Unangenehme Begegnungen

Bad Pyrmont. Die Straßen am Grießemer Berg sind eng – sowieso. Seit November vergangenen Jahres dient die Verbindung zwischen Grießem an der Bundesstraße 1 und Bad Pyrmont zusätzlich als Umleitung für die gesperrte Ortsdurchfahrt in Amelgatzen, wo eine neue Brücke gebaut wird. Damit ist es noch wahrscheinlicher geworden, hier unangenehme Begegnungen mit Lastwagen und Bussen zu haben. Doch lässt sich das ändern? Ließe sich die Landesstraße 426 für große Fahrzeuge sperren?

Stefan Zahn aus Bad Pyrmont hatte erst jüngst ein Erlebnis, auf das er gerne verzichtet hätte. „Kürzlich tauchte vor mir in einer Linkskurve vollkommen überraschend ein Bus auf, der weit in meine Fahrspur ragte“, meldete er sich bei den Pyrmonter Nachrichten. Das sei so schnell gegangen und sei so knapp gewesen, dass er nicht einmal mehr habe hupen können. Um die aus seiner Sicht gefährliche Situation zu verdeutlichen, schilderte der Pyrmonter eine weitere Beobachtung, die er gemacht habe. „Ich fuhr am Grießemer Berg direkt hinter einem langen Lastwagen her. Der Fahrer konnte nichts dafür, aber in den engen Kurven musste er die entgegengesetzte Fahrspur nutzen und damit ein hohes Unfallrisiko eingehen.“ Auch wenn ein anderer Fahrer, der dort regelmäßig unterwegs ist, die Situation nicht so bedrohlich erlebt, so ist es für Zahn nur eine Frage der Zeit, bis hier jemand schwer verunglückt. „Wer ist verantwortlich für die Freigabe der Strecke für Bus und Lastwagen?“, fragt Zorn.

Bei der Pyrmonter Polizei weiß man um die grundsätzliche Problematik. „Es ist eng, das stimmt, aber die Strecke gehört nicht zu den Unfallschwerpunkten“, betont Bad Pyrmonts Kommissariatsleiter Manfred Hellmich. „Und einen Plan B gibt es ohnehin nicht.“ Für Stefan Zahn könnte der Plan B die Sperrung der Strecke für Lastwagen und Busse sein, um stattdessen den Hagener Berg anzubieten. Das würde aber vor allem den Linienverkehr stark beeinträchtigen, denn der Umweg über die B1 wäre fast 10 Kilometer länger.

„Die Strecke über den Grießemer Beg ist nicht optimal“, bestätigt auch Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln. „Die Landesstraße 426 entspricht natürlich nicht dem heutigen Stand der Technik (Regelwerke), hat aber dennoch mit drei Meter je Fahrtrichtung eine ausreichende Fahrstreifenbreite“, erläutert er auf Anfrage. „Schwierig sind die Kurvenbereiche, die nicht die Aufweitungen haben, die wir nach heutigem Stand vorsehen würden“, so der Behördenleiter. Aber es seien Straßen im Bestand und es gebe dort keine auffälligen Probleme. Und auf noch etwas weist er hin: „In der Regel sehen die Fahrer ja nur die echte Breite der Fahrbahn selbst. Zur Straße gehören aber auch noch die Bankette, die 1,50 Meter breit sein müssten und die Gräben, die auch oft viel zu schmal sind.“

Für Brockmann ist der Ausbau der Straßen ein grundsätzliches Problem. Viele Landesstraßen seien noch schmaler als die L 426, Ähnliches gelte im Übrigen auch für die Kreisstraßen. „Wollten wir alle Straßen für Lastwagen und Busse sperren, die nicht dem heutigen Stand der Technik entsprechen, wäre ein Großteil der Gemeinden nicht mehr erreichbar“, macht er deutlich. „Wir müssen die Straßen so nehmen, wie sie sind und unser Fahrverhalten entsprechend anpassen.“

Die Umleitung während der Bauzeit der Brücke in Amelgatzen hat laut Brockmann nicht dazu geführt, dass es am Grießemer Berg deutlich mehr Lastwagen gibt. Er führt das auch darauf zurück, dass der Verkehr weiträumig geleitet werde. Autofahrer sollten sich vielleicht auch einmal in die Lage eines Lastwagenfahrers versetzten, schlägt er vor. Und auch das soll es am Grießemer Berg immer wieder geben: Pkw-Fahrer, die Kurven schneiden. Für Brockmann Grund genug, an alle Fahrer zu appellieren, dort angesichts der Verhältnisse besonders rücksichtsvoll unterwegs zu sein.