicher bleiben, braucht sie intakte Handelsstrukturen. Doch leer stehende Ladenlokale werden aus Deutschlands Innenstädten so schnell nicht wieder verschwinden. Das Problem lässt sich nur eindämmen, wenn Händler, Kommunen und Immobilienbesitzer enger zusammenarbeiten – und dabei auch neue Wege beschreiten.

Neue Wege will auch die Werbegemeinschaft Bad Pyrmont gehen. Diese werden zwar die Leerstände nicht verhindern, jedoch die verwaisten Ladenlokale und leeren Schaufenster in ein anderes Licht rücken. Bereits 2017 gab es eine Aktion, bei der die betreffenden Schaufenster im Fokus standen: „Willkommen in Bad Pyrmont!“ nannte sich eine Ausstellung, die in leer stehenden Geschäften an der Brunnenstraße zu sehen war.

18 Tafeln berichteten damals mehrere Wochen lang über Geschichten von Flüchtlingen, Geschichten von Angst und Flucht, aber auch von Hoffnung, Perspektiven und einen Neuanfang in Bad Pyrmont. Die Aktion kam sehr gut an.

Rund 30 leer stehende Ladenlokale gibt es derzeit in der Innenstadt von Bad Pyrmont. Betroffen sind hier die Brunnen- und die Kirchstraße sowie der Postweg. Auch Anfang vergangenen Jahres habe die Zahl bei ungefähr 30 gelegen, sagt Helmut Fahle von der Bad Pyrmonter Werbegemeinschaft. Es gebe zwar etwas Entwicklung – hier macht ein kleines Geschäft zu, dort ein kleines auf –, aber das seien die „üblichen Bewegungen“. Um für Gäste, Bürger und Konsumenten die leer stehenden Gebäude wenigstens optisch ansehnlicher zu machen, habe die Werbegemeinschaft das Thema Ausstellungen in den jeweiligen Schaufenstern weiterhin auf dem Schirm, so Fahle auf Nachfrage. Jedoch gebe es auch andere Möglichkeiten.

Fahle selbst favorisiere eine Variante, bei der die Fenster vollflächig verklebt werden – mit Pyrmont-Motiven wie dem Bismarckturm oder der Friedrichsquelle. „Wir erarbeiten gerade ein Konzept“, verrät er. In Absprache mit dem jeweils beauftragten Makler könne dabei auch ein „zu vermieten“-Schild integriert werden. Und Fahle hat noch eine Idee: Man könnte in das aufgeklebte Motiv eine Art Guckloch schneiden, das den Blick ins Innere gewährt, sodass die Menschen neugierig werden. Dort soll dann zum Beispiel eine Tafel mit Informationen zu dem jeweiligen Motiv aufgestellt sein.

Auch das Thema Pop-up-Stores stehe zur Debatte, fügt Helmut Fahle hinzu. Studenten der Jade Hochschule Wilhelmshaven hatten auf Initiative der Bad Pyrmont Tourismus GmbH (BPT) Zukunftskonzepte für die Innenstadt von Bad Pyrmont entwickelt (wir berichteten). „Da waren tolle Ideen dabei, auch die Politik war begeistert“, sagt er. Einziges Problem: Die jeweiligen Vermieter müssten mitziehen – und das sei nicht immer so einfach. Ein Pop-up-Store bedeute nicht nur viel Engagement, sondern es gehe dabei auch um versicherungsrechtliche Fragen. Bei Pop-up-Stores handelt es sich um Kurzzeitläden, die oft unangekündigt an ungewöhnlichen Orten „aufpoppen“ und nach kurzer Zeit wieder verschwinden.

Sie können demjenigen, der sie zufällig entdeckt, ebenso wie demjenigen, der sie gezielt aufsucht, spektakulär inszenierte Produkte bieten. Im Vergleich zu dauerhaften Ladenbaukonzepten resultiert die zeitlich begrenzte Öffnung des Stores außerdem in überschaubaren Kosten, da langfristige Mietverträge wegfallen und häufig auf eine aufwendige Ladenausstattung verzichtet wird.

Aktuell befindet sich die Werbegemeinschaft in Gesprächen mit Stefan Ölmann, Fachgebietsleiter Finanzen und Wirtschaft, wie eventuelle Fördertöpfe angezapft werden können. „Wir wissen, wir stehen nicht allein vor dem Problem Leerstand – aber wir greifen an als Werbegemeinschaft!“, betont Fahle.