Voller Einsatz für die Bäderarchitektur

Bad Pyrmont. Die Gesprächsrunde, die sich seit zwei Jahren allmonatlich in der Pension „Haus Bathildis“ von Sigrid Bennefeld und ihrem Sohn Wolfgang trifft, ist so etwas wie ein privater Thinktank von Bad Pyrmont; also eine Denkfabrik, die über Entwicklungen in der Kurstadt diskutiert und die nun eine Zwischenbilanz erarbeitet hat. Die Teilnehmer machen sich Sorgen über das Stadtbild, denn das Erscheinungsbild von Bäderarchitektur und Naturraum gerate in die Krise, so die übereinstimmende Meinung der Runde, zu der unter anderen auch der frühere Museumsleiter Dr. Dieter Alfter, Kurdirektor a.D. Heinz-Gustav Wagener und die frühere Vorsitzende des Museumsvereins Marlene Zetsche gehören.

„Wir müssen die Veränderungen akzeptieren, aber aufpassen, dass wir nicht noch mehr verlieren“, bringt Alfter das gemeinsame Anliegen auf den Punkt. Dabei geht es nicht darum, das heutige Erscheinungsbild der Kurstadt schlecht zu machen, im Gegenteil: „Bad Pyrmont ist auch heute noch in der glücklichen Lage, ein unverwechselbares Stadtbild eines typischen Kurortes von europäischem Rang zu präsentieren. Das gilt auch für den Kurpark und das barocke Alleensystem“, wird ausdrücklich in einem Grundsatzpapier betont.

Es gehe vor allen darum, die typischen Gebäude der Bäderarchitektur in einer Kurstadt zu erhalten. Doch der Blick der Diskutanten geht dabei nicht nur zurück. Wo ein Erhalt nicht möglich sei, könne auch moderne Architektur an die Stelle treten. Lemgo habe dies vorgemacht und sei mit zahlreichen Architekturpreisen ausgezeichnet worden. Es ist dennoch das historische Wissen um die Bäderarchitektur und um die Struktur Bad Pyrmonts, das die Runde auszeichnet.

Landesamt für

Denkmalpflege einbeziehen

Genau dieses Wissen sei Voraussetzung für eine positive Stadtentwicklung, meinen sie. Es müsse aber stärker in den Köpfen der Pyrmonter verankert werden, und bei kniffligen Fragen sollte häufiger das Landesamt für Denkmalpflege einbezogen werden.

„Auch die Leute, die in Bad Pyrmont Verantwortung haben, müssen davon Ahnung haben“, meint der frühere Kurdirektor Wagener, der heute ehrenamtlich niedersächsische Kurorte berät. Er lenkt den Blick auf die Schlossstraße, die als Ensemble unbedingt erhalten werden müsse. „Wenn sie in die Hände kommunaler Unternehmern oder kommunalabhängiger Finanzinstitute gerät, dann können wir dort den Vorhang zuziehen“, mahnt er, was nicht gerade von Vertrauen in kommunales Handeln zeugt. Dabei sei Freiraumplanung sehr wichtig. Und vom Baudezernenten Matthäus Schmidt erwartet Alfter, dass er darüber nachdenke, wie man das Stadtbild erhalten könne.

Es gebe genügend Beispiele, die dieses Stadtbild in die Krise gebracht haben, meint der Kunsthistoriker. Das fange beim Haus Keller in der Brunnenstraße an, gehe über die abrissreifen Häuser „Rieth“ und „Kurhaus am Park“ am Altenauplatz bis hin zum Kaiserhof und zum früheren Hotel Rasmussen an der Hauptallee. „Der Kaiserhof zum Beispiel ist einfach zugenagelt worden, dabei tut sich dort doch etwas, worüber man mit einem Schild informieren könnte“, so Alfter.

„Aus Fehlern können wir lernen und sollten das auch tun“, appelliert Gastgeberin Sigrid Bennefeld an die Verantwortlichen, und fordert sie auf „einfach mehr für Bad Pyrmont zu tun“.