Bernhard Wagner verkürzt Amtszeit

Aerzen. Bürgermeister Bernhard Wagner will voraussichtlich Ende nächsten Jahres und damit früher als vorgesehen aus seinem Amt ausscheiden. Der 65-jährige Sozialdemokrat nannte dafür persönliche Gründe. Er wolle mehr Zeit für seine Familie haben mit Ehefrau Anita, die im nächsten Jahr auch aus dem Berufsleben ausscheidet, sowie den vier erwachsenen Kindern und fünf Enkelkindern. „Es gibt keine Differenzen aus meiner Tätigkeit, die meine Entscheidung beeinflusst haben“, sagte Wagner am Montag, nachdem er zuvor bereits die politischen Spitzen der Gemeinde und das Kollegium des Rathauses über seinen Beschluss informiert hatte. Der endgültige Termin sei noch offen.

Zwar zeigten sich Vertreter des Rates überrascht (siehe Kasten), doch war es ein offenes Geheimnis, dass Wagner sich nach seiner Wiederwahl 2014 die Option offengehalten hatte, noch vor Ablauf seiner Amtszeit von sieben Jahren vorzeitig aufzuhören. Die Kommunalverfassung lässt diese Möglichkeit zu. Der Verwaltungschef und Repräsentant der Gemeinde schlägt der Politik vor, anlässlich der Europawahl im Mai 2019 gleichzeitig den Bürgermeister wählen zu lassen. Der Pädagoge und frühere Grundschulleiter blickte bereits auf eine langjährige politische Erfahrung zurück, als er sich entschloss, 2006 erstmals zur Bürgermeisterwahl anzutreten. Mit 61,32 Prozent der Stimmen trat Wagner schließlich die Nachfolge von Peter Bartels an. Zuvor gehörte der SPD-Politiker seit 1991 dem Gemeinderat an, wurde zwei Jahre später Ortsbürgermeister und ab 1996 stellvertretender ehrenamtlicher Bürgermeister. Als Wagner sich 2014 erneut der Bürgermeisterwahl stellte, war es für ihn ein Urnengang ohne Konkurrenz. Andere Parteien hatten keinen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt.

„Konnte noch nicht alle

meine Ziele umgesetzt

„Aerzen lebens- und liebenswert gestalten“ – das gilt als ein häufig gehörter Satz von Wagner. Was für ihn aus den vergangenen Dutzend Jahren zu den prägnanten Punkten zählt, die das Motto untermauern? Eigentlich sei ein Rückblick zu früh für ihn. Es seien gar nicht mal die großen Themen, wie etwa der Wiederaufbau des Freibades, auch wenn dem eine wichtige Bedeutung zukomme, nicht mal die prominenten Begegnungen. Es seien oft die Gespräche mit den Aerzenern gewesen, im Alltag, etwa beim Wochenmarkt. „Dinge, die in meine Arbeit eingeflossen sind“, meint er. Eine lebens- und liebenswerte Gemeinde – „ich denke schon, einen Beitrag dazu leisten zu können“. Und das, so fügt der Bürgermeister hinzu, in den seit 2008 finanziell schwierigen Zeiten der Kommune.

Zu den wichtigsten Aufgaben, die der 65-Jährige bis zum Ruhestand zum Abschluss bringen will, gehören beispielsweise das Gewerbegebiet und weitere Bauplätze, die ausgewiesen und vermarktet werden sollen, sowie die Neubauten der Kindergärten in Groß Berkel, wo Wagner wohl noch offiziell bei der Einweihung im Amt ist, und im Kernort. Die Frage des Neubaus oder der Modernisierung des Rathauses, vor zwei Jahren als eine der wichtigsten Investitionen von ihm genannt, wird Wagner seinem Nachfolger überlassen müssen.

Zwar räumt er ein, nicht alle seine Ziele umgesetzt haben zu können, dennoch spricht er schon jetzt von einem wichtigen Kapitel seiner beruflichen und politischen Biografie. Wagner über sein Bürgermeisteramt: „Ich kann gestalten, habe es mit Menschen zu tun – ein hochinteressanter Arbeitsplatz.“