Historische Schätze im Schloss zu sehen

Bad Pyrmont. Vanessa Charlotte Heitland hat Bad Pyrmont Richtung Südwesten verlassen, die Museumsleitung ist vakant. Aber das verbleibende Team hat die Hände dennoch nicht in den Schoß gelegt und sich überlegt, wie die Zeit bis zur nächsten Sonderausstellung überbrückt werden kann und ist dabei auf die Schätze im Museumsmagazin gestoßen. Ergebnis: In der Beletage des Schlosses werden ab sofort kostbare Gemälde des 18. und 19. Jahrhunderts ausgestellt, die der Öffentlichkeit eher selten zugänglich sind.

Der Tischbeinsaal, ausgestattet mit den wandfesten Gemälden des Johann Heinrich Tischbein d. Ä. zu den Themenkreisen „Musen“ und „Künsten“ aus den Jahren 1777 wird im Salon des Fürsten ergänzt um ein beachtliches Selbstporträt des Künstlers, um zwei mythologische Themen zur Darstellung der Alkeste aus dem Jahr 1775.

Das berühmte Gemälde Tischbeins „Der Triumph Hermanns nach seinem Sieg über Varus“, das 1758 als Vorarbeit zu dem großformatigen Gemälde im Schloss Arolsen entstanden ist, ist hierzu ergänzend in der Museumsetage zu bewundern.

Bemerkenswert ist auch das großformatige Gemälde der Zarin Katharina, der Ehefrau von Zar Peter dem Großen. Beide Gemälde wurden von dem deutschen, in Petersburg tätigen Maler Johann Gottfried Tannauer gefertigt, die 1716 als Geschenk an Fürst Anton Ulrich zu Waldeck und Pyrmont überreicht wurden. Das Gemälde von Zar Peter ist ebenso Teil der Museumsetage, das Gemälde von Katharina ist nun erstmals wieder in der Beletage im Salon des Fürsten zu sehen.

Weitere Porträts von berühmten Gästen des Kur- und Badeortes, darunter das Porträt Königs Georg I., der 1714 als hannoverscher Kurfürst zum König von Großbritannien gekrönt wurde, sind Teil der umfangreichen Museumssammlung. Ein hoch bedeutender Gegenspieler des englischen Hofes war der preußische König Friedrich II., genannt Friedrich der Große. Das ganzformatige Bildnis dieses Königs aus der Schule des Antoine Pesne ist hier ebenfalls zu betrachten.

Im großen Festsaal der Beletage haben oberhalb der Kamine das Porträt des Fürsten Anton Ulrich zu Waldeck und Pyrmont sowie das Porträt von Louise, Fürstin zu Waldeck und Pyrmont ihren Platz. Beide Gemälde stammen von dem Maler Reinhard Christoph Francke.

Im Salon der Fürstin befinden sich zwei Gemälde des Lügder Malers Friedrich Drewes, der die beiden Gemälde des Künstlers Carl Ferdinand Fabritius kopierte. Die Originale mit der Ansicht des ersten Weserrenaissance-Schlosses Pyrmont und der befestigten Stadt Lügde als frühes herrschaftliches Zentrum der Grafschaft Pyrmont befinden sich in Paderborn und waren Teile der bischöflichen Sammlungen. In den Jahren 1526-1562 wurde das Weserrenaissance-Schloss von den Grafen von Spiegelberg erbaut und 1706-1710 durch das heutige von Fürst Anton Ulrich zu Waldeck und Pyrmont errichtete Barockschloss ersetzt.

Einen vorzüglichen Blick auf das Pyrmonter Tal ermöglicht ein Gemälde von H.C. Hempel, das um 1880/81 entstanden ist. In den mit Biedermeiermöbeln eingerichteten weiteren Zimmern der Fürstin ist das Gemälde „Toilette der Venus“ oberhalb des Spiegels, Friedrich August Tischbein zugeschrieben, und die Darstellung fischender Putten oberhalb des Kamins zu betrachten. Die Reproduktion eines Gemäldes von Eleonor Bell aus der Fürstlichen Sammlung Arolsen zeigt das Porträt der Prinzessin Emma zu Waldeck und Pyrmont.

Prinzessin Emma lernte in Pyrmont den niederländischen König Wilhelm III. kennen und war von 1890 bis 1898 regierende Königin der Niederlande.

Bis zur nächsten Sonderausstellung werden die Gemälde zu sehen sein. Fest steht mittlerweile, dass die nicht mit Werken des Hamelner Künstlers Reinhard Lange (1938 bis 2017) bestückt wird. Die Gespräche mit dem Hamelner Kunstkreis, der Langes Nachlass übernommen hat, haben bislang zu keinem Ergebnis geführt. „Es gibt zu viele offene Fragen, und darum haben wir uns dazu entschlossen, in diesem Sommer stattdessen eine Ausstellung mit Aquarellen von Karl Binder zu zeigen“, kündigte jetzt Tobias Honka von der Stadtverwaltung an, zu dessen Fachbereich auch das Museum gehört. Der Pyrmonter Maler und Autodidakt hat sich in den vergangenen Jahren auf die Suche nach Motiven aus seiner Heimatstadt gemacht.

Das Ergebnis ist ein Anfang dieses Jahres vorgelegter Bildband, den der frühere Museumsleiter Dr. Dieter Alfter eine Liebeserklärung an Bad Pyrmont genannt hat. „Dr. Alfter wird bei der Zusammenstellung der Ausstellung behilflich sein“, so Honka.