Beton zu dünn – Brückenbau stockt

Bad Pyrmont (mes). Alles Daumendrücken war vergebens. Es wird nun doch Verzögerungen im Ablauf am Neubau der Heemsteder Brücke in Bad Pyrmont geben. Die Betonschicht, auf die man gestoßen ist (HALLO Mittwoch berichtete), sei zu dünn, um eine Gründung des neuen Bauwerks sicher zu gewährleisten.

„Wir waren bis heute Vormittag optimistisch, doch wurden überrascht“, sagte Markus Brockmann, Leiter des Geschäftsstellenbereichs Hameln der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, am Donnerstag im Gespräch mit HALLO zum Sonntag. Doch leider weise die Betonplatte nur eine Dicke von maximal 20 Zentimetern auf – darunter erwarte man lose Steine oder Kies. „Was sich dort genau befindet, müssen wir jetzt herausfinden“, fügte er hinzu. Eine zweite Bohrung laufe.

Um nun eine Gründung der neuen Brücke realisieren zu können, bedarf es einer neuen Lösung. „Es gibt verschiedene Varianten; diese gilt es jetzt zu überdenken“, so Brockmann. Dass es trotz aller Vorarbeiten zu einem solchen Szenario kommt, damit hatte keiner gerechnet. Derzeit seien Gutachter vor Ort („Wir nennen sie ‚Bodenschmecker‘“, schmunzelte Brockmann). Wie schnell die Fachleute zu einer Lösung kommen werden, vermag er nicht zu sagen, doch „lösbar ist das Problem – keine Frage!“.

Erst wenn die Experten alles noch einmal neu berechnet hätten, könne er sagen, wie viel länger die Bauzeit betragen wird und um wie viel höher die Baukosten schlussendlich liegen werden. Weil die Brücke im FFH- und Heilquellenschutzgebiet liegt, sind für die Baudurchführung zusätzlich verschiedene Randbedingungen zu beachten, die es nun auch bei der aktuellen Problemlösung zu bedenken gilt. Bislang waren für die Gesamtmaßnahme rund 1,6 Millionen Euro veranschlagt, die vom Land Niedersachsen finanziert werden.

Die Heemsteder Brücke über die Emmer in Bad Pyrmont stammt aus dem Jahr 1896. In der Vergangenheit wurde das Bauwerk mehrfach saniert, damit es den gestiegenen Verkehrsanforderungen gerecht wurde. Aufgrund des hohen Alters und des vorhandenen Zustands der Brücke kam jetzt nur noch ein Ersatzneubau an der gleichen Stelle infrage. Die Bauzeit sollte laut Behörde etwa zehn Monate betragen, mit einer Fertigstellung wurde bis vor den Bohrungsergebnissen bis November dieses Jahres gerechnet.

Die Nachricht wird vor allem auch die Verkehrsteilnehmer vor eine längere Zerreißprobe stellen. Denn seit diesem Frühjahr werden sie durch die Baumaßnahme aus Richtung Hameln kommend (U1) über die B 1 umgeleitet: Groß Berkel – Aerzen – Reher – Grießem über die L 426 nach Bad Pyrmont. Aus Richtung Lügde (U5) wird der Verkehr über die K 62 (Glashütte – L 946 Eschenbruch – Hagen – L 430) nach Bad Pyrmont geführt. Die innerörtliche Umleitung in Bad Pyrmont (U4) erfolgt über die Bad Freienwalder Brücke: An der Saline – Solbadstraße und Waldecker Straße. Für einen optimierten Verkehrsfluss an den Kreuzungen am Bahnhof (Bahnhofstraße/Lügder Straße), An der Saline/Thaler Straße und Dringenauer Straße/Thaler Straße wurde die Verkehrsführung angepasst. Dichtes Verkehrsaufkommen und Staus können aber nicht immer verhindert werden, sodass stets mehr Fahrtzeit eingeplant werden sollte – und das nun noch länger als ursprünglich vorgesehen. Der Fertigstellungstermin November 2018 kann nicht mehr eingehalten werden.