50 Millionen Euro für neue IT-Plattform

Hameln/Bonn. Mit schnelleren Prozessen, einer effizienteren Kostenstruktur und profitablem Neugeschäft will sich Hamelns größter und wichtigster Arbeitgeber BHW für die Zukunft rüsten. Bis 2020 will die Bauspar-Tochter des blau-gelben Finanzkonzerns aus Deutscher Bank und Postbank außerordentlich kräftig investieren: So will BHW für eine schnelle und effiziente Datentechnologie 50 Millionen Euro in eine neue IT-Plattform stecken. Ebenso spannend wie die Höhe der Investitionen ist die Tatsache, dass BHW dies im gemeinsamen Konzert mit seinen beiden Bauspar-Mitbewerbern Schwäbisch Hall und Wüstenrot macht.

Diese drei sind die großen drei im Bausparmarkt. Die allgemeine Situation in der Branche ist nach wie vor angespannt: Die Zinsen sind niedrig, der Guthaben-Zinssatz liegt nahe null. Dennoch kann das Hamelner Finanzinstitut BHW in zentralen Bereichen gute Zahlen vorlegen. Wie der Sprecher des Vorstands der BHW Bausparkasse AG, Henning Göbel, sagt, wachse BHW gegen den Trend. Göbel: „Aktuell ist der Markt rückläufig. Wir wachsen hingegen sowohl im Geschäft mit Bausparen als auch mit klassischer Baufinanzierung.“ Dabei hebt Göbel vor allem einen Vorteil von BHW hervor: „Wir bieten eine Kombination aus Bausparvertrag und Baufinanzierung aus einer Hand an. Hier sind wir Marktführer. Die Kunden haben bei uns eine Zinssicherheit über die gesamte Laufzeit ihres Immobiliengeschäfts – und das spielt uns in die Karten.“ Im Jahr 2017 hatte die Bausparkasse BHW ihr Sparer-Neugeschäft nach einem heftigen Einbruch (2016: minus zwölf Prozent) wieder stabilisieren können. In einem rückläufigen Markt bestätigte BHW mit einem beantragten Bausparneugeschäft von 9,1 Milliarden Euro das Vorjahresniveau – so stieg der Marktanteil leicht auf zehn Prozent. Bei der Baufinanzierung übertraf BHW mit einem Neugeschäft in Höhe von 3,5 Milliarden Euro die Leistung des Vorjahres um drei Prozent. Unter allen Strichen schloss die Bausparkasse das Geschäftsjahr 2017 mit einem Überschuss von 34,7 Millionen Euro (Vorjahr: 37,2) ab, das Vorsteuerergebnis belief sich auf 5,0 Millionen Euro (Vorjahr: 11,6).

Für die Zukunft sind laut Göbel drei Dinge wichtig: Zum einen „werden wir im Jahr 2019 die ersten Schritte für die Zusammenarbeit mit der Bauspartochter der Deutschen Bank machen“. Die Deutsche Bank sei dabei, das Privatkundengeschäft und den deutschen Markt wieder in den Fokus zu rücken, da sei es wichtig, stabile und effiziente Bausparangebote am Markt platzieren zu können. So gebe es Ideen für spezielle Produkte für junge Leute und Familien, doch diese sollen dann schon in der neuen technischen Welt und im Konzern der Deutschen Bank platziert werden. Als Zweites nennt Göbel die Aufgabe, „organisatorisch mit der DB Bauspar zusammenzuwachsen“. Die in Hameln ansässige Kreditfabrik, die ja bereits Vorgänge aus dem gesamten Konzern auf den Tischen habe, bearbeite schließlich „heute schon jede zehnte Immobilienfinanzierung in Deutschland“. Und drittens wolle sich BHW für eine neue Wohnungsbauinitiative starkmachen, auch wenn „wir selbst nicht in Zement investieren wollen“.

Der Wohnungsbaumarkt ist derzeit nach Aussagen von Göbel „problematisch“. Es gebe bekanntlich einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, vor allem in den Städten und Zentren müsse sich etwas tun, dies sei eine gesellschaftliche Aufgabe des Staates und der Politik, die ja auch einen Wohnungsbau-Gipfel in Berlin plane. Die BHW Bausparkasse sieht hier natürlich Geschäft – will aber auch mit Expertise und Rat zur Seite stehen.

Für das künftige Geschäft – und ein nachhaltiges Wirtschaften „müssen wir immer schneller und besser werden“, sagt Göbel. Deshalb sei es auch so wichtig, in eine neue Datentechnologie zu investieren. Aktuell sei man im BHW mit dem Erreichten zufrieden, aber nicht selbstgefällig. Man habe einen Plan und im Moment scheine dieser auch gut zu funktionieren. Und dennoch sagt Göbel: „Wenn wir als BHW weiter profitabel wachsen wollen, wird das nicht durch einen Aufbau von mehr Mitarbeitern gehen, sondern durch effizientere Abläufe, und da wird uns die neue Technik entscheidend helfen.“