Perspektivplan für ein Leben im Alter

Bad Pyrmont (ti). Anita Bechtloff, Vorsitzende des Beirates für Menschen mit Behinderungen, schaute erwartungsvoll in die Runde, als sie ziemlich zum Schluss der Sitzung den Tagesordnungspunkt aufrief, der sich mit einem Perspektivplan für ein Leben im Alter in der Stadt Bad Pyrmont befassen sollte. Der Anstoß zu diesem Thema sei ihr bei der Landesbeauftragten aufgefallen, die sich nach deren Bekunden, schon längere Zeit damit befasse. „Ich frage mich, ob es derartige Überlegungen auch in unserer Stadt gibt, wobei die Problematik eines möglichst langen selbstbestimmten Lebens in der eigenen vertrauten Wohnung gerade auch ältere Menschen mit Behinderungen zusätzlich einschränkt und somit nicht allein am Älterwerden festgemacht werden sollte“, sprach sie in den Tagungsraum.

Auch ginge es dabei nicht nur um ein Verbleiben in der angestammten, jedoch zumeist nicht behindertengerecht gestalteten Wohnung, die dann oft kostenaufwendig umgebaut werden müsse, was sich die allermeisten wohl kaum werden leisten können. „Bleibt dann als Alternative nur das Heim oder welche Strategien entwickeln sich hier in unserer Stadt?“ Zu ihrer wahrnehmbaren Überraschung blieb ihre Fragestellung nicht einfach so im Raum stehen, denn seitens der weiteren Mitglieder des Beirates hatte nahezu jedes etwas beizutragen.

So müssten bereits bei einem Neubau Konzepte von Architekten in das Bauvorhaben einfließen, die eine spätere Beeinträchtigung, ganz gleich, ob krankheits- oder altersbedingt, nach aktuellem Standard berücksichtigen. Breitere Türen, höhengleicher Zugang in großzügig raumbietende Duschen, technische Bedieneinrichtungen, die vom Rollstuhl aus erreichbar sind, für Rollstühle oder Rettungstragen geeignete Fahrstühle und Treppenhäuser wären da nur einige Beispiele, die regelrecht heraussprudelten.

Doch was und wie könnten baulich erforderliche Umgestaltungen in der doch recht alten Bausubstanz in Bad Pyrmont fördern und Anreize für altersgerechtes Wohnen schaffen?

Alternative

Lebensformen

Müssten neben baulichen Aspekten nicht auch gänzlich andere Voraussetzungen geschaffen werden, um eine entsprechende Wohn- und Lebensqualität zu erreichen und somit Anreize zu geben, eben auch im Alter sich bewusst für Bad Pyrmont zu entscheiden? Auch hier schienen einige Beiratsmitglieder belesen zu sein oder sich geradezu im Thema zu befinden. Alternative Lebensformen wie Alters-Wohngemeinschaft, gegenseitige Unterstützung im Alter, Mischwohnformen zwischen Alt und Jung, Begleit- und Bringdienste neben der entsprechenden Infrastruktur wie Ärzteangebot, wohnortnahes Einkaufen und Bewegungsmöglichkeiten landeten sofort auf dem Tisch, bis hin zu der Nennung von Orten, an denen derartige Modelle bereits ausprobiert werden.

So gäbe es in der Nähe von Bielefeld ein Quartierskonzept oder in Polle im Ort, also nicht ausgegrenzt und irgendwie isoliert, eine Demenz-Wohngemeinschaft, wie Ute Michel als Ratsmitglied der Grünen einfließen ließ.

Von sogenannten Modellgemeinden im Schwarzwald oder Emsland hätten Mitglieder gelesen, die regelrecht ein Geschäftsmodell aus diesen Ideen entwickelt hätten und so einen Werbefaktor der besonderen Art erzielten.

Hier sei die Lösung, Wege und Mittel zu finden, was Gemeinschaft in einer Kommune ergänzend übernehmen und leisten könne, wenn ein eigenbestimmtes Leben allein privat nicht mehr durchführbar ist.

Diskussionsbeiträge gab es also im Beirat zuhauf, doch wie komme man in der Sache weiter, so fragte die Vorsitzende Anita Bechtloff, in die gesamte Runde.

Und so einigten sich die Beiratsmitglieder zunächst darauf, weitere Informationen von den Mitgliedern sammeln zu lassen und sie dann in einem „Interessenkreis“, losgelöst von offiziellen Sitzungsterminen, erörtern zu können. Dabei wolle Bechtloff den Seniorenbeirat ebenfalls ansprechen und möglichst früh in die Diskussion einbeziehen.