Wau-Effekt mit Potenzial

Hameln-Pyrmont (ey/mes). Vier Gemeinden, vier Städte und rund 150000 Einwohner – das ist der Landkreis Hameln-Pyrmont. So weit, so richtig. Aber Hand aufs Herz: Dass in den acht Kommunen insgesamt 10616 Hunde angemeldet sind, würde man kaum vermuten! Ist ’ne Menge, oder? Bisweilen wächst sich die Sache sogar zum Politikum aus, weil die Einnahmen aus der Hundesteuer nicht zu unterschätzen sind. Beispiel Emmerthal: Jährlich rund 71500 Euro werden für 2018 erwartet; der Rat hatte sich vor einiger Zeit dafür ausgesprochen, die Hundesteuer anzupassen. Der Ersthund kostet 70 Euro im Jahr, und ab diesem Jahr werden für sogenannte „gefährliche Hunde“ gleich mal 550 Euro verlangt.

„Aktuell führen wir eine Rasseabfrage durch, um die Zahl der sogenannten gefährlichen Hunde zu ermitteln“, sagt Olaf Schmidt, Fachbereichsleiter Finanzen im Emmerthaler Rathaus. Angaben zu den beliebtesten Hunderassen zu machen, sei daher zurzeit nicht möglich. Wohl aber steht die Zahl der angemeldeten Hunde: In Emmerthal sind es 874. Bei etwa 9800 Einwohnern bedeutet dies, dass jeder elfte Einwohner einen Hund besitzt. In Salzhemmendorf ist die Quote noch höher: „965 Hunde sind bei uns gemeldet“, sagt Roswitha Laube vom zuständigen Fachbereich. Einwohner: knapp 9200. Und in der Tat kann Frau Laube sogar auf die drei beliebtesten Rassen hinweisen. Danach stehen in Salzhemmendorf Mischlinge auf Platz 1 vor dem Labrador und dem kleinen Chihuahua.

Klarer Fall, das alles sind nur Zahlenspiele. Aber immerhin zeigen sie deutlich, dass die Quote der Hundehalter im ländlichen Bereich sehr viel höher ist als in den Städten. Sie dokumentieren überdies die steuerliche Bedeutung, die verteilt auf alle acht Städte und Gemeinden bei weit über einer dreiviertel Million Euro jährlich liegt. Es ist kaum von der Hand zu weisen, dass Hundehalter in Zukunft angesichts leerer Kassen in Städten und Gemeinden mit der Anpassung der Steuersätze leben müssen, mit der Anpassung nach oben…

In Bad Pyrmont sind 1351 Hunde registriert (Stand September 2017), sagt Stadt-Pressesprecher Wolfgang Siefert. Für die Stadt bedeute dies eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle. „Für den ersten Hund werden 100 Euro fällig, für den zweiten 150 Euro und für jeden weiteren 210 Euro“, sagt Siefert. Gefährliche Hunde schlagen mit 480 Euro zu Buche. 2981 Hunde sind in Hameln der Behörde gemeldet, Hessisch Oldendorf kommt auf eine Zahl von etwa 1200 Vierbeinern, sagt die dortige Verwaltungsmitarbeiterin Ira Kube. Und in Bad Münder sind 1414 Hunde gemeldet. Hier nimmt die Stadt 100 Euro für den ersten Hund an Steuern ein, 150 für den zweiten und 300 Euro für jeden weiteren. Für gefährliche Hunde zahlt der Besitzer je 500 Euro.

Spaniel, Beagle oder Labrador: Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Über zehn Millionen Hundebesitzer gibt es in Deutschland. In Niedersachsen steht der Mischling nach wie vor auf Platz 1 der beliebtesten Rassen. Die Olde English Bulldogge und der American Staffordshire Terrier, die anderswo als Kampfhunde gelten, haben 2017 die Herzen der Niedersachsen erobert. In den Top 5 der beliebtesten Hunde des letzten Jahres belegen sie die Plätze 4 und 5. Damit haben sie sogar den typischen Familienliebling Golden Retriever des Platzes verwiesen. Auf den Plätzen 1 bis 3 stehen im zweiten Jahr in Folge Mischling, Labrador und Französische Bulldogge. Das ergab eine Auswertung von Kundendaten der Agila-Haustierversicherung. Sowohl die „Olde Bull“, die größere Variante der Englischen Bulldogge, als auch der „Amstaff“ sind Hunde, die schwer an ihrem Erbe tragen. Denn ihre Vorfahren waren Hunde, die im England und Amerika des 19. Jahrhunderts gezielt für Hundekämpfe gezüchtet wurden. Daher gelten die Olde English Bulldogge und der American Staffordshire in vielen Ländern bis heute als gefährlich.