Die Kehrseiten des Super-Sommers

Hameln/Grohnde. Ausgetrocknete Bachläufe, staubtrockene Felder, extrem niedrige Flusspegel, viele hitzegeplagte Patienten in der Notaufnahme – das sind die Kehrseiten des Super-Sommers 2018. Für die Weser und die Schifffahrt könnte es noch dicke kommen. „Wenn es nicht bald flächendeckend und ergiebig regnet, werden wir in 14 Tagen pro Sekunde nur noch sechs Kubikmeter Wasser aus der Edertalsperre in die Weser laufen lassen können. Das ist die Mindestabgabe“, sagt Odo Sigges, gewässerkundlicher Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA). Die Folge: Am Steuerungspegel „Oberweser“ in Hann. Münden würde der Wasserstand von aktuell 1,18 Meter auf 65 bis 70 Zentimeter fallen. In Hameln dürfte der Pegel dann noch tiefer liegen. „Schifffahrt wäre nur noch im Staubereich möglich, einige Fähren müssten wohl ihren Betrieb einstellen, die Kiesschifffahrt bekäme auch Probleme“, meint der Bau-Ingenieur des WSA. Wie sich das extreme Niedrigwasser auf Fische und andere Lebewesen auswirken würde, vermag Sigges nicht zu sagen. Zwar ist Regen angesagt, die Frage ist aber: „Was kommt davon in der Talsperre und letztlich in den Flüssen an? Ein Großteil des Regenwassers wird vermutlich sofort von den Dürre-Böden aufgesaugt – wie ein Schwamm. Sieht der Experte eine Entspannung der Lage? „Nein“, sagt Odo Sigges. Eine Regenperiode sei momentan nicht in Sicht.

Derzeit werden pro Sekunde noch 29 Kubikmeter Wasser aus der Edertalsperre, in der sich 75 Millionen Kubikmeter Wasser befinden, an die Weser abgegeben. Um Wasser zu sparen, hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt den Steuerungspegel in Hannoversch Münden bereits von 1,23 Meter auf 1,18 Meter abgesenkt. Aber die bange Frage bleibt: Wann wird es endlich wieder regnen? Denn: Schon in zwei Wochen werden nur noch 40 Millionen Liter Wasser in der Talsperre sein, dann muss der Abfluss erheblich gedrosselt werden. Ansonsten würde die obere Eder trockenfallen.

Aber es gibt auch Erfreuliches zu vermelden. Ein Fischsterben wurde an der Weser bei Hameln bislang nicht beobachtet. Auch nicht im Hafen, obwohl die Wasserfläche teils mit einem dicken Algenteppich bedeckt ist. Dort, wo keine Pflanzen wuchern, ist das Wasser klar, schwimmen Jungfische, schnäbeln Enten. „Problematisch wird es erst, wenn die Wassertemperatur mehr als 28 Grad erreicht“, spricht Hausboot-Bewohner Knut Brokate aus Erfahrung. „Wenn das mit der Tropenhitze nicht noch Wochen so weitergeht, dann ist alles im grünen Bereich.“

Der Sprecher der Stadt Hameln, die sowohl Umwelt- als auch Hafenbehörde ist, schränkt ein: „Die Lage im Schutzhafen ist angespannt, weil es sich quasi um ein stehendes Gewässer handelt.“ Man hoffe auf Regen und dass man mit einem blauen Auge davonkomme. Die Stadt hält nichts davon, Wasser in den Hafen zu pumpen, um auf diese Weise den Sauerstoffgehalt zu erhöhen. Eine solche Aktion wäre eher kontraproduktiv, sagt Thomas Wahmes, denn: „Dadurch würden Schwebstoffe vom Grund aufgewühlt, was sauerstoffzehrend wäre.“

Almut Zyweck, Sprecherin von PreussenElektra, sieht derzeit keine witterungsbedingten Probleme auf den Konzern zukommen. „Noch ist die Lage in Grohnde entspannt, musste die Leistung des Kernkraftwerks nicht gedrosselt werden.“ Man beobachte die Entwicklung sehr genau, aber noch zeige die Messstelle an der Weser in Hameln eine Wassertemperatur von 24 Grad an. Relevant für den Kraftwerksbetreiber: In Hameln darf die Weser nach der Einleitung des Kühlwassers in Grohnde (Durchmischung) nicht wärmer als 28 Grad sein. Das heimische Kraftwerk gebe die meiste Wärme über die Kühltürme ab. Zudem kühle es sich nachts etwas ab. Das verhindere, dass das Weserwasser zu stark erwärmt wird. Die Stadtwerke Hameln produzieren schon jetzt weniger Strom durch Wasserkraft. Grund: „Der Pegel beträgt zurzeit nur 1,05 Meter“, sagt Ilka Albrecht. Das Problem: „Wenn – wie zurzeit – weniger Wasser zur Verfügung steht, verringert die Anlage automatisch die Durchflussmenge durch die Turbinen, was eine Leistungsreduzierung zur Folge hat. Der aktuelle Durchfluss führt dazu, dass wir unsere Wasserkraftanlagen auf dem Werder und die Anlage Pfortmühle um circa 25 Prozent gedrosselt haben“, sagt sie.