Sie ist wieder da!

Hameln-Pyrmont (mes). Gähn. Dieses Wochenende werden wir wieder einer Stunde beraubt. Jedes Jahr im März und im Oktober schlägt sie zu, die Zeitumstellung. Mal springt die Uhr eine Stunde zurück, mal eine Stunde vor. An diesem Wochenende springt sie in der Nacht von Samstag auf Sonntag wieder eine Stunde vor – von 2 auf 3 Uhr.

Die Zeitumstellung sehen die meisten Deutschen kritisch. 70 Prozent sind sogar dafür, die Sommerzeit ganz abzuschaffen, wie eine DAK-Umfrage zeigt. Wahrscheinlich liegen sie mit diesem Wunsch gar nicht so falsch. Denn die Zeitumstellung belastet die Gesundheit. Eine schwedische Studie zeigte, dass in den ersten drei Tagen nach der Umstellung auf die Sommerzeit das Herzinfarktrisiko stieg. An den drei Tagen nach der verkürzten Nacht werden 25 Prozent mehr Menschen wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus eingeliefert als im Jahresdurchschnitt.

In seinen 38 Jahren als praktizierender Arzt hat Dr. med. Hans-Hermann Zimny indes keine gravierenden Symptome bei seinen Patienten feststellen können, die mit der Zeitumstellung in Zusammenhang standen. „Die Zeitumstellung ist ein gewisses Ärgernis, ja, so mancher kommt gähnend in meine Praxis“, schmunzelt der Sprecher der Ärzteschaft Bad Pyrmonts. Auch wolle er einen gewissen Stress für den Körper nicht in Abrede stellen. Jedoch empfiehlt er keine Medikamente gegen den Mini-Jetlag. Zwar gebe es das zugelassene „Cirkadin“, ein Melatonin-haltiges Schlafmittel, jedoch sei dies doch eher für Menschen geeignet, die in Schichten arbeiten, räumt er ein. Stattdessen legt er jedem, der Probleme mit der Anpassung an die Sommerzeit hat, die „Zehn Goldenen Schlafregeln“ nahe:

1. Den Tag ruhig ausklingen lassen

2. Ausgewogene Ernährung vor dem Schlaf (nicht zu voller Magen, kein Hunger)

3. Keine aufputschenden Mittel

4. Optimale Bettgestaltung (so wie man sich bettet, so schläft man)

5. Schlafrituale (selbe Zeit, Entspannungsmusik)

6. Keine störenden äußeren Einflüsse

7. Kein Fernsehen

8. Kein sichtbarer Wecker

9. Optimale Zimmertemperatur (etwa 18 Grad Celsius)

10. Nur schlafen gehen, wenn man wirklich müde ist

„Der Biorhythmus stellt sich nicht von einem Tag auf den nächsten um – viele Menschen brauchen etwas Zeit, um wieder in den Takt zu kommen“, sagt auch Ärztin Elisabeth Thomas. Wer sich aufgrund der Zeitumstellung schlecht fühlt, dem rät sie „Entspannung, frische Luft und ein bisschen Geduld.“ Die meisten verkraften die Zeitumstellung zwar problemlos, doch manche spüren einen leichten Jetlag und sind müde.

27 Prozent haben

gesundheitliche Probleme

In der Umfrage gaben 27 Prozent der Befragten an, schon einmal gesundheitliche Probleme nach dem Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit gehabt zu haben. Als Beschwerden wurden vor allem Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Einschlafen und Konzentrationsprobleme genannt. Bei jedem zehnten Befragten kamen demnach schon depressive Verstimmungen vor.

Derzeit prüft die EU Forderungen nach einer Abschaffung der Sommerzeitverordnung. Ein offizielles Gutachten, das das deutsche Büro für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) 2016 vorlegte, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Zwar verringert die Sommerzeit den Energieverbrauch in der Bundesrepublik – die Ersparnis beläuft sich jedoch auf nur 0,21 Prozent. Mehr noch: Eine wissenschaftliche Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass dieser Effekt jedes Jahr einen beachtlichen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht.

Vor allem einen hohen Aufwand verursacht die Zeitumstellung in großen Produktionsbetrieben: „Viele Prozesse, die die Zeitumstellung betreffen, laufen bei Lenze schon lange automatisiert ab. Trotzdem verursacht die Zeitumstellung bei uns einen erhöhten Aufwand. Denn besonders an Maschinen müssen die Uhren zum Teil noch manuell umgestellt werden. Da fallen schnell ein bis zwei Manntage für die Werksinfrastruktur an“, sagt Julia-Maria Thie, Public Relations Manager bei Lenze in Groß Berkel. Aus diesem Grund sehe das Unternehmen in der Zeitumstellung auch eher einen Mehraufwand als einen Vorteil.

Keinen wirklichen Aufwand bedeutet die Zeitumstellung indes für das Bathildiskrankenhaus in Bad Pyrmont. „Lediglich die Mitarbeiter, die im Nachtdienst arbeiten, müssen je nach Umstellung eine Stunde mehr beziehungsweise weniger arbeiten“, informiert Alexandra Hary, Qualitätsmanagement und Unternehmenskommunikation. „Hier bekommen wir aber keine Probleme mit dem Arbeitszeitgesetz“, fügt sie hinzu.

Ab Sonntag ist also Sommerzeit angesagt. Zurückgedreht werden die Uhren dann wieder am letzten Sonntag im Oktober. Dann gilt wieder in allen Staaten der EU die Winterzeit – also die Normalzeit.