Welcher (Feier)tag darf‘s denn sein?

Hameln-Pyrmont (mes/ey). Ein neuer Feiertag soll kommen. Während sich Hamburg und Schleswig-Holstein bereits auf den 31. Oktober, den Reformationstag, geeinigt haben, ist die Entscheidung in Niedersachsen noch nicht gefallen. Verdammt, worauf warten die? HALLO Mittwoch macht mobil und bittet auf der HALLO-Facebook-Seite um Vorschläge aus den Reihen des Volkes für die Volksvertreter! Denn manchmal braucht’s ja nur einen Stubs, und schon funktioniert die Sache.

Wobei der Ausdruck „zusätzlicher Feiertag“ eigentlich ja gar nicht stimmt: Immerhin hatten wir lange Zeit den Buß- und Bettag, der uns aber Ende des vergangenen Jahrtausends weggenommen wurde. Im Jahr 1994 war beschlossen worden, den arbeitsfreien Tag mit Wirkung ab 1995 zu streichen, um die Mehrbelastung für die Arbeitgeber durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung durch Mehrarbeit der Arbeitnehmer auszugleichen. Nur in Sachsen besteht der Buß- und Bettag bis heute als gesetzlicher Feiertag weiter. Ein neuer Feiertag bei uns in Niedersachsen bedeutet also eigentlich nur zurück zur guten alten Zeit.

Doch nicht jeden freut‘s. „Wir sind klar dagegen“, sagt Dieter Mefus, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Unternehmer im Weserbergland (AdU). Im Vergleich sei die Produktivität in Bayern, das vier Feiertage mehr hat, deutlich höher als in Niedersachsen. Ein zusätzlicher Feiertag im Norden würde also der Wirtschaft schaden.

Der 31. Oktober, der evangelische Reformationstag, wird in Hamburg und Schleswig-Holstein zukünftig frei sein – auch wenn es Kritik von Katholiken und jüdischen Gemeinden gab. Philipp Meyer, Superintendent im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont, sagt jedoch: „Der Reformationstag ist ja kein Luther-Tag, sondern hat für die Menschen sehr viele einschneidende Veränderungen gebracht. Er ist ein geeigneter Tag für einen Feiertag.“ Dass sich die Wirtschaft Sorgen mache, das könne er als Superintendent nicht beurteilen, wohl aber „ist festzustellen, dass Bundesländer wie Bayern, die mehr Feiertage haben, wirtschaftlich dennoch besser stehen als Niedersachsen“.

Für den Superintendenten zählt übrigens der Hintergrund eines auserwählten Feiertags. „Es sollte nicht darum gehen, die Beine einfach so hochlegen zu dürfen, sondern ein besonderer Tag muss den ’Moment der Reflexion‘ in sicht tragen.“ Erst dadurch werde er zum Feier-Tag.

In Niedersachsen und Bremen läuft die Diskussion noch. Auch hier wird darüber nachgedacht, den Reformationstag zu nehmen, weil es eine einheitliche norddeutsche Regelung geben soll. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Reformationstag bereits seit Langem ein Feiertag. Eine Entscheidung wird es voraussichtlich nicht vor Mai geben.

Die Landesregierung gab einstimmig einen Gesetzentwurf zur Verbandsanhörung frei, der den 31. Oktober als neuen gesetzlichen Feiertag vorsieht. Die Kirchen, Verbände und Gewerkschaften haben nun Zeit, sich zu dem Vorschlag der Landesregierung zu äußern. Im April soll der Gesetzentwurf an den Landtag gehen.

Gegen den 31. Oktober haben sich bereits die jüdischen Gemeinden und die katholischen Bistümer ausgesprochen. Der Präsident der Jüdischen Gemeinden, Michael Fürst, bezeichnete eine solche Entscheidung für untragbar. Fürst wies auf antisemitische Ausfälle des Reformators Martin Luther hin. Prälat Felix Bernard vom Katholischen Büro Niedersachsen warb für den Buß- und Bettag, mit dem alle Religionen etwas anfangen könnten.

Buß- und Bettag oder Reformationstag – und es gibt noch weitere Vorschläge, welches Datum in Niedersachsen zum Feiertag gemacht werden könnte oder sollte. So hat die niedersächsiche Landtagspräsidentin Gabriele Andretta den 8. März ins Spiel gebracht, den Internationalen Frauentag. Ein weiterer Vorschlag kam vom niedersächsischen Landesverband des Humanistischen Verbandes Deutschland (HVD), der den 10. Dezember, den internationalen Tag der Menschenrechte, als neuen niedersächsischen Feiertag vorschlug.