Wildtiere brauchen Ruhe

Bad Pyrmont. Nicht nur die Pflanzenwelt ist dieser Tage geradezu explodiert. Auch die meisten wild lebenden Tiere gebären derzeit ihren Nachwuchs. Dabei und auch in der Folgezeit brauchen sie vor allem eins: Ruhe. Deshalb appelliert der Pyrmonter Jäger Hans-Joachim Böhnke an alle Spaziergänger: „Wer ein junges Wildtier entdeckt, sollte es auf keinen Fall anfassen oder gar mitnehmen.“ Denn: Raschele es im Gebüsch, dann seien die Tiermütter in der Regel in der Nähe. Sie kümmerten sich um ihren Nachwuchs – auch wenn der auf den ersten Blick verlassen scheine. Böhnke: „In der Natur sind die Tiere am besten aufgehoben.“

Als Negativbeispiel nennt der Leiter des Pyrmonter Hegerings 6 einen aktuellen Fall: Da gaben Spaziergänger ein vermeintlich verwaist aufgefundenes Fuchsjunges ab. „Sie haben es nur gut gemeint. Sie wollten den Welpen retten“, weiß Böhnke. Was die besorgten Pyrmonter nicht wussten: „In der Nähe des Fundortes ist ein Fuchsbau.“ Der Tierkenner vermutet, dass die Fuchsmutter ihren Nachwuchs ablegte, weil sie vorher gestört wurde. Zum Beispiel durch Jogger, Spaziergänger, Radfahrer oder durch einen Hund. „Der Bau könnte der Füchsin zu unsicher erschienen sein.“

Stießen Menschen auf ein Tierkind, so rät Böhnke: „Entfernen Sie sich.“ Wer sich um ein Jungtier sorge, der könne einige Stunden später erneut vor Ort vorbeischauen. Hocke es dann immer noch so da wie vorher, sollten das Forstamt oder die örtlich zuständigen Jäger informiert werden. Wer Häschen, Rehkitze, Fuchsjunge oder Vogelkinder berührt, entfremdet sie von ihren Müttern. „Riechen die Kleinen nach Mensch oder nach Hund, werden sie von ihren Müttern nicht mehr angenommen“, betont Böhnke.

Das aufgefundene Fuchsjunge hatte Glück im Unglück: Dank der Opferbereitschaft eines Pyrmonter Jägers hat es nun eine reelle Chance. „Die Familie freut sich jetzt, dass sie dem Welpen alle drei, vier Stunden ein Fläschchen geben kann“, sagt Böhnke jetzt, nicht ohne Ironie.

Während der bis 15. Juli dauernden Brut- und Setzzeit gelten auch noch ein paar andere Regeln. So sollten Spaziergänger unbedingt auf den Wegen bleiben – und müssen ihre Hunde anleinen. Denn auch die gefährden den Wildnachwuchs – was eigentlich jeder Hundehalter wissen müsste. Dass sich viele Halter nicht daran halten, ist nach der Erfahrung von Revierförster Philipp Klapper ein generelles Problem. „Aber extrem ist es am Königsberg, wo viele Halter ihre Hunde ausführen“, sagt er. „Wegen der Durchforstung hatten wir hier besonders oft zu tun und haben das darum oft mitbekommen.“ Eine gängige Ausrede sei: „Mein Hund tut doch nichts!“ Doch Klapper weiß das besser. „Schnuppernde Hunde scheuchen zum Beispiel bodenbrütende Vögel auf, deren Brut dann kalt wird. Ein Mensch sieht die schutzlosen Jungtiere kaum, aber Hunde erschnüffeln diese sofort“, betont er. Und auch Mountainbiker, die querfeldein statt auf den festen Wegen fahren, stellen eine echte Gefahr für die jungen Tiere und geschützte Pflanzen dar, warnen die Fachleute.