Auf ganzer Linie perfekt für Frauen

Hameln (ul). Sie müssen sich die Hände nicht schmutzig machen, sondern sitzen auf dem erhöhten, gut abgefederten Fahrersitz am großen Lenkrad ihres Linienbusses. Für Verkäuferin Susanne Meibom ging damit ein Traum in Erfüllung, sie wollte Busfahrerin werden und sie hat das nicht bereut. Auch nach dreieinhalb Jahren in ihrem Traumjob schwärmt sie: „Das ist so, als ob ich Freunde durch die Gegend fahre. Ich kenne immer irgend jemanden, ich würde am liebsten den ganzen Tag Stadtlinie fahren.“ Die Öffis haben unter den derzeit 130 Mitarbeitern im Fahrpersonal immerhin 47 Frauen. Dies entspricht einer Quote von 36 Prozent – nicht übel in einem Beruf, den viele als typische Männerdomäne erachten würden. Und es werden immer mehr Frauen, die sich als Berufskraftfahrerinnen ausbilden und den Personentransport im Landkreis anstreben. Ein Studium wird dafür nicht verlangt, vielmehr Geduld und Freundlichkeit.

„Man muss zart fahren, mit Gefühl. Das ist gerade für die älteren Fahrgäste wichtig. Man täuscht sich wirklich, welche Fliehkräfte sich auch dann noch entwickeln, wenn man mit Tempo 30 um die Kurve fährt“, berichtet Marianne K. Für Reifenwechsel, Motoröl oder Dieseltanken sind die Mechatroniker auf dem Fahrzeughof zuständig, und die Reinigung des Fahrgastraumes übernimmt bei den Öffis ein Serviceteam.

„Stressig ist es schon“, weiß Susanne Meibom, „man hat den ganzen Tag Verzögerungen, es gibt Staus und Blockaden, die nicht vorhersehbar sind, wenn jemand parkt, wo er nicht hingehört, sodass ich mit dem Bus nicht weiter komme.“ Dann muss sie hupen und sich auch noch unfreundliche Kommentare anhören.

Tolle Variante

für Mütter

„Sehr beliebt ist für die Busfahrerinnen, in Teilzeit arbeiten zu können. Durch die große Anzahl an verschiedenen Tagesdiensten und die somit gegebene Variabilität ist dies eine tolle Variante für Mütter mit Kindern. Auch die Möglichkeit, am Wochenende zu arbeiten, wird bei einigen Fahrerinnen gern gewählt“, berichtet Betriebsleiter Stefan Glinschert.

Apropos Kinder: Die Öffis gewähren auch einen Betreuungszuschuss für Kinder im nicht-schulpflichtigen Alter, die unter der Woche außer Haus betreut werden, berichtet Melanie Talbot, zuständig für Qualitätsmanagement und Marketing bei den Öffis.

Oft dürfen sich die Busfahrerinnen Sprüche anhören und sind geneigt, auch mal keck zu antworten. Susanne Meibom bleibt ganz cool: „Ich hab ein sonniges Gemüt und kann das wegstecken.“ Mit Ironie und einem Lachen im Gesicht, meistern die Damen diesen Job ganz hervorragend. „Rechts ist das Gas, Puppe.“ Diesen Spruch hört Fahrerin Gabi immer mal wieder von „Gruppen mit vielen Männern und solchen, die noch Männer werden wollen.“ Ihre Antwort darauf: Sarkasmus. „Bei der nächsten sich bietenden Möglichkeit rufe ich einfach mal nach hinten: ’Mist, wo finde ich jetzt die Bremse?‘ oder ’Wissen Sie, wofür der Knopf hier ist? Ich bin vorher noch nie Bus gefahren.‘ Meistens sind sie dann ruhig.“ Ganz generell würden sich Busfahrerinnen wünschen, wenn ihre Fahrgäste freundlicher wären und ihre Arbeit mehr schätzen würden.