In Hameln wird bargeldlos geparkt

Hameln. An Hamelns Parkautomaten haben sich die Parkscheine erübrigt – wenn es Autofahrer denn so wollen. Ab sofort ist es möglich, an den über 60 Automaten im Stadtgebiet bargeldlos zu bezahlen, mithilfe des Smartphones. Seit Montag ist die Internet-Plattform „Smartparking“ auch für Hameln scharfgeschaltet. Den Startschuss für die Rattenfängerstadt gab Ole von Beust, ehemals Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, gemeinsam mit Oberbürgermeister Claudio Griese.

Warum gerade Hamburgs Ex-Stadtoberhaupt das Projekt ins Rollen bringt, darf dabei nicht wundern: Von Beusts Profession hat sich, seit seinem Rücktritt als Bürgermeister im Jahr 2010, radikal verändert – vom Politiker ist Ole von Beust zum Lobbyisten geworden. Zwar ist der Ex-CDU-Politiker immer noch häufig als politischer Kommentator gefragt, doch der eigentliche Job des 63-Jährigen ist der des Beraters. Mit Büros in Hamburg, Berlin und Brüssel vertreten von Beust und Kollegen die Interessen von Unternehmen, Initiativen und Kommunen. Im Falle Hamelns waren sie nun als Vertreter der Internet-Plattform „Smartparking“ in die Rattenfängerstadt gekommen. Die „Smart-City“, wie von Beust sagte, sei in Hamburg bereits während seiner Amtszeit „großes Thema“ gewesen. „Das Smartparking ist dafür ein guter Einstieg“, meinte er am Montag in Hameln. Immerhin sei „das digitale Parken Wunsch vieler Bürger“ gewesen, ergänzte Hamelns Oberbürgermeister Griese. Deshalb sei er wiederum froh, dieses Vorhaben relativ schnell umgesetzt zu haben.

Doch wie funktioniert das „Smartparking“ eigentlich? „Im Grunde wie bei Amazon“, erklärte Thomas Philipp Reiter beim Termin am Kastanienwall. Reiter ist Mitarbeiter in von Beusts Berater-Firma, die für den Verein „Smartparking“ die Geschäftsführung übernommen hat. Hinter „Smartparking“ wiederum stecken verschiedene Anbieter, deren Apps die Hamelner Autofahrer nun herunterladen können. Über das Angebot der jeweiligen Anbieter („ParkNow“, „EasyPark“, „Yellowbrick“, „TrafficPass“ oder „Travipay“) ist es möglich, die Parkzeit einzustellen und zu verlängern sowie die Gebühren zu begleichen. Voraussetzung hierfür sei lediglich, dass sich Nutzer registrieren, so Reiter weiter.

An allen Parkscheinautomaten im Stadtgebiet sind nun große Aufkleber mit Hinweisen für das Smartparking angebracht. Den Parkvorgang startet der Autofahrer einfach per App, Anruf oder SMS. Ihre Einnahmen generieren die Systemanbieter im Übrigen über Servicegebühren, die auf die angefallene Parkgebühr vom Kunden zu entrichten sind. „Für die Bequemlichkeit zahlt der Nutzer“, sagte Reiter. Die Anbieter addieren unterschiedliche Zuschläge auf die Parkgebühren der Stadt. Diese lägen bei allen Anbietern „im Centbereich“.

Ob ein Auto ein digitales Ticket hat, erkennen die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes, indem sie das Kennzeichen mit einem zentralen Online-System abgleichen. Eine Vignette hinter der Windschutzscheibe signalisiere die Nutzung des Handyparkens. Die Vignette erhalten die Autofahrer von ihrem jeweiligen Anbieter, heißt es aus dem Hamelner Rathaus. „Im Notfall reicht auch ein handgeschriebener Zettel.“

Der herkömmliche Parkschein, der am Automaten gezogen und hinter die Windschutzscheibe gelegt werden soll, bleibt bis auf Weiteres erhalten. Und auch an den Regeln für das Parken im Stadtgebiet ändert die Handynutzung nichts: Überall dort, wo es Höchstparkdauern gibt, kann auch eine App die Parkzeit nicht verlängern. Das „Nachlösen“ über die Maximaldauer hinaus ist mit dem Handy nicht möglich – und bleibt verboten.