Beste Auftragslage für das Handwerk

Hameln-Pyrmont (mes). Gut sieht es aus für das Handwerk im Landkreis Hameln-Pyrmont. Dieses positive Fazit zieht Ulrich Wichmann. HALLO Mittwoch sprach mit dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hameln-Pyrmont über Auftragslage und Herausforderungen dieser Branche in unserer Region.

„Von keinem Betrieb gibt es Klagen, dass er nichts zu tun hätte“, freut sich Wichmann. Und das sei nun seit rund zwei Jahren der Fall. Die Handwerksunternehmen haben volle Auftragsbücher, sowohl für den privaten als auch für den industriellen Bereich. „Ich freue mich, wenn ich in Hameln einen Kran in den Himmel ragen sehe“, fügt er hinzu. Das habe vor fünf, sechs Jahren noch ganz anders ausgesehen. „Da war in Hameln und Umgebung tote Hose, es gab kaum Großbaustellen“, erinnert er sich. Das habe sich zum Besseren geändert.

Grund zur Sorge bereite ihm indes ein anderes Thema: der Fachkräftemangel. Die Betriebe können sich vor Aufträgen kaum retten – und doch nur einen Teil davon abarbeiten, weil die Arbeitskräfte fehlen. „Der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel hemmt unser Wachstum im Handwerk“, bestätigt auch der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer. „Wir haben volle Auftragsbücher. Manche Betriebe können inzwischen aber keine weiteren Aufträge mehr annehmen, weil ihnen schlicht das Personal fehlt, um diese Aufträge abzuarbeiten.“ Mehr als 40 Prozent der Handwerksbetriebe suchten Fachkräfte sowie Auszubildende.

Ulrich Wichmann sieht auch die Betriebe selbst in der Pflicht. „Sie kennen die Altersstruktur ihrer Mitarbeiter und müssen sich eben drei bis fünf Jahre vorher Gedanken machen, wie sie Kräfte, die in Rente gehen, ersetzen, ob sie externe hinzuziehen oder selbst Nachwuchs heranziehen“, sagt er. Und da komme schon das nächste Problem: die Ausbildung. Zahlreiche Fachbetriebe wollten junge Menschen ausbilden, jedoch klagten viele über nicht geeignete Bewerber – wenn es denn überhaupt welche gibt. „Bis 2010 hatten wir da noch paradiesische Zustände“, rekapituliert Wichmann.

Mit Blick auf das Potenzial der Flüchtlinge sieht der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft die Sprache als große Hürde. Die Inhalte, die in einer handwerklichen Ausbildung vermittelt werden, seien am ehesten für Menschen geeignet, die Deutsch als Muttersprache hätten. Denn die Azubis lernen einfach viele Fachbegriffe, die in keinem Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ vermittelt würden. Und selbst wenn es ein entsprechendes Sprachangebot gäbe: Zum einen könne man nicht alle Flüchtlinge in ein und demselben Kurs unterrichten, weil es zu viele unterschiedliche Nationen seien. Zum anderen stelle sich auch die Frage, wo und wann solcher Unterricht stattfinden sollte. Bei durchschnittlich zwei Berufsschultagen und drei Tagen im Betrieb in der Woche würde sich nur der Samstag anbieten, aber für den Tag ließen sich nur schwer Orte und Dozenten finden. „Vor 50 Jahren war das anders, da ging man samstags noch zur Schule“, betont Wichmann. In den vergangenen Jahren habe sich aber ein Bewusstseinswandel vollzogen, der nicht hilfreich ist, die bestehenden Probleme zu lösen. „Von einer Problebehebung sind wir weit entfernt.“

Derzeit harre man nun aber der Dinge, die da in Sachen Großprojekte auf die Handwerkerschaft Hameln-Pyrmont warten: „Das Schulzentrum Nord in Hameln geht gut voran und wir erhoffen uns natürlich auch Chancen auf Aufträge für den Neubau der Elisabeth-Selbert-Schule“, sagt Ulrich Wichmann. Zudem weist er auf das Hamelner Rathaus und die Tiefgaragen-Pläne hin. Es sei also noch einiges an öffentlichen Aufträgen zu erwarten für die nähere und mittlere Zukunft bis 2025-27. „Wir haben schon deutlich schlechtere Phasen durchlebt.“