Maut-Säulen verwirren

Weserbergland. Sie sehen aus wie die gefürchteten Blitzer-Säulen, sind blau, etwa vier Meter hoch und dienen einem ganz anderen Zweck: Sie sind eine vollautomatische Methode, um zu kontrollieren, ob Lkw auch ihrer Mautverpflichtung nachkommen.

Seit dem 1. Juli gilt die Lkw-Maut für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen ab 7,5 Tonnen nicht nur wie bisher auf Autobahnen, sondern auch auf allen Bundesstraßen. Das heißt: In den drei vom Geschäftsbereich Hameln der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr betreuten Nachbar-Landkreisen Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden fallen insgesamt rund 300 weitere künftig kostenpflichtige Straßenkilometer an. Brummifahrer, die in Hameln-Pyrmont die B1, B83 und die B217, in Schaumburg die B65, B241 und B242, bei Rinteln die B238 oder im Kreis Holzminden die Bundesstraßen 240, 64, 498 und 241 befahren, werden zur Kasse gebeten.

Aufsteller der neuen blau-grünen Kontrollsäulen ist Toll Collect. Das Unternehmen betreibt im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) das deutsche Lkw-Mautsystem. Es sind keine Geschwindigkeitsblitzer. Wer sie neu am Straßenrand entdeckt, muss deshalb nicht gleich auf die Bremse treten.

In den drei Weserbergland-Landkreisen gibt es bislang lediglich im Landkreis Schaumburg eine Kontrollsäule an der B238 in Rinteln an der Detmolder Straße zwischen Am Stumpfen Turm und Braasstraße. Die nächste Maut-Kontrollstelle ist dann an der B 65 zwischen Minden und Bückeburg aufgestellt. In den beiden Kreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden gibt es bislang noch gar keine Kontrollsäulen.

Mitarbeiter vom Toll-Collect-Außendienst suchen derzeit noch die passenden Standorte dafür. Auf welchen Streckenabschnitten der Bundesstraßen eine Kontrollsäule stehen soll, gibt das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) vor. Wichtig ist in jedem Fall, die Verkehrssicherheit nicht zu gefährden. Und darauf achtet auch die Straßenbaubehörde, die letztendlich ihr Okay für den Aufbau geben muss, wie dessen Hamelner Geschäftsbereichsleiter Markus Brockmann unterstreicht.

Überwacht wird die Lkw-Maut außerdem auch durch mobile Kontrollen des Bundesamts für Güterverkehr. Mit 300 Kleintransportern prüft die Behörde bundesweit, ob die Straßennutzungsgebühr ordentlich bezahlt wurde.

Immer wieder wurde von Bundesstraßen-Anliegern kritisiert, dass die Bundesstraßen als „Schleichwege“ von Speditionen und ihren Brummi-Fahrern benutzt würden, um die Mautpflicht zu umgehen. Für Straßenbau- und Verkehrsfachmann Brockmann dürfte sich nun seine Überzeugung bewahrheiten, dass „die paar Cent Maut für die Kalkulationen der Speditionen nie ein Argument waren“, Ortsdurchfahrten zu belasten. Brockmann: „Das sind reine Spekulationen.“

Er sieht in der immer stärker werdenden Belastung der Bundesstraßen durch Wirtschaftsverkehr vielmehr eine Folge der brummenden Konjunktur, der strengeren Lenkzeitkontrollen und immer enger werdender freier Lkw-Kapazitäten. „Die Speditionen müssen einfach die kürzesten Routen wählen und verstopfte Autobahnen umgehen. Speditionen suchen ihre Wege unabhängig von der Straßenform, und ich gehe davon aus, dass sich auch mit der Bundesstraßen-Maut an der Verkehrsverteilung wenig ändern wird“, so der Leiter der Straßenbaubehörde.