Kehrtwende ruft BI erneut auf den Plan

Hameln-Pyrmont (mes). Den Eisenbahnverkehr stärken und dadurch die Straße entlasten – auch der Landkreis Hameln-Pyrmont will jetzt auf diesen Zug aufspringen. Das geht aus dem Entwurf für das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) hervor, den die Verwaltung erstellt und in die politische Diskussion gegeben hat. Besonders die Forderung, die gesamte Bahnstrecke von Löhne bis nach Elze zu elektrifizieren und mit mehr Ausweichstellen zu versehen sorgt jetzt für Zündstoff.

Die Bürgerinitiative BI Transit äußert in einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden und Landrat Tjark Bartels ihr großes Erstaunen darüber, dass der Landkreis nun offensichtlich die große Kehrtwende in Sachen Ausbau der Löhner Bahn vollzieht: Von 2011 bis 2016 hatten Bürgermeister, Landräte, Kommunalpolitiker, Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie die Bürger im Landkreis Hameln-Pyrmont rund 36000 Unterschriften unter zwei Bürger-Petitionen an den Deutschen Bundestag gesammelt und im Schulterschluss dafür gekämpft, Gütertransitverkehr quer durch das Weserbergland zu vermeiden. Aufgrund überzeugender Argumentation und erneuter Begutachtung hat der Deutsche Bundestag schließlich entschieden, dass es bis mindestens 2030 zumindest auf dem Streckenabschnitt zwischen Hameln und Löhne keine Kapazitätserweiterung geben werde.

„Für den Abschnitt zwischen Elze und Hameln hat man die Elektrifizierung kurz vor der Abstimmung auf undurchsichtigem Weg und ohne die gesetzlich vorgeschriebene Öffentlichkeitsbeteiligung in den Bundesverkehrswegeplan gehievt“, heißt es in dem Schreiben der BI Transit. Die BI-Vorstandsvorsitzende, Bettina Tovar-Luthin, bemerkte, dass Letzteres Bartels auch in einem Brief an das Bundesverkehrsministerium und an die Niedersächsische Landesregierung im November 2016 scharf kritisiert habe. Nun forciere der Landkreis in seinem Vorentwurf des RROP die Elektrifizierung und die teilweise Reaktivierung des zweiten Gleises auf der Strecke. Damit verbinde man vor allem die Hoffnung, bessere Bedingungen für den Schienenpersonenverkehr zu schaffen. Jetzt soll lediglich noch „übermäßiger Gütertransport“ durch die Region vermieden werden – indem man das zweite Gleis in einigen Abschnitten reaktiviert. Für die Mitglieder der Bürgerinitiative unverständlich.

„Auf diese Weise meint man, den Güterverkehr ausbremsen zu können. Die Bürgerinitiative BI Transit e. V. geht davon aus, dass auch die teilweise Reaktivierung und Elektrifizierung dem starken Gütertransitverkehr – vor allem nachts – Vorschub leisten wird“, heißt es in dem Schreiben weiter. Auch für den Verkehr am Tag werde die Vermeidungsstrategie der Planer kaum aufgehen, meinen die Mitglieder. Denn es sei fraglich, ob der Personennahverkehr sich bei besseren Bedingungen so verstärkt, dass er den Güterverkehr zum Warten auf das Ausweichgleis zwingt.

Konkret beinhaltet der Vorschlag aus dem Kreishaus, bei der Trasse Löhne–Hameln das zweite Gleis teilweise zu reaktivieren und die ganze Verbindung zu elektrifizieren. Beides schüfe die Voraussetzungen, vom nachteiligen Dieselbetrieb bei den Regionalzügen wegzukommen und im Fahrplan Lücken für einen Halbstundentakt sowie zusätzliche Haltepunkte zu schaffen. Verkehrlich, zeitlich und ökologisch sinnvoll sei es etwa, die Station in Fischbeck zu reaktivieren und einen neuen Stopp an der Süntelstraße in Hameln einzulegen, also in der Nähe des bestehenden Behörden- und wachsenden Bildungszentrums. Es solle zudem geprüft werden, ob auch Afferde wieder Bahnhalt werden kann.

Der Bau der Ausweichgleise ermögliche zwar die stärkere Frequentierung und Vertaktung des Personenverkehrs, verhindere aber „übermäßige Gütertransporte“. Der Landkreis möchte regional wieder mehr Waren auf die Schiene bekommen. Gleisanschlüsse „sollen bei der Standortwahl von neuen Gewerbegebieten berücksichtigt werden“, heißt es.