Die Kacke ist am Dampfen

Hameln (ey). Dass die Hamelner Wohnungsbau-Gesellschaft (HWG) ihren Häusern mehr als nur einen frischen Anstrich verpasst, ist bekannt. Mit zahlreichen Sanierungsprojekten wird der rund 2100 Wohneinheiten und 370 Gebäude umfassende Bestand modernisiert. Dass allerdings Tausende Euro für „Hundekotschutzzäune“ investiert werden müssen, stand ursprünglich nicht auf dem Finanzierungsplan. Bis jetzt. Shit happens.

„Unser Grundstück Koppenstraße 20 bis 30 wird auf der Seite zum Bürgersteig seit einiger Zeit von fremden Personen als Hundetoilette benutzt. Das ist sehr unangenehm für unsere Mieter. Sie haben schon mehrfach versucht, auf das Fehlverhalten hinzuweisen, jedoch werden die angesprochenen Personen dann ungehalten. Einige Mieter wurden von den Hundehaltern massiv beleidigt“, sagt Sarah Müller, Assistentin der HWG-Geschäftsführung.

Die Folge: Entlang des Fußwegs wird ein Zaun aus massiven Doppelstabmatten gebaut. Die Bauschlosserei Clajus aus Welliehausen hat im Auftrag der HWG schon mal Maß genommen, und es sei keine angenehme Aufgabe gewesen, sagt Chef Achim Clajus. „Es stinkt gewaltig. Grüne Fliegen landen auf diesen Tretminen; es ist ein Feld voller Hundescheiße. Ekelhaft.“ Der Zaun, der gebaut werden soll, ist rund 150 Meter lang, also eine kostenintensive Maßnahme. Ohne wird die HWG an der Koppenstraße nicht mehr auskommen, aber damit wäre das Problem zumindest halbwegs gelöst. „Dies haben wir bereits bei dem Rasenstück vor dem Objekt Fischbecker Straße 19 durchführen lassen – seitdem wird der Bereich nicht mehr als Hundetoilette benutzt.“

Im wahren Wortsinn ist die Kacke also am Dampfen, weil die HWG Geld ausgeben muss, das sie sinnvoller für ihre Mieter einsetzen könnte. Dass Hundehalter auf frischer Tat ertappt werden, ist zwar selten, „aber in der Verordnung zur allgemeinen Gefahrenabwehr in der Stadt Hameln ist klar geregelt, dass solche Vorkommnisse teuer werden können“, sagt Janine Herrmann, Sprecherin der Stadt. Aus Paragraf 8 gehe hervor, dass Tierhalter verpflichtet sind zu verhindern, dass das Tier öffentliche Straßen und Anlagen (…) durch Kot verunreinigt. Verunreinigungen seien durch den Tierhalter unverzüglich zu beseitigen. „Geschieht dies nicht, werden in Hameln Bußgelder bis 200 Euro Höhe fällig“, so Janine Herrmann.

Jedoch: Werden die Halter nicht auf frischer Tat von einem Mitarbeiter der Ordnungsbehörde erwischt, gibt es kaum Möglichkeiten, solche Strafen in die Tat umzusetzen. „Man müsste als Geschädigter die Sache dann schon privatrechtlich verfolgen – aber das ist ziemlich aussichtslos“, so die Sprecherin weiter.

Mit anderen Worten: Nur über die Einsicht von Hundebesitzern wäre Besserung in Sicht. Dass nicht alle, aber zumindest gefühlt schon mehr als nur ein kleiner Teil der Hamelner Hundebesitzer für die (immer gleichen) Probleme sorgt, steht außer Frage. Die von der Verwaltung im Stadtgebiet installierten und aus Steuergeld finanzierten Hundekot-Tütenspender – unter anderem an der Pfortmühle oder auch in Hastenbeck oder Wehrbergen – sind gut gemeint, stehen zumindest im Hinblick auf ignorante Tierbesitzer aber wohl eher auf verlorenem Posten. Selbst vor den Häusern der HWG hätten sie vermutlich wenig genützt.

Dass das Hundekot-Problem kein Hameln-typisches ist, dürfte klar sein. Bei derzeit 2981 bei der Stadtverwaltung angemeldeten treuen Begleitern kommt allerdings eine Menge Kot zusammen. Nur mal lax hochgerechnet: Bei angenommenen anderthalb Geschäften pro Hund pro Tag sind das 4500 „Tretminen“ täglich, 31500 wöchentlich, 135000 monatlich und etwa 1,64 Millionen pro Jahr. Die Frage, was so ein Hundehaufen im Schnitt wiegt, ist Kaffeesatzleserei, aber es kommen wohl schon einige Kilogramm zusammen…