150000 Euro für Wissensvermittlung

Bad Pyrmont. Ludwig Klinge wusste ziemlich genau, was er wollte. Mit 45 Jahren setzte sich der erfolgreiche Geschäftsmann, der nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sanitärbranche ein Vermögen gemacht hatte, zur Ruhe, um als Millionär gemeinsam mit seiner Frau Hanna das Leben in Bad Pyrmont zu genießen. Sein Geld legte er äußerst erfolgreich in Aktien an. Und davon profitieren bis heute zwei Schulen in Bad Pyrmont und eine Schule in Lügde.

In diesem Jahr wird die „Ludwig und Hanna Klinge“-Stiftung zehn Jahre alt. Mit einem Stiftungskapital von mittlerweile rund 2,7 Millionen Euro ist sie eine der wenn nicht die größte private Stiftung Bad Pyrmonts.

„Wir haben Herr Klinge damals vorgeschlagen, sich Gedanken darüber zu machen, was mit seinem Vermögen nach seinem Tod und dem seiner Frau geschieht, denn das Ehepaar hatte keine Kinder und keine Nachfahren“, erzählt Reinhold Reker, Regionaldirektor der Volksbank in Bad Pyrmont, der sich gemeinsam mit seiner Kollegin Petra Kuhn ehrenamtlich um die Stiftung kümmert. Dritte im Stiftungvorstand ist Elisabeth Ewers, die das Ehepaar, zu deren Lebzeiten in der DANA-Seniorenresidenz betreute. Es habe gut ein Jahr gedauert, bis sich der Millionär entschieden habe, seine Stiftung zugunsten des Humboldt-Gymnasiums, der Max-Born-Realschule und der Lügder Johannes-Gigas-Schule zu gründen. „Zunächst wollte er nur das Gymnasium bedenken, doch das wollten wir nicht, denn dann hätte es keinen Wettbewerb um das Geld gegeben“, so Reker. Das Ehepaar – Ludwig Klinge starb 2015 mit 92 Jahren, Hanna Klinge 2010 mit 85 Jahren – muss recht bescheiden gelebt haben. „Sie unternahmen keine extravaganten Reisen, wohnten bescheiden, liebten aber gutes Essen“, so Reker. Er und seine Kollegin erinnern sich noch gut an einen Besuch im Krankenhaus im Dezember 2014, wo sie Ludwig Klinge in einem Vier-Bett-Zimmer vorfanden, obwohl der sogar eine Zusatzversicherung hatte. „Doch da sich der Chefarzt gerade verabschiedet hatte, hatte er sich gedacht, dass er dann die ganze Leistung nicht in Anspruch nehmen müsse“, so Reker. Das Gespräch im Krankenzimmer über Aktiengeschäfte hätten die Mitpatienten mit ziemlichen Erstaunen verfolgt, erzählt er.

Die gemeinnützige Klinge-Stiftung startete mit einem Kapital in Höhe von 500000 Euro. 2015 kam das gesamte Erbe der Klinges dazu und es gab Zustiftungen in einer niedrigen sechsstelligen Größenordnung. „Auch Spenden, die wir für die Wünsche der Schulen verwenden, sind gegen Spendenbescheinigung möglich“, so Petra Kuhn. „Seit 2008 haben wir insgesamt 150000 Euro für Ausstattungen der Schulen ausgegeben“, berichtete sie. Die Bandbreite reicht von Nähmaschinen über 3-D-Drucker bis hin zu Musikinstrumenten. „Herr Klinge hat lediglich ausgeschlossen, dass es Geld für Klassenfahrten und Sport gibt“, betont sie. „Ihm ging es ausschließlich um Wissensvermittlung.“