Pyrmonts Freund und Helfer hört auf

Bad Pyrmont. Mit seinen 1,90 Metern ist Hermann Frede kaum zu übersehen. Die dunkelblaue Uniform samt Mütze („Die habe ich immer gerne getragen“) tut ein Übriges. Der Polizeioberkommissar gehört in Bad Pyrmont zum Stadtbild. Als „Kontaktbeamter“ war er mehr als ein Jahrzehnt sozusagen das Aushängeschild des Polizeikommissariats Bad Pyrmont. Ende dieses Monats ist nach 44 Dienstjahren Schluss. Der Schlichter und Kümmerer, wie er selber seinen Job sieht, geht in den Ruhestand.

Wer mit Frede durch die Stadt spaziert, merkt sehr schnell, dass die Pyrmonter ihn kennen und er sie. „Hallo“, grüßt ihn ein kleines Mädchen strahlend, Frede freut sich sichtlich. Und das geht so weiter. Ein Gruß nach links, ein freundliches Winken nach rechts. In der Brunnenstraße läuft ihm Monika Reimann über den Weg, die ihr Rad vorschriftsmäßig schiebt. Das ist einmal eine Abwechslung für den Oberkommissar. „Radfahrer in der Fußgängerzone und auf der Hauptallee sind ein ganz großes Thema“, berichtet er. „Ich werde von vielen alten Leuten darauf angesprochen, denn das stört sie sehr.“ Lösen kann er das Problem nicht. „Ich spiele da mit offenen Karten und erkläre, dass wir uns aus personellen Gründen nicht so darum kümmern können, wie es vielleicht notwendig wäre.“

Polizist sei sein Traumberuf, betont der gebürtige Holzhäuser. Das habe er gemerkt, als er nach seiner Zeit bei der Bereitschaftspolizei in den Einzeldienst versetzt wurde. Seit 1974 ist er bei der Polizei, seit 1976 als Beamter in Bad Pyrmont im Einsatz. Jetzt macht er von der Möglichkeit Gebrauch, mit 61 statt mit 62 Jahren in den Ruhestand zu wechseln. Das kann er, weil er mehr als 25 Jahre im Schichtdienst tätig war. „Die Polizeiarbeit wird mir fehlen, aber ich bin ganz ehrlich. Ich werde nicht schneller“, erklärt er und weiß, dass ihn andere um diese Möglichkeit beneiden.

Fingerspitzengefühl und eine gute Portion Psychologie sei wichtig, um als Kontaktbeamter unterwegs zu sein. „Es gibt für diese Aufgabe keine Dienstpostenbeschreibung, ich habe freie Hand“, erklärt er. Bad Pyrmont als Kurstadt mit seinen vielen älteren Einwohnern und Kurgästen macht die Arbeit besonders. „Ich werde sehr häufig von Senioren angesprochen, das ist anders als zum Beispiel in Hameln.“ Wenn er kann, beantwortet er Fragen zum Beispiel nach Straßenverkehrs-, Führerschein- oder Nachbarschaftsrecht an Ort und Stelle. „Ansonsten informiere ich mich und liefere die Antwort nach.“

Weiter geht es an diesem Montagvormittag – an dem er übrigens sein 61. Lebensjahr vollendet – durch die Innenstadt Richtung Wandelhalle. Bei der Heilquellenausgabe des Staatsbades hat er ein reserviertes Trinkglas mit der Nummer 47, in das er sich die calciumhaltige Helenenquelle einschenken lässt. Hier trifft er auf Astrid Maassen, eine langjährige Bekannte. „Ich habe nichts verbrochen“, scherzt sie beim Anblick des Polizisten. „Sehr schick sehen Sie heute aus“, macht er ihr ein Kompliment, dass sie strahlend zur Kenntnis nimmt. Erfrischt vom Heilquellenwasser führt ihn seit Weg über die Hauptallee hinüber zur Kirchstraße und Altenaustraße hinein in die Brunnenstraße – ständig grüßend und winkend. Die Freiheit, die er habe, nutze er aus, erzählt er unterdessen, während er seinen polizeilich geschulten Blick umherschweifen lässt. „Natürlich weise ich jemanden darauf hin, wenn er sich nicht so verhält, wie es sein sollte. Aber mein Privileg ist es, es bei einem Gespräch belassen zu können, ohne gleich eine offizielle Verwarnung aussprechen zu müssen.“ Dass er auch energisch sein kann, weiß, wer ihn kennt.

In all den Jahren habe es nur ganz wenige unangenehme Situationen gegeben. Schon alleine seine stattliche Größe und physische Präsenz tragen dazu bei, Situationen nicht eskalieren zu lassen. Dass auch das ein Privileg ist, sei ihm sehr wohl bewusst. Und überhaupt: „In Bad Pyrmont ist die Welt noch in Ordnung“, betont er wohl wissend, dass dies in andern Orten oft nur eine Floskel ist. „Die gute Präventionsarbeit trägt Früchte“, stellt er fest.

Acht Jahre lang sei er sehr intensiv zu Fuß Streife gelaufen. Doch seit zwei Jahren lasse die personelle Situation des Kommissariat das nicht mehr so zu, wie er sich das gerne wünsche. „Das ist schade, denn zu Fuß wird man deutlich öfter angesprochen und wahrgenommen als im Streifenwagen. Das ist für das Sicherheitsempfinden der Einwohner sehr gut.“

Vielleicht freut er sich ja auch deswegen auf den Ruhestand. Ansonsten möchte er es genießen, mehr mit den Händen zu machen, Zeit für seine Oldtimer – unter anderem ein Unimog – zu haben und morgens länger schlafen zu können. „Ich war nie ein Frühaufsteher“, gesteht er. Er glaube nicht, dass es ihm schwerfallen werde, als Privatmann den polizeilichen Blick abzulegen. „Ein Knöllchen-Willi oder so werde ich jedenfalls nicht“, schmunzelt Hermann Frede. Das kann man ihm getrost glauben.

Die Nachfolger Fredes will sein Chef Manfred Hellmich Ende Juli vorstellen.