Die Furcht vor dem Virus aus Afrika

Bad Pyrmont. Von Osteuropa aus breitet sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) immer weiter westwärts aus. In Hessen haben Tierärzte und der Katastrophenschutz deshalb gerade in einer groß angelegten Übung den Ernstfall geprobt. Und auch in Bad Pyrmont hat man das Thema auf dem Schirm. Hier haben sich Forstverwaltung, Politik und Jagdpächter – auch mit Blick auf die Seuche – auf eine vorzeitige Verlängerung der Pachtverträge für die Jagdbezirke im Eigentum der Stadt verständigt. Die Rede ist von sechs Eigenjagebezirken mit einer Fläche von rund 1900 Hektar. Deren Verpachtung bringt der Stadt laut Forstamtsleiter Uwe Schenkemeyer bisher rund 42000 Euro Einnahmen im Jahr.

„Wir werden die Jagdpachten zwei Jahre vor Ablauf vorzeitig verlängern“, berichtete Heike Beckord dazu beim jüngsten Bürgerforum der Pyrmonter Ratsmehrheits-„Gruppe 17“ aus SPD, WiR, Grünen, FDP und Linken. Zur Begründung verwies die SPD-Fraktionschefin auch auf die Gefährdung durch das Virus. Komme es hier an, „dann dürfen wir unsere Wälder nicht mehr betreten“, soBeckord. Was durch die Vertragsverlängerung zudem verhindert werden solle: „Jagdpächter aus dem Ruhrgebiet, die nur zum Ballern kommen“, sich aber nicht so intensiv um die Pflege kümmern könnten wie einheimische Pächter.

Aktuell warten die Jäger zwar noch auf eine offizielle Verordnung zum Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest durch das Land Niedersachsen. Doch schon jetzt gilt der verstärkte vorsorgliche Abschuss von Wildschweinen als ein Weg, um eine folgenschwere ASP-Ausbreitung in Grenzen zu halten. Den Zusammenhang zwischen der Seuche und den Pachtverträgen erklärt Hans-Joachim Böhnke, der dem Bad Pyrmont „Hegering 6“ vorsteht: „Wenn die Revierinhaber zur Seuchenprävention mehr Schwarzwild bejagen sollen, müssen sie viel Zeit und Geld investieren.“ Hinzu komme: Infolge des Orkans Friederike hätten einige heimische Reviere erheblichen Schaden genommen. Den auszugleichen, werde die Pächter zum Beispiel allein im Revier „Mosterholz Süd“ um die 2000 Euro kosten.

Liefen die zu unterschiedlichen Zeiten geschlossenen, bislang für neun Jahre geltenden Pachtverträge jedoch innerhalb der nächsten zwei Jahre aus, dann würde den jetzigen Pächtern die Planungssicherheit fehlen, die sie für die nötigen Investitionen in ihre Reviere bräuchten.

Bad Pyrmonts Hegering-Vorsitzender ist bereits für die ASP-Beprobung ausgestattet. „Auf die normale Schweinepest testen wir schon seit zehn Jahren jedes erlegte oder tot aufgefundene Wildschwein“, sagt er. Weil er auch das neue Test-Kit hat, „muss nun nicht jedes Mal jemand vom Veterinäramt kommen“. Und was würde nach der Entdeckung eines an der Afrikanischen Schweinepest verendeten Tiers zum Beispiel im Bomberg passieren? „Dann wird ein Sieben-Kilometer-Radius um den Fundort herum eingezäunt“, sagt Böhnke. Für den Menschen sei das Virus zwar nicht gefährlich. „Aber da passieren dann keine Jagd mehr, keine Landwirtschaft, keine Spaziergänge.“ Es müsse absolute Ruhe herrschen, damit möglichst kein Schwein weiterwandere, sondern an Ort und Stelle verende. In den Wald dürften dann nur noch Tierseuchenteams der Behörden, etwa um Kadaver wegzuschaffen und den Boden auszutauschen.

Noch sind viele Fragen offen. Aber die Jäger hoffen bald auf Antworten. Einige könnte es im kommenden Monat in der Kur-stadt aus erster Hand geben. Am 11. April kommt Niedersachsens neue Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) zu einem öffentlichen Info-Termin über die Afrikanische Schweinepest ins Pyrmonter Rathaus.