Schafe mähen Wiesenflächen

Bad Pyrmont (Hei). Wenn Dirk Steinmeyer mit seinem Auto neben der großen Wiese im Bergkurpark anhält, wird er von Belli immer lautstark begrüßt. Sie kann ihre Freude zwar nicht anders ausdrücken als mit einem ohrenbetäubenden „Määh“, aber das spezielle Motorengeräusch und die Stimme ihres Herrn ist für die wollige Siebenjährige stets der Anlass, einige Streicheleinheiten zu erwarten.

Und die bekommt sie garantiert, denn für den 49-jährigen selbstständigen Forstwirt ist ein Schaf kein „blödes Vieh“, sondern ein liebenswertes Tier. Etwa 70 Schafe besitzt der Pyrmonter, und die meisten der weiblichen Exemplare sind irgendwie ständig unterwegs. „Wenn jemand eine Wiese hat, die zu groß ist für den Rasenmäher und zu klein für einen landwirtschaftlichen Betrieb, dann kann ich mit meinen Schafen helfen“, erzählt der Pyrmonter, der eigentlich gelernter Elektriker ist, aber nebenbei einen eigenen forstwirtschaftlichen Betrieb unterhält und schon mit 14 Jahren sein Herz für die Schafe entdeckte. Damals hatte sein Vater nur wenige Exemplare, aber mit den Jahren ist der Bestand ständig gewachsen und zu einem veritablen Zuchtbetrieb geworden.

Wenn also eine Anfrage von Wiesenbesitzern kommt, dann verstaut Steinmeyer eine entsprechende Anzahl seiner Tiere in einen Transporter. Vor Ort packt er auch seinen mobilen Elektrozaun aus und friedet die „Arbeitswiese“ ein. Dann können sich seine tierischen Vegetarier („Sie sind irgendwie alle miteinander verwandt“) in aller Schafsruhe sattfressen und gleichzeitig etwas Nützliches tun.

„Haben die denn auch genug zu trinken?“, fragt eine besorgte Spaziergängerin. Der Tierhalter kann sie beruhigen: Es steht zwar nur ein Wasserbecken für die 30 grasenden Tiere bereit, aber das reiche aus, versichert Steinmeyer, denn Schafe brauchen selbst bei dieser Hitze wenig Wasser. Und speziell diese Wiese, die dem Staatsbad gehört, aber vom Nabu (Naturschutzbund) betreut wird, hat noch genug Grün. Und von ihrer dicken Wolle sind die Tiere auch befreit, denn erst im Mai war das große Scheren angesagt.

Mindestens einmal am Tag schaut Steinmeyer nach seinen Schützlingen. So kann er gleich sehen, wenn es irgendein Problem gibt, wenn zum Beispiel einige Tiere Hufprobleme haben, weil auf einer Wiese zu scharfe Gräser wachsen. Oft wird er begleitet von seinen beiden Töchtern Tina (14) und Svenja (12). Die kennen sich bestens aus, sind mit den Schafen aufgewachsen. Sie haben Seniorin Belli damals auch den Namen gegeben. „Aber inzwischen sind es so viele, da nennen wir sie nur noch nach ihren Nummern, die sie auf der Ohrmarke haben“, sagt Tina.

Ob nun Belli oder 02 und 05 – alle fühlen sich angesprochen, wenn Steinmeyer in die Hände klatscht und laut ruft: „Komm, komm, na komm schon.“ Dann rennen sie so schnell, wie Schafe eben rennen können, zu ihm und zu den Kindern, lassen sich geduldig kraulen und blöken zufrieden „Määäh“. Alle Altersgruppen sind hier vertreten – auch der Nachwuchs, der als „Osterlämmer“ erst in diesem Jahr zur Welt gekommen ist.

Anschließend fährt der Forstwirt noch auf eine andere Wiese in Holzhausen. Dort stehen 14 im wahrsten Sinne des Wortes schwarze Schafe, mit ihrer weißen Blesse auf der Stirn hübsch anzusehen. Deswegen heißen die ursprünglich aus Holland kommenden Tiere auch „Zwart-Bless-Schafe“. Sie werden zwar auch geschoren, aber ihre dunkle Wolle nimmt keine Farbe an und lässt sich deswegen nicht so gut verkaufen wie der Pelz ihrer weißen Geschwister.

Schafe sind robust und wetterbeständig, deswegen können sie theoretisch draußen grasen, bis der erste Schnee fällt. Doch im Oktober kommen die Weibchen in die Ställe und die Böcke zu ihnen, denn schließlich gehen auch wohlgenährte Schafe irgendwann einmal den Weg alles Irdischen, und für Nachwuchs muss immer gesorgt werden. Damit Dirk Steinmeyer mit seinen „tierischen Rasenmähern“ auch im kommenden Jahr wieder auf Tour gehen kann.