Fließendes zum Abschied

Bad Pyrmont (mes). Klappe, die letzte: Wenn im Rahmen der Ausstellungsreihe „Neue Kunst im alten Schloss“ ab morgen Holzschnitt, Malerei und Performance im Museum im Schloss Bad Pyrmont miteinander in den Dialog treten, dann ist das auch die letzte Sonderausstellung für Museumsleiterin Vanessa Charlotte Heitland, die „zufrieden“ auf das vergangene Jahr zurückblickt: 13405 zahlende Gäste kamen 2017 ins Museum im Schloss. Zum Vergleich: 2016 waren es 14053 gewesen, 2015 besuchten 12453 Menschen die Einrichtung. 63,2 Prozent der Besucher (8468) entfielen dabei auf eine der drei Sonderschauen „Begegnungen“, „Verwandlung“ und „Geishas, Dirnen, Kurtisanen“.

Im Zentrum der neuen Sonderausstellung „Floating“, die am morgigen Donnerstag um 19 Uhr eröffnet und dann bis zum 27. Mai zu sehen sein wird, steht das Motiv des Wassers, das fließende Element, dessen vielgestaltige Bedeutung und Erfahrbarkeit von den Künstlerinnen Anastasiya Nesterova (Münster) und Yuko Kaseki (Berlin) auf unterschiedliche Weise hinterfragt und ausgelotet wird. Assoziativ miteinander verwoben, entwickelt sich zwischen den einzelnen Arbeiten ein poetischer und zugleich lebhafter Austausch über das physische wie psychische Empfinden eines Elementes, das Erfassen von Zeit, die Flüchtigkeit der Gegenwart, das Zusammenwirken von Mensch und Natur und die Wahrnehmung von Landschaften – realen wie idealen Orten.

Anastasiya Nesterova, geboren 1979 in Sewastopol/Ukraine, absolvierte zunächst ein Kunststudium in Odessa, bevor sie 2005 ihr Studium im Fachbereich Design, Fachrichtung Illustration mit Schwerpunkt Druckgraphik bei Professor Wolfgang Troschke und Knut Willich begann, das sie 2009 mit dem Diplom abschloss. Das große Thema ihres künstlerischen Schaffens ist die Landschaft in ihren zeitgenössischen Erscheinungsformen. In ihren Farbholzschnitten und Ölgemälden formuliert sie von einer ganz individuellen Bildsprache und sensiblen Beobachtungsgabe geprägte Interpretationen dieses Themas, in der es ihr nicht um ein fotografisch genaues Abbilden geht, sondern um das Dokumentieren von Zuständen und das Erzeugen von Stimmungen. Speziell bei ihren Arbeiten zur Motivik des Wassers – gezielt sind für die Pyrmonter Ausstellung zu diesem Thema eine ganze Reihe neuer Bilder entstanden – experimentiert sie darüber hinaus mit der Wirkung von Materialstrukturen und Formen.

An zahlreichen

Projekten beteiligt

Yuko Kaseki, geboren in Japan, studierte Butoh-Tanz und Darstellende Künste an der HBK Braunschweig und war anschließend Mitglied der renommierten Compagnie Dance Butter Tokio von Anzu Furukawa. Seit 1995 lebt sie in Berlin, wo sie im gleichen Jahr gemeinsam mit Marc Ates die Tanzcompagnie cokaseki gründete. Yuko Kaseki arbeitet als Choreografin und Dozentin und tritt als Tänzerin regelmäßig solo, aber auch in verschiedenen Formationen auf und ist an zahlreichen internationalen Projekten mit anderen Künstlern, Tänzern und Musikern beteiligt. Ihre außergewöhnlichen Performances stehen in der Tradition des Butoh, implementieren aber genauso Elemente des zeitgenössischen Tanzes. Wasser ist dabei ein wiederkehrendes Thema in ihrer Arbeit. In ihrem in Pyrmont präsentierten Projekt „Floating Device“, einer Reihe von Video-Performances, die (gemeinsam mit Yingmei Duan) 2014 in Ahrenshoop entstanden, ergründet und reflektiert Yuko Kaseki die Interaktion des eigenen Körpers mit dem flüssigen Element und die Spuren, die sowohl das Wasser selbst als auch der eigene Körper dabei hinterlassen. Dabei hinterfragt sie Veränderungen durch den oftmals schädlichen Eingriff des Menschen in die Natur, aber auch Themen wie Zuflucht, Sehnsucht und Vergänglichkeit.

„Ziel der Reihe ‚Neue Kunst im alten Schloss’ ist es, Gegenwartskunst in all ihren Facetten abzubilden“, sagt Museumsleiterin Vanessa Charlotte Heitland. „Das heißt für mich auch, immer wieder unterschiedliche künstlerische Positionen und Medien miteinander zu verknüpfen, um daraus neuartige Dialoge über ein Thema zu entwickeln – wie im Fall dieser Ausstellung. Ein besonderes Highlight wird dieses Mal darüber hinaus eine Performance sein, die Yuko Kaseki anlässlich der Vernissage zum Thema der Ausstellung in den Räumen der Beletage aufführen wird. Das hat es so im Schloss zuvor noch nicht gegeben.“

Zur Ausstellung wird während der Laufzeit ein Katalog erscheinen. Öffentliche Kuratorenführungen mit Vanessa Charlotte Heitland finden Sonntag, 18. März und 6. Mai, jeweils um 15 Uhr statt. Weitere Sonderführungen sind nach Terminvereinbarung möglich.

Die Ausstellung ist bis zum 27. Mai dienstags bis sonntags von jeweils 10 bis 17 Uhr geöffnet.