Der Kulturförderverein ist insolvent

Hameln. Der Briefkasten ist überfüllt. An den leicht verschmutzten Fensterscheiben kleben noch Plakate, auf denen Veranstaltungen angekündigt werden, Konzerte und Karaoke. Beim Blick durch die Scheiben fallen dem Betrachter eine E-Gitarre, ein voller Aschenbecher, Zimmerpflanzen und ein paar Möbel ins Auge. Die Baustraße 28 sollte eine Anlaufstelle, ein Treffpunkt für lokale Musiker werden. „Wir wollten Mittler der lokalen Musikszene sein und Leute zusammenführen“, sagt Gerd Siepmann vom Kulturförderverein Weserbergland (KFW). „Das war der Ursprungsgedanke hinter dem Verein.“ Siepmann hat den Verein mitgegründet. Knapp zwei Jahre ist das her. Jetzt ist der Kulturförderverein im Begriff sich aufzulösen.

Die Facebook-Seite des Vereins besteht noch. Allerdings ist der letzte Beitrag aus dem September. Damals wurde ein Konzert im K3 angekündigt, in der Kneipe, ein paar Hundert Meter weiter die Straße runter. Die Homepage des Vereins ist längst offline. „Da konnte sich bald keiner mehr drum kümmern“, sagt Siepmann, beim Verein zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Das Team habe nur aus wenigen Ehrenamtlichen bestanden, von denen die meisten voll berufstätig seien. Dafür kann sich die Bilanz des KFW aber sehen lassen. An der Klütschule gab der Kulturförderverein Musikunterricht, im Verbund mit SAM, dem Verein Sozial, Aktiv, Menschlich, veranstaltete er Schlagzeug- und Percussion-Workshops am Kuc-kuck, dem sozialen Brennpunkt in Rohrsen. Ein weiteres Angebot war die „School of Rock“, die vom KFW wieder ins Leben gerufen wurde. Dazu gehörte auch das Band-Coaching. Heißt: Unerfahrenen Bands wurde unter die Arme gegriffen, bei der Ausstattung, beim Schreiben von Songs, bei der Außendarstellung und so weiter. Daraus sei etwa die Hamelner Metal-Band Ameos hervorgegangen, sagt Siepmann. Ein weiteres Projekt war die Weihnachts-Gala, ein Mini-Festival im Regenbogen. Ebenfalls vom KFW auf die Beine gestellt wurde das Schrappmühlen Open Air in Aerzen. Alles Tätigkeiten, die zwar keine roten Zahlen geschrieben, aber die auch nicht genug Gewinn abgeworfen hätten, um sich als Verein langfristig über Wasser halten zu können. Das gelte auch für die Konzerte, die der KFW regelmäßig in dem beschaulichen K3 ermöglichte. Das einzige Projekt, das Siepmann im Rückblick wirklich als Rohrkrepierer betrachtet, ist das „Peacemaker Project“. „Das war ein allgemeiner Friedensaufruf an die Kunst- und Kulturszene“, sagt Siepmann, der für Die Linke im Rat der Stadt Hameln sitzt. Leider sei dieser Aufruf von den Hamelnern aber nicht erhört worden. Regelmäßig veranstaltete der Verein Konzerte im K3. Die wird es wohl auch weiterhin geben. Siepmann ist ohnehin als Booker für die Kneipe tätig.

Dass es alles andere unter der Flagge des Kulturfördervereins nun nicht mehr geben wird, sei auf ein Mietverhältnis zurückzuführen, auf das sich der Verein 2016 eingelassen habe. Nach einigen Monaten habe der Verein feststellen müssen, dass er sich mit der Miete übernommen hat, und den Vermieter gebeten, den Verein vorzeitig aus dem bis Juni 2019 laufenden Vertrag zu entlassen. Doch dies habe der Eigentümer rigoros abgelehnt, schildert Siepmann. Eigentümer Wolfgang Wittkopp bestätigt dies zwar, weist aber darauf hin, dass der langfristige Vertrag auf ausdrücklichen Wunsch des Kulturfördervereins abgeschlossen worden sei. Zudem habe der Verein nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, einen Nachmieter vorzuschlagen.

Fest steht: Der Verein geriet in Mietrückstand – und in finanzielle Schieflage. Mit der Konsequenz, dass der Verein im November ein Insolvenzverfahren beantragt hat.