Gerücht ist eine ernsthafte Überlegung

Bad Pyrmont. Wird die Bad Pyrmont Tourismus GmbH (BPT) ihren Standort am Europaplatz zugunsten der Stadtwerke aufgeben und in Räume in der Wandelhalle einziehen? Was als Frage nach einem Gerücht während der jüngsten Versammlung des Kur- und Verkehrsvereins im Raum stand (und nicht beantwortet wurde), ist eine ernsthafte Überlegung, die unter den drei Gesellschaftern Stadt, Staatsbad und Kur- und Verkehrsverein angestellt wird. Das hat Bürgermeister Klaus Blome als Aufsichtsratsvorsitzender der BPT auf Anfrage bestätigt.

Man sei aber definitiv noch ganz am Anfang dieser Überlegungen, betonte er. „Eine Entscheidung sollte aber noch in diesem Jahr getroffen werden.“ Es seien vor allen Dingen Synergieeffekte, die bei den Überlegungen eine Rolle spielen, begründete er den Grund für die Überlegungen. Aus rein finanzieller Sicht hätte das durchaus Vorteile. Übernähmen die Stadtwerke das Gebäude, hätte die Stadt als Eigentümer Mieteinnahmen von anderer Seite, und die Miete für Räume der Wandelhalle dürfte günstiger sein.

Aber auch das bisherige Fehlen einer Touristinformation im Stadtzentrum führt Blome als Argument an. Als Anfang der 1990er Jahre die Entscheidung fiel, das heutige BPT-Gebäude zu bauen, entschieden sich die Gesellschafter für einen Standort an der Südstraße und nicht im Zentrum, weil dort die Tagesgäste ankommen und sich mit ersten Informationen versorgen. Hier sei das „Tor zur Stadt“, hieß es damals und in der Folge bestätigte sich, dass diese Entscheidung richtig war.

Nach Informationen dieser Zeitung werden die Umzugspläne schon längere Zeit in Erwägung gezogen – zumindest beim Staatsbad. Das hält eine zweigeschossige Fläche in der Wandelhalle neben seinem Kartenvorverkauf frei, „weil dort möglicherweise die BPT einzieht“, wie es anderen Pächtern im Januar berichtet wurde. „Die Idee ist wohl schon länger im Raum, aber im Kreis der Gesellschafter haben wir uns erst vergangene Woche erstmals mit dieser Frage beschäftigt“, versicherte Blome. Kurdirektor Maik Fischer betonte, dass es ihm darum gehe, die Effizienz der BPT zu steigern, die Liquidität zu garantieren und sie so langfristig zu sichern. „Das Team leistet eine hervorragende Arbeit und das mit immer geringer werdenden finanziellen Mitteln“, sagte er. Er wünsche sich eine engere Verzahnung zwischen Wandelhalle und der Touristinformation und eine touristische Beratung in beiden Objekten. „Mit einer noch besseren Qualität für die Gäste wird auch die BPT gestärkt“, so Fischer. Martina Tigges-Friedrichs, Vorsitzende des Kur- und Verkehrsvereins, hält die Wandelhalle prinzipiell für den richtigen Platz. „Für Gäste, die bereits in der Stadt sind, ist sie besser zu erreichen“, so ihr Argument. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass für anreisende Gäste am Europaplatz ein Ansprechpartner der BPT präsent bleibe. Vor so einer Entscheidung gebe es viele Fragen zu bedenken. „Zum Beispiel müsste auch geklärt werden, wie die Betreuung der Wohnmobilgäste geregelt wird“, so die KVV-Vorsitzende, die die möglichen Synergieeffekte durchaus als Argument gelten lassen will.

BPT-Geschäftsführer Karsten Stahlhut will sich aktuell nicht zu den Umzugsplänen äußern. Er sei bislang noch nicht in die Gespräche eingebunden worden, bestätigte Blome. „Bevor man jemanden einbindet, muss man zunächst wissen, in was man ihn einbindet“, begründete der Bürgermeister dies mit dem frühen Stand der Überlegungen.

Und die Stadtwerke? Die sollen das BPT-Gebäude künftig für ihren Vertrieb nutzen, auch wenn das städtische Unternehmen – wie zumindest aus Belegschaftskreisen zu hören ist – darauf nicht unbedingt erpicht sein soll. Eine Bestätigung dafür gab es am Mittwoch nicht, weil Geschäftsführer Uwe Benkendorff zurzeit im Urlaub ist.