„Wir brauchen einenveränderten Vorschlag“

Hameln. Der Tenor der Veranstaltung war gesetzt: Die Gewerke für den 50 Millionen Euro teuren Neubau der Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) auf dem Gelände der ehemaligen Linsingen-Kaserne sollen einzeln ausgeschrieben werden. So die Position der Kreishandwerkerschaft Hameln-Pyrmont, die am Donnerstag in das Lalu im Hefehof zu einem Info-Abend eingeladen hatte. Die Kreishandwerker sind gegen die Pläne der Kreisverwaltung, den Neubau der ESS in die Hände eines Totalunternehmers zu legen. Doch die scharfen Töne, die, wie berichtet, bereits im Vorfeld und auch zu Beginn dieser Veranstaltung fielen, nahmen im Laufe des Abends ab – und Kreisrat Carsten Vetter wartete mit einer kleinen Überraschung auf.

Die Kreisverwaltung wurde – von der Kreishandwerkerschaft und anwesenden Unternehmern über die Grünen bis zu den Linken – dafür kritisiert, im Vorfeld der Beschlussvorlage, die eine Entscheidung für einen Totalunternehmer vorsah und die im Kreistag an einem Patt scheiterte, nicht transparent genug gehandelt zu haben. Vermisst worden sei – im Übrigen auch auf dieser Veranstaltung – eine ausgewogene, der Meinungsfindung dienliche Darstellung von Pro und Kontra.

Denn klar: Um ihren Wunsch nach Einzelvergabe der Gewerke mit schlagkräftigen Argumenten zu untermauern, hatten die Kreishandwerker entsprechendes Personal eingeladen. „Ich habe Zweifel daran, ob eine Ausnahme für eine Gesamtvergabe hier gerechtfertigt ist“, schloss die Juristin Antje Watermann von der Handwerkskammer Hannover ihren Vortrag über das „Mittelstandsförderungsgebot im Vergaberecht“. Die Kreisverwaltung hatte die Vergabe an einen Totalunternehmer bislang vor allem damit begründet, dass so Kosten in Millionenhöhe und viel Zeit gespart werden würde.

Prof. Dr. Martin Pfeiffer von der Hochschule Hannover war der zweite geladene Gast. Er argumentierte, dass im Falle der Einzelvergabe an lokale Unternehmen das Projekt von der Planung bis zur Entsorgung in der öffentlichen Hand bliebe. Der „Lebenszyklus“ einer Schule belaufe sich auf 50 Jahre. Dies bedeute, der Großteil der anfallenden Gesamtkosten, laut Pfeiffer 80 Prozent, setze sich aus Unterhaltungs-, Instandhaltungs-, Modernisierungs- und schließlich aus den Abrisskosten zusammen, während die Baukosten sich auf nur 20 Prozent beschränkten. Die Overhead-Kosten für den Totalunternehmer fielen somit weg, die Wertschöpfung verbliebe lokal.

Ferner führte Pfeiffer viele Argumente für die Einzelvergabe an, die sich weniger mit Zahlen belegen lassen: Großprojekte, wie der Neubau der ESS, sofern sie denn von regionalen Betrieben umgesetzt werden, hätten eine „Leuchtturmfunktion“ für die Region, förderten die Identifikation mit der Schule, stärke die Bindung zwischen Kreisverwaltung und heimischem Handwerk und seien ökologischer umzusetzen.

Kreisrat Carsten Vetter plädierte indes für Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten und sorgte für eine kleine Überraschung. „Wir arbeiten mit Volldampf an einem Kompromiss“, sagte er. „Wir brauchen einen veränderten Vorschlag, der alle mitnimmt.“ Diese Information war neu, wurde aber von mehreren wohlwollend begrüßt. Unklar blieb jedoch, worin dieser Alternativvorschlag bestehen könnte. „Das machen wir erst öffentlich, wenn wir einen Weg gefunden haben, von dem wir glauben, dass ihn alle gehen können“, sagte Vetter. Wie allerdings aus einem gestern versandten „Offenen Brief“ von Landrat Tjark Bartels an Kreishandwerkermeister Wilhelm Bente hervorgeht, halte die Kreisverwaltung zwar im Kern an einem Generalunternehmer fest. Der neue Vorschlag dürfe aber „den unterschiedlichen Interessen gerecht werden“, schrieb Bartels.

Die Kreispolitiker waren zwar eingeladen, ihre Anzahl war jedoch überschaubar, ganz zu schweigen von den Befürwortern eines Generalunternehmers, die es aus Sicht der Kreishandwerker zu überzeugen gilt.