Größere Abstände bei Lesewoche

Coppenbrügge (sto). Immer näher rücken die Sommerferien. Freunde der Coppenbrügger Lesewoche können sich doppelt freuen, zumal sie wissen, dass die schönste Zeit des Sommers auch die Zeit für literarische Begegnungen und Entdeckungen ist – mitten in der Natur und an wechselnden Orten.

In diesem Jahr jährt sich die beliebte Veranstaltung von „Unser Dorf liest“ zum 20. Mal. Die Leseabende finden diesmal in größeren Abständen statt. Grund ist König Fußball: Einige Male hatte nämlich in früheren Jahren die Fußball-Weltmeisterschaft der Coppenbrügger Kulturinitiative ein hartes Match geliefert. „Literatur gegen Fußball – das möchten für diesmal vermeiden“, sagt Buchhändler Heiner Stender, Sprecher von „Unser Dorf liest“. Gemeinsam mit Hartmut Klappenbach, der inzwischen verstorben ist, hatte Heiner Stender die Coppenbrügger Lesewoche 1998 ins Leben gerufen. Ein Jahr vorher war der Arbeitskreis „Unser Dorf liest“ gegründet worden – ein Projekt, das 1997 landesweit vom Friedrich-Bödecker-Kreis in Niedersachsen ins Leben gerufen und gefördert worden war.

Der Arbeitskreis setzt sich seit 1954 bundesweit für die Leseförderung ein. In Niedersachsen war 1997 ein Pilotprojekt ins Leben gerufen worden, für das Kommunen gesucht wurden, die sich an der Förderung des Lesens beteiligen wollten. Coppenbrügge war die einzige teilnehmende Kommune im Landkreis Hameln-Pyrmont. Stender hatte sich damals bereit erklärt, die Initiative federführend zu leiten – mit Unterstützung weiterer Bürger aus Coppenbrügge, allen voran Hartmut Klappenbach. „In den Lesewochen sind nicht nur Akteure von ,Unser Dorf liest' aktiv, es waren auch schon bekannte Autoren vor Ort. Beispielsweise Peter Stamm, Wolfgang Hilbig, Claudia Schreiber, Judith Hermann, Henning Ahrens, Henning Boetius oder Klaus Kordon, um nur einige zu nennen. „Heiner Stender und Hartmut Klappenbach hatten vor 20 Jahren mit ihrem Enthusiasmus für Literatur und ihrem Lesehunger etwas ganz Neues auf dem Land entstehen lassen“, erinnert sich Ernst Wöbbeking. Die Leseinitiative habe sich schnell ansteckend über den Flecken Coppenbrügge ausgebreitet und sei damals einmalig gewesen. Mittlerweile gebe es in der Region Nachahmer. „Welch ein Erfolg für die damaligen Begründer“, betont Wöbbeking.

Aus gesundheitlichen Gründen muss der Sprecher von „Unser Dorf liest“ nun kürzertreten. Deshalb fällt die Lesewoche 2018 schmaler aus als in den Vorjahren. „Egal, wie lang oder wie kurz sie ist – Hauptsache, wir lesen und können die Leute animieren, wieder häufiger zu einem guten Buch zu greifen“, bringt Stender die Botschaft der Lesewoche auf den Punkt. Und es müssen nicht immer nur die „heiß geliebten“ Krimis sein. Die Lesewoche soll die vielfältige literarische Bandbreite aufzeigen und Bücher vorstellen, die derzeit nicht auf der Bestsellerliste stehen oder nicht jedem bekannt sind.

Auftakt der Lesewoche ist Freitag, 29. Juni. Der Klostergarten von Marienau verwandelt sich dann in ein Klassenzimmer, in dem „Aus der Schule geplaudert“ wird. Ernst Wöbbeking, pensionierter Lehrer, hat Geschichten und Gedichte zusammengetragen, die sich um das Thema Schule drehen. Gemeinsam mit Akteuren der Dorfgemeinschaft Marienau lässt er namhafte Autoren wie Erich Kästner, Astrid Lindgren und Arno Surminski zu Wort kommen. Aber auch Freiherr von Knigge und „Frau Freitag“ werden mit einem Eintrag ins Klassenbuch gewürdigt. Ebenso Vater und Sohn aus der Reihe „Papa, Charly hat gesagt“. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr. Bei schlechtem Wetter wird in der St. Marien-Kapelle gelesen.

Die Lesewoche wird dann Mittwoch, 8. August, im Bisperoder Schützenhaus fortgesetzt. Dort geht es ums Verreisen. „Reiseleiterin“ Gudrun Kreibaum stellt ab 19 Uhr „Geschichten für alle, die das Reisen lieben“ vor. Die Damenabteilung des Schützenvereins serviert kleine Erfrischungen.

Die weiteren Termine stehen noch nicht fest. Veranstaltungsorte werden wahrscheinlich Dörpe und die Burg Coppenbrügge sein. An der Auswahl der Literatur wird noch gearbeitet. Unter anderem werden Auszüge aus der Novelle von Joseph Roth „Die Legende vom heiligen Trinker“, aus der Erzählung „Die Panne“ von Friedrich Dürrenmatt und aus Gerhard Hauptmanns Erzählung „Bahnwärter Thiel“ zu hören sein.