Fernweh mit Hindernissen

Hameln-Pyrmont (mes). Die Türkei boomt, die USA leiden unter Trump und der Brexit fällt so gut wie gar nicht ins Gewicht – die Deutschen frönen derzeit wieder einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen: Sie reisen. Doch wohin geht’s für sie in diesem Sommer? HALLO Mittwoch sprach mit Guido Radtke von „mein-reisespezialist“ in der Wandelhalle Bad Pyrmont und Astrid Hundertmark vom Aerzener Reisebüro und erlebte einige Überraschungen.

Die größte vorab: „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Türkei wieder so gut läuft“, wundert sich Guido Radtke. Für ihn sei das die „größte Überraschung des Jahres“. Er begründet dies mit dem Preis-/Leistungsverhältnis: „Das stimmt einfach.“ Auch Astrid Hundertmark kann feststellen, dass die „Türkei wieder angezogen hat“. Während die Kanaren, wie erwartet, in diesem Sommer gut liefen und die Balearen so gut wie voll seien, erlebt Radtke derzeit indes einen herben Rückgang bei den USA-Reisen. „Ich habe nur 20 Prozent der Buchungen, wie ich sie sonst gehabt habe“, sagt er. Der amtierende US-Präsident Donald Trump sorge für viel Verunsicherung. 90 Prozent seiner Kunden seien älter – und gerade die ältere Generation sei sehr zögerlich. Radtke macht dafür aber auch eine falsche Informationspolitik verantwortlich. „Man wird ja nicht verhaftet!“ Nach wie vor seien die Vereinigten Staaten ein „tolles Reiseland“.

Guido Radtke liegt mit seinem Reisebüro damit in einem bundesweiten Trend: Bei Dertour liegen die USA-Buchungen für den Sommer im Vergleich zum Vorjahr zweistellig im Minus.

Kein Rückgang

in Aerzen

Auch Tui rechnet damit, nicht die Zahlen von 2017 erreichen zu können und der Spezialist Canusa liegt drei bis vier Prozent im Minus. America Unlimited berichtet von einem Minus von fünf Prozent. Lediglich FTI verzeichnet nach eigenen Angaben bislang ähnlich viele Buchungen wie im Vorjahr. Ähnlich sieht es im Aerzener Reisebüro Hundertmark aus: „Ich kann keinen Rückgang bei den Buchungen feststellen“, sagt Astrid Hundertmark auf Nachfrage.

In einem sind sich sowohl Guido Radtke als auch Astrid Hundertmark einig: Deutschland bleibt eins der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Laut der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) führten im Jahr 2017 rund 28 Prozent aller Urlaube von mindestens fünf Tagen Dauer an einen Ort zwischen Ostsee und Alpen. Mit einem Anteil von 5,1 Prozent lag Mecklenburg-Vorpommern dabei das zweite Jahr in Folge knapp vor Bayern (4,9 Prozent). Wenn nicht die Aufenthalte an sich, sondern die Übernachtungen gezählt werden, liegt Bayern mit 94,4 Millionen mit Abstand ganz vorne. „Die deutsche See ist diesen Sommer voll bis obenhin“, sagt Radtke.

Was den Kreuzfahrt-Boom betrifft, der nach Radtke nach wie vor bestehe (im vergangenen Jahr waren es 2,19 Millionen Passagiere aus Deutschland, was einem Wachstum von 8,4 Prozent entspricht) –, seien die Reisenden auf der Suche nach neuen Zielen. Die Region rund ums Mittelmeer sei genügend bereist, „in“ seien jedoch immer noch die nördlichen Routen wie Nordkap oder rund um England. Radtke macht aber noch eine andere Entdeckung: „Die Nachhaltigkeit wird immer mehr Thema.“ Es geht um die Umwelt, die Arbeitsbedingungen am und auf dem Schiff, aber auch um die Auswirkungen auf das besuchte Land.