Beim BUND sind sich nicht alle grün

Hameln-Pyrmont (ul). Riesenärger in der BUND-Kreisgruppe Hameln-Pyrmont. Grund: der Streit um den Natur-Erbewald in Hameln. BUND-Mitglied Rainer Sagawe hatte einen Antrag gestellt, die Fläche der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu übertragen – und damit den vom BUND mehrheitlich favorisierten Vorschlag, dass die Fläche an die Stadt Hameln gehen soll, konterkariert. Begründung: Die Kostenforderungen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) seien zu hoch. Aber darf ein Mitglied am Vorstand vorbei andere Weichen stellen?

Die Debatte eskalierte bekanntlich so sehr, dass BUND-Kreisgruppen-Vorsitzender Ralf Hermes damals seinen Rückzug ankündigte. Er und auch seine Frau hätten sich starken Angriffen durch Rainer Sagawe ausgesetzt gesehen, wodurch die Umweltarbeit der Kreisgruppe durch Einwände bis hin zu Klagen innerhalb des Verbandes lahmgelegt worden sei. Hermes bewertet das Verhalten Sagawes, der „Mehrheitsentscheidungen mehrfach nicht akzeptieren wollte“, als „teamunfähig, meinungsdogmatisch und aggressiv“. In der Jahresversammlung war jetzt sogar von einem „Politikhooligan“ die Rede. Die Frage lautete: Darf ein Vorstand beschließen, ein Vereinsmitglied von internen und öffentlichen Sitzungen auszuschließen, oder müssen über einen solchen Ausschluss alle Mitglieder entscheiden? Und: Welche Kriterien sieht dafür die Satzung vor? Pikant: Der, um den es ging, war nicht da: Rainer Sagawe.

Fakt ist: Ralf Hermes, seit 26 Jahren im Vorstand der heimischen BUND-Kreisgruppe tätig, gilt als sachlicher, fairer Streiter für den Umweltschutz, was ihm Vertreter aus Rat und Verwaltung jetzt attestierten, darunter Gerhard Paschwitz (CDU), Hans-Wilhelm Güsgen (FDP) und Bernd Mros von der Unteren Naturschutzbehörde. Sie bedauerten, dass der Polizist als Vorsitzender des BUND Hameln-Pyrmont abdankt. Allein, es nützte nichts, und hätten die Verantwortlichen nicht im Vorfeld für Mediatoren – BUND-Landesvorsitzender Heiner Baumgarten aus Stade, BUND-Regionalbetreuerin Ingunn Böttcher sowie Prof. Michael Rode vom Vorstand des BUND-Landesverbandes – gesorgt, wäre die Versammlung womöglich aus dem Ruder gelaufen.

Kritisch blieb es dennoch: Denn unter den knapp 40 anwesenden BUND-Mitgliedern war von Christian Pardey und Werner Anders bis hin zu Britta Kellermann als Kreisvorsitzende der Grünen und weiteren Mitgliedern lauthals Kritik zu hören über den Alleingang des Vorstandes, dessen „nicht definierte Ausschlusskriterien“ letztlich jeden treffen könnten. Dies sei ein undemokratisches Verfahren. So war Britta Kellermann „tief beeindruckt von der gefühlten Aggression“, die ihr hier entgegenschlug, wenn man sich kritisch zur Geschäftsleitung äußere. Niemand wolle in den Vorstand gewählt werden, solange die Ausschlusskriterien nicht per Satzungsantrag ein für allemal genau definiert seien. Und so kam es zum Beschluss, dass der nun neu zu wählende Vorstand diese Ausschlusskriterien im laufenden Jahr zu erarbeiten und den Mitgliedern zur Abstimmung vorlegen müsse.

Immerhin: Ein neuer Vorstand wurde dann auch gefunden. Neue Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe ist die Pädagogin Andrea Brenker-Pegesa aus Gellersen. Sie hofft, dass der Verein „jetzt in ruhigere Fahrwasser kommt und sich die Wogen glätten“. Ihr zur Seite stehen als Stellvertreter Kai Kunze aus Langenfeld sowie BUND-Kreisgruppen-Gründungsmitglied Friedrich Niemeyer aus Emmerthal. Die Kasse führt weiter Reinhard Pigoros. Und dann konnte auch Ralf Hermes in Ehren und Würde gedankt werden – für 26-jährige Vorstandsarbeit. Zuvor gab es jedoch erneut eine Verfahrensfrage. Bei der Kandidatur für den stellvertretenden Kassenprüfer meldete sich Jenny Weidner, die selbst nicht BUND-Mitglied ist, Pardey meinte, das sei rechtlich erlaubt, Kellermann meinte, das müsse in der Satzung festgelegt sein. Doch zum Bedauern aller Mitglieder hatte niemand eine Satzung dabei. So wurde Anja Nowak stellvertretende Kassenprüferin und die Versammlung akzeptierte, dass Jenny Weidner aus Hilligsfeld ihre Vertreterin wird.

Übrigens: Die Deutsche Bundesumwelt Stiftung Naturerbe GmbH hat beschlossen, die Naturerbefläche Hameln mit 127 Hektar im Rahmen des nationalen Naturerbes schenkweise von der BImA zu übernehmen. Insgesamt übernimmt die DBU Naturerbe GmbH im Rahmen des nationalen Naturerbes rund 70000 Hektar auf 69 Flächen bundesweit. Alle Flächen werden vom Bund schenkweise auf die DBU übertragen. Die Flächen werden für Naturschutzzwecke eingesetzt.