Die Blutsauger kommen!

Hameln-Pyrmont (mes). In diesem Jahr gibt es in Deutschland so viele Zecken wie seit zehn Jahren nicht, warnen Forscher vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) in München. Auf Gräsern, Büschen und im Unterholz warten 20 verschiedene Zeckenarten darauf, sich an unserem Blut gütlich zu tun. Damit steigt auch die Infektionsgefahr für Krankheiten wie Borreliose und FSME. Grund für die diesjährige Zeckenschwemme sind der milde Winter und die satte Bucheckernernte im Jahr 2016.

Auch der Landkreis Hameln-Pyrmont ist betroffen. Zwar liegen keine Zahlen über Fälle von Borreliose vor, weil diese laut Pressesprecherin Sandra Lummitsch nicht meldepflichtig ist, doch könnten die Bürger einiges zum Schutz gegen Zeckenstiche tun: „Bei Aufenthalt im hohen Gras, Gebüsch oder Unterholz, bietet das Tragen von festen Schuhen, langen Hosen und langen Ärmeln einen gewissen Schutz. Dadurch wird es einer Zecke erschwert, eine geeignete Hautstelle für eine Blutmahlzeit zu finden. Werden die Hosenbeine zudem in die Socken gesteckt, ist die Zecke gezwungen, auf der Kleidung nach oben zu laufen“, rät Lummitsch. Das Tragen von heller Kleidung erleichtere zudem das Auffinden von Zecken. Die Anwendung von Repellentien auf der Haut schütze ebenfalls, wenn auch zeitlich begrenzt.

Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper nach Zecken abgesucht und diese sofort entfernt werden. Insbesondere sollte man Kinder nach dem Spielen im Freien gründlich untersuchen. Zecken bevorzugten Stichstellen wie Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehle.

Und was, wenn es nun doch passiert ist und eine Zecke zugestochen hat? „Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollte die Zecke sobald wie möglich herausgezogen werden“, empfiehlt der Landkreis. Dabei sollten möglichst alle Teile des Tieres entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden. Hierzu greife man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!), und zieht sie langsam und gerade aus der Haut. Möglichst sollte die Zecke dabei nicht gedreht und auf keinen Fall vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Nach Entfernung ist zudem eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen.

Um die eventuelle Ausbildung eines roten Infektionsrings (sogenannte Wanderröte, ein früher Hinweis auf eine beginnende Borreliose) in der Haut besser verfolgen zu können, empfiehlt es sich, die Einstichstelle regelmäßig zu beobachten. Auch ein Foto von der Stichstelle kann hilfreich sein. Sollte nach einigen Tagen bis Wochen eine deutliche ringförmige Hautrötung, typischerweise im Zentrum blasser als am Rand, entstehen und sich ausweiten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. In einigen Fällen erscheint nur eine unspezifische Hautrötung, die wandert.

Sollte man in den sieben bis 14 Tagen nach einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen entwickeln, sollte gegebenenfalls ein Arzt konsultiert werden. Eine generelle Antibiotikatherapie nach einem Zeckenstich wird indes nicht empfohlen, sagt Lummitsch. Sie sei erst bei einem begründeten Borrelioseverdacht (Wanderröte, neurologische Symptome oder massive Gelenkschwellung) angebracht.