Was Allergikern jetzt (leider) blüht

Hameln-Pyrmont (mes). Die Sonne scheint, die Blumen und Bäume blühen, die Bienen fliegen. Alles könnte so schön sein, wenn da nicht die tränenden Augen, die schniefende Nase wären. Der Birkenpollenflug hat begonnen – er soll in diesem Jahr besonders heftig werden. Denn 2018 ist ein sogenanntes Mastjahr. Das heißt, die Birken werfen besonders viel Blütenstaub ab. Birkenpollen fliegen bis zu 300 Kilometer weit. Die Bäume können zudem pro Kubikmeter Luft tausende Pollen freisetzen. In der Regel seien es auf diesem kleinen Raum 3000 bis 5000 Pollen, sagt Thomas Dümmel, Meteorologe der Freien Universität Berlin. Sehr schlecht für Allergiker sei trockenes und windiges Wetter. Dann fliegen Pollen besonders gut. Die Birke blüht rund 20 bis 25 Tage lang.

Durch den kalten März hat

sich die Blütezeit verschoben

Besonders heftig wird es in diesem Jahr auch, weil sich durch die kalten Wochen im Februar und März die Blüte verzögert hat. Nun sei mit einer „kleinen Explosion“ zu rechnen. Alle Birken würden gleichzeitig loslegen, egal ob an sonnigen oder schattigen Standorten.

Das kann auch Apothekerin Ulrike Berz von der Hamelner Raths-Apotheke bestätigen. Vor drei Wochen noch Winter, sei die Natur jetzt regelrecht explodiert. „Die Allergien kommen daher schnell, aber nicht häufiger als in den vergangenen Jahren“, gibt sie im Hinblick auf das sogenannte Mastjahr Auskunft. Was viele nicht wüssten: „Die größte Menge an Pollen wird über die Haut aufgenommen.“ Daher sei es für Betroffene ratsam, sich abends mit entsprechenden Pflegeprodukten zu duschen, die Haare zu waschen und die Haut danach einzucremen. Vorbeugend helfen auch Nasensprays mit Kochsalz und Augentropfen.

Auf dem Land ist die Pollenbelastung in den frühen Morgenstunden am stärksten, in der Stadt hingegen wird das Maximum abends erreicht. Empfohlen wird daher, das Schlafzimmer nachts zu lüften und die Fenster am frühen Morgen zu schließen. Hilfreich sind auch Pollenschutzgitter am Fenster und ein Lüftungsfilter im Auto.

Erreicht der Blütenstaub die Augen- und Nasenschleimhäute, bildet der Körper gegen die vermeintlichen Feinde Antikörper und schüttet unter anderem den Botenstoff Histamin aus. Die Folgen sind tränende und juckende Augen, Schnupfen, Niesattacken, Atemnot. Die Allergie kann auch zu Magen-Darm-Störungen, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen führen. In schweren Fällen droht ein allergischer Schock. Zwischen 15 und 20 Prozent der Deutschen und damit mindestens zwölf Millionen Menschen leiden an Heuschnupfen. Die meisten reagieren auf den Flug von Hasel, Esche, Gräser, Roggen, Beifuß, Ambrosia und Birke. Was Betroffene tun können:

Lüften ist zwar wichtig, trotzdem sollten sie nur so viel Luft reinlassen, wie notwendig. Denn sonst kommen die Pollen rein. Deshalb empfiehlt es sich, dann zu lüften, wenn wenig Pollen fliegen.

Jacken und Schuhe am besten vor der Tür stehen lassen, denn sonst bringt man die Pollen auf direktem Weg mit ins Haus. Und genau das kann Allergikern zum Verhängnis werden.

Den Körper vor dem Schlafengehen gründlich abduschen, damit keine Pollen ins Bett gelangen. Im besten Fall auch die Haare waschen.

Der Polleninformationsdienst, der in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst tägliche Vorhersagen trifft, spricht aktuell von „einer der problematischsten Zeiten des Jahres für Pollenallergiker“. Die Birken blühen besonders reich, weshalb man von einem Mastjahr spricht. Hinzu kommt, dass durch den verspätet einsetzenden Frühling früh blühende Baumarten nun zeitgleich mit den Birken ihre Pollen verbreiten. Eiche, Hainbuche, Platane, Rosskastanie und Rotbuche sprießen. Birkenpollen-Allergiker leiden deshalb zusätzlich an sogenannten Kreuzreaktionen auf verwandte Bäume wie Eiche, Erle, Hasel, Hainbuche und Platane. Baumpollenallergiker zeigen überdies Überreaktionen auf rohes Stein- und Kernobst wie Äpfel, Birne, Kirsche und Pflaume, aber auch auf Haselnüsse und Gewürze wie Paprika.

Die Auslöser dafür, warum Millionen von Bundesbürgern an einer Allergie und mehr als jeder siebte an einer speziellen Pollenallergie leidet, sind bislang noch nicht bekannt. Hervorgerufen wird die Allergie durch eine Überreaktion des Immunsystems.