Die Sache stinkt

Hameln-Pyrmont (mes). Landwirte reden üblicherweise viel über das Wetter. In diesem Jahr hat das Klima zu einem besonders anrüchigen Notstand geführt: Die Güllebehälter sind voll, da die Felder seit Oktober vergangenen Jahres nicht oder kaum befahrbar sind. Die Gülle ließ sich nicht mehr ausbringen.

Jahrelang wurde um die EU-Düngeverordnung von 2017 gerungen. Sie ist die Reaktion auf den schlechten Zustand des Grundwassers in Teilen Deutschlands, wo es Probleme mit Nitrat gibt. Tatsächlich kämpfen etliche Bauern noch mit der Umsetzung der Verordnung, einige stöhnen über zu volle Gülle-Behälter, weil sie im Herbst nicht mehr so viel ausbringen durften. Die Düngeverordnung wurde zum 1. Juni 2017 auf Bundesebene geändert, aber die „Ausgestaltung ist etwas mager, Konsequenzen sind noch nicht absehbar“, sagt Thomas Wille, Pressesprecher des Landvolks Niedersachsen, Bauernverband Weserbergland.

Seit dem 1. Februar ist die Sperrfrist für die Gülleausbringung offiziell aufgehoben. Mit Ausnahmegenehmigung durften die Landwirte aber auch schon ab dem 16. Januar die Felder düngen. „Wer das in Anspruch genommen hat, musste dann aber auch im vergangenen Herbst zwei Wochen früher damit aufhören“, erklärt Wille die Einschränkung.

Er glaubt jedoch nicht, dass es im Landkreis Hameln-Pyrmont Bauern gibt, die bereits im Januar Gülle ausgebracht haben. „Dazu war es einfach zu nass, die Böden waren nicht befahrbar“, begründet er. Und es gebe noch eine andere Einschränkung: Das Düngen sei nur erlaubt, wenn die Flächen nicht mit Wasser vollgesaugt, tagsüber tiefgefroren oder so von Schnee bedeckt sind, dass man den Boden nicht mehr sehen kann, räumt Thomas Wille ein.

Das Problem ist derzeit, dass die Bauern mit ihren schweren Maschinen nicht auf die nach den starken Regenfällen durchnässten Äcker fahren können. Weil sie das schon seit vergangenem Sommer nur höchst selten konnten, sind die Güllelager voll bis zur Oberkante. Und schnelle Besserung ist nicht in Sicht: Laut eines Sprechers der Landwirtschaftskammer Niedersachsen könne es noch Wochen dauern, bis die Äcker wieder trocken genug sind, um darauf die Gülle auszufahren. Vor diesem Problem steht auch Wolfgang Benditte aus Haverbeck. In den vergangenen Tagen konnte er wenigstens den Weizen mit direkter Kopfdüngung bearbeiten. Grünland und Getreide insgesamt sowie Zwischenfrüchte wie Grünroggen und Gras könnten jetzt ebenso gedüngt werden. Da der Boden aber noch immer „viel zu nass“ sei, kann die Gülle nicht in den Boden eingearbeitet werden. Zehn Kubikmeter Gülle pro Hektar Land dürfen Landwirte ausbringen.

Horst-Friedrich Hölling, stellvertretender Vorsitzender des Landvolkes Weserbergland im Landkreis Hameln-Pyrmont, erklärt zum Thema Düngung: „Für Landwirte ist Gülle keinesfalls ein Abfallprodukt. Im Gegenteil: Mit der Verwendung von Wirtschaftsdüngern, also Gülle aus der Tierhaltung, Gärrest aus Biogasanlagen und Festmist von Tieren, betreiben wir eine Kreislaufwirtschaft.“ Das bedeute laut Hölling: „Die Nährstoffe aus dem Dünger ernähren die Pflanzen.“

Ein wichtiger Aspekt der Düngung ist auch der Zeitpunkt der Ausbringung. Hierzu weist Hölling auf Folgendes hin: „Aufgrund der vielen Niederschläge waren viele Felder lange Zeit nicht befahrbar. Durch den Frost hat sich dies nun geändert. Frost hat zudem den Vorteil, dass wir die Böden beim Befahren schonen und beim Verlassen der Felder Verschmutzungen umliegender Straßen geringer halten.“ Ebenso sei die Nachhaltigkeitsbilanz bei kühleren Temperaturen effizienter. So könne beispielsweise der Verlust von Stickstoffen, die einen zentralen Bestandteil des Düngers darstellen, auf ein Minimum reduziert werden. Generell könne man sagen: „Umso geringer die Temperaturen, desto geringer sind die Emissionen. Aus diesem Grund nutzen wir Landwirte auch gerne die Nächte und die frühen Morgenstunden zur Ausbringung.“

So ist es auch kein Wunder, dass Wolfgang Benditte dieser Tage früh auf den Beinen ist. Manchmal steht er schon um 2.30 Uhr auf. Derzeit düngt er die Weizenfelder, danach folgen Rüben und Mais. Bis etwa Mitte Mai wird der Landwirt mit der Düngung beschäftigt sein. Seine Bitte an Autofahrer: achtsam sein, gerade bei Dunkelheit. Die Güllefässer, die per Traktor transportiert werden, seien heutzutage doch sehr groß und breit. Bis zu 25 Kubikmeter Inhalt können sie fassen.