Endspielverstimmung

Hameln-Pyrmont (ey). Ein Satz mit x: Das war wohl nix. „Diese Fußball-WM hat keine nachhaltig positive Wirkung auf die vielen kleinen Vereine in unserer Region und anderswo. Das liegt sicher am Ausscheiden der deutschen Elf in der Vorrunde, hat aber auch andere Gründe“, sagt Heinrich Düvel, Vorsitzender des HSC Blau-Weiß „Schwalbe“ Tündern. Das Millionenspiel um die Lederkugel sei „abstoßend“; für Kinder und Jugendliche seien „diese Fußballer und das System der FIFA keine guten Vorbilder“. Düvel, Vorsitzender des Vereins, der im Fußball landkreisweit am erfolgreichsten arbeitet und zurzeit auf 90 erfolgreiche Clubjahre zurückblickt, steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Statt Endspielstimmung also nur Verstimmung. Wer steht noch mal im WM-Finale?

Frankreich und Kroatien sind es. So weit, so gut. Fürs Public Viewing kein Thema mehr; nach dem Achtelfinale waren die in der Rattenfänger-Halle erhofften Public-Viewing-Termine ganz schnell vom Tisch. Laut Hamelns Stadtmanager Dennis Andres kamen zu den zwei deutschen Spielen (bei der einzigen siegreichen Partie gegen Schweden war die Halle auch noch anderweitig belegt) immerhin 3300 Besucher. Zum Jubeln gab‘s jedoch keinen Grund, und: „Die Begeisterung schwappte aufgrund der enttäuschenden Leistungen nicht gerade über… Grundsätzlich muss man aber auch sagen, dass die ’Public-Viewing‘-Formate nicht mehr so erfolgreich sind, wie sie es einmal waren“, sagt Andres, und unter freiem Himmel schon mal gar nicht. Möglich, dass sich in dieser Hinsicht in vier Jahren die Frage auch gar nicht stellen wird: Die Fußball-WM findet dann in Katar statt – vom 21. November bis 18. Dezember. Andres hält eine „Public-Viewing“-Aktion auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt nicht für unmöglich. „Man muss über alles nachdenken.“

In Bad Pyrmont kein wirklich anderes Bild. Der Einzelhandel hat jedenfalls so gut wie nicht von der Weltmeisterschaft profitieren können, was fast schon vorher klar war. Und die Vereine spüren auch nicht, wie vor vier Jahren, als Deutschland den „Pott“ aus Brasilien holte, ein verstärktes Interesse an Fußball im Jugendbereich. Als Deutschland Weltmeister wurde, ging es für viele sportbegeisterte Kinder und Jugendliche so richtig los. Der Erfolg der deutschen Mannschaft hatte viele dazu motiviert, selbst die Fußballschuhe anzuziehen. Aber jetzt? Fehlanzeige. Nur gut, dass solche Cracks und Freiwilligen wie etwa Michael Dörries, Jugendleiter vom Jugendförderverein (JFV) Union Bad Pyrmont, ihre optimistische Grundstimmung behalten. „Die Kinder laufen in den Trikots ihrer Idole herum. Ob die in der Vorrunde ausscheiden oder Weltmeister werden, ist fast zweitrangig. Wer ein echter Fußballer ist, der brennt sowieso“, sagt Dörries. Der Fußball entwickele sich immerzu, „und eine Weltmeisterschaft in Katar, so seltsam wir das alle auch finden, wird dennoch ein Ereignis für Millionen Fans“. Jetzt alles schlechtzureden, sei keine Lösung. „Warten wir‘s ab.“