Armer Wald

Weserbergland (ey). „Und auch heute wieder ein herrlicher Supersommertag, bis 35 Grad und 14 Stunden Sonne!“ Das Jubilieren übers Wetter in den Radionachrichten will Ottmar Heise schon nicht mehr hören, es bringt ihn auf die Palme. Wenn‘s die mal gäbe in heimischen Forsten, wäre alles halb so wild: Palmen kommen mit Trockenheit gut klar. „Aber das, was gerade abläuft, versetzt die Forste in Stress“, sagt der Hamelner Forstamtsleiter. Und die Förster ebenso.

Da ist zum Beispiel Ulrich Telle, Leiter der Revierförsterei Grohnde. Er stellt fest, dass Buchen, Eichen und andere Laub abwerfende Gehölze massiv die Blätter zu Boden fallen lassen, „so als wenn jetzt schon Ende September oder Oktober wäre“. Der Grund: eine Art von Selbstschutz. „Sie tun das, um weniger verdunsten zu müssen. Die haben absolut auf Herbstmodus umgestellt, um zu überleben“, sagt der erfahrene Revierförster. Nicht jeder Baum könne sich dadurch retten, es gebe einige, die diesem trockenen Sommer zum Opfer fallen, „aber die meisten können auf diese Weise die Trockenperiode überstehen“. Eine Trockenperiode, die fast schon eine Dürre geworden ist.

Da helfen kräftige Schauer wie in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wenigstens ein bisschen. „Fünf Liter pro Quadratmeter, das war schon mal was“, sagt Ottmar Heise, der sich für die kommenden vier Wochen jede Nacht einen solchen Gewitterschauer wünschte. So aber: zum Sterben zuviel und zum Leben zu wenig. „Wasser, Wasser, wir brauchen Regen, Regen, Regen.“

Die durch die Trockenheit hervorgerufenen Schäden im Wald seien deutlich spürbar, standortabhängig zwar, aber nicht zu übersehen. Beispiel: die Buchen auf dem Klüt in Hameln. „Je höher sie stehen, desto gelber sind sie bereits in den Kronen, weil ihre Wurzeln nicht mehr an die feuchten Bereiche in der Erde heranreichen.“ Ahorn, Eschen und Eichen geht‘s genauso schlecht; die Eichen müssen sich bekanntlich auch noch mit dem schädigenden Prozessionsspinner herumplagen, der im Weserbergland allerdings zum Glück nicht gar so verbreitet ist wie in anderen Regionen, zum Beispiel in der Heide.

Und als wenn das nicht schon alles schlimm genug wäre, fällt der Blick auch gleich noch auf die Fichten. „Da kommt noch was auf uns zu!“, sagt Ottmar Heise mit Ausrufungszeichen. Denn Fichten hassen Trockenheit. Und je trockener es ist, desto angreifbarer sind sie. Der Borkenkäfer erkennt seine Opfer genau und bohrt sich in ihr Herz. Rettung kaum möglich. Noch dazu: Je trockener das Wetter, desto mehr Populationen kann der Borkenkäfer entwickeln. „Das ist eine unglaubliche Belastung für die Fichten“, sagt Revierförster Ulrich Telle. Wenn er es sich aussuchen dürfte, würde er lieber einen verregneten Sommer wie den 2017er als einen überaus heißen 2018er nehmen, der kein guter Waldjahrgang ist. „Dem Wald ist es im vergangenen Jahr besser ergangen. Viel besser!“

Das sieht Uwe Schenkemeyer, Forstamtsleiter für den Bad Pyrmonter Stadtforst ganz genau so: „Dieser Sommer hat jetzt schon sehr deutliche Spuren in unseren Wäldern hinterlassen. Gerade an Waldrändern und auf Höhen sowie an Forstwirtschaftswegen fällt das Laub wie im Herbst. Wir können nichts tun, man schaut nur ganz betrübt zu, wie sehr die Bäume leiden.“ Immerhin: Wo das Laub abgeworfen wird, sei dies als Lebenszeichen zu verbuchen; so schützten sich die Bäume. „Aber alle werden es sicher nicht überleben.“

Wenn es eine gute Seite dieses Sommers für Förster und Wald gibt, dann die, dass das schwere Gerät nicht im Matsch versinkt. „Im vergangenen Jahr mussten wir viel Windbruchholz liegen lassen, weil der Boden zu aufgeweicht war. Jetzt ist er trocken und fest; da kommt man gut voran“, sagt Ulrich Telle.