Echt bewegend

Hameln (mes). Ein solch großartig bewegtes Projekt hat es in der Rattenfängerstadt sicherlich noch nicht gegeben: Im Rahmen der 10. Hamelner Tanztheatertage können interessierte Laien und Schulklassen in die Welt des Tanzes eintauchen und auf der großen Bühne stehen. „tanzwärts!“ nennt sich das Projekt – und Theaterdirektor Wolfgang Haendeler verkündete jetzt, dass sich mit der 8D der IGS auch bereits eine erste Schulklasse angemeldet habe.

Bekanntlich ist der Hamelner Kulturtempel eines von nur 13 Theatern bundesweit, das im Rahmen des „Tanzland“-Fonds für Gastspielkooperationen von der Kulturstiftung des Bundes maßgeblich gefördert wird. Kooperationspartner ist dabei das Tanztheater Staatstheater Braunschweig, das in der vergangenen Spielzeit bereits das Kinderstück „Angsthase Pfeffernase“ inszeniert hatte und nun in der kommenden Monat beginnenden Spielzeit sowie in der darauffolgenden im Hamelner Theater Flagge zeigen wird. Während Choreograf Gregor Zöllig am 21. März seinen „Heimatabend“ auf die Bühne bringt, geht dem, angelehnt an das Thema Heimat, das Community Dance Project voraus: Am 17. März zeigen die Mitwirkenden unter der Leitung von Tiago Manquinho (Choreograf am Tanztheater Staatstheater Braunschweig), was sie in sechs Wochen harter Arbeit gelernt haben. Zöllig hat mit diesem Projekt schon Erfahrung in anderen Städten gesammelt, darunter Osnabrück und Bielefeld. „Das ist eine riesen Chance für uns alle“, freut er sich. Die Teilnehmer würden sich nachhaltig mit dem Aspekt der Berührung und Nähe einlassen, persönlich mit Künstlern arbeiten und den Tanz mit allen Sinnen wahrnehmen lernen. „Danach wird nichts mehr so sein wie zuvor“, schmunzelt er.

Berührende Erfahrungen

für Laien und Schulklassen

Die Teilnehmer, das sind neben interessierten Bürgern jeden Alters auch Schulklassen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, Voraussetzung sind nur „Lust, Zeit und etwas Mut“, sagt Zöllig. Denn die Proben haben es in sich: Die Truppe kommt sechs Wochen lang für fünf Tage die Woche für jeweils drei bis vier Stunden zusammen. Die Profis Tiago Manquinho (Portugal) und Pauline De Laet (Belgien) arbeiten dann mit Laien, vermitteln ihre Passion und „machen Tänzer aus den Hamelnern“, verspricht er. „Und wer sich mit Haut und Haar dem Ganzen verschreibt, dem verspreche ich hinterher ein kleines Wunder“.

Darauf sind vor allem auch Doris Schneider und Jakob Huber, beide Lehrer an der IGS Hameln, gespannt. Sie hatten nicht lange gezögert und sich noch vor den Sommerferien mit der Klasse 8D für das Projekt beworben. „Das ist eine tolle Möglichkeit uns darzustellen“, sagt Schneider. Für sie gebe es keine bessere Möglichkeit an einem Projekt teilzunehmen, das den Schülern „in allen Bereichen weiterhilft, weil wir alleine so etwas gar nicht auf die Beine stellen könnten“, ergänzt sie. Ihr Kollege Huber fügt hinzu, dass die Schule eine sehr heterogene Gemeinschaft sei, daraus auch manchmal Probleme und Missverständnisse resultierten. Wenn sich Schüler über Bewegung ausdrücken, könnten sie diese Herausforderungen ganz anders meistern, meint er. Und so sieht auch er „tanzwärts!“ als „große Chance“, sich auf Dinge zu konzentrieren, Disziplin zu üben und stolz auf sich sein zu können“. Choreograf Tiago Manquinho sieht das ähnlich: „Wir wollen die Persönlichkeit und die Stärke eines jeden auf der Bühne rausbringen“, sagt er. Die Arbeit mit den Laien sei wunderbar, weil sie neben Ausdauer und Geduld auch lernen würden, ihre individuellen Probleme zum Wohl der Gruppe hinten anzustellen.

Wer noch mitmachen möchte – auch eine weitere Schulkasse wird noch gesucht –, sollte sich bis spätestens Mitte September an Projektkoordinator Mathias Lindner unter ma5li5@yahoo.de wenden. Ein erstes Kennenlerntreffen ist für Sonntag, 20. Januar, 15 bis 18 Uhr auf der Theaterbühne geplant. Probenbeginn ist am 4. Februar. Geprobt wird in den ersten fünf Wochen jeweils montags bis freitags circa drei bis vier Stunden, in der letzten Woche nach Bedarf.

Das Projekt „tanzwärts!“ wird im Rahmen des Tanzland-Fonds für Gastspielkooperationen gefördert. Tanzland ist eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes in der Projektträgerschaft des Dachverbandes Tanz in Deutschland und fördert Kooperationen von Bespieltheatern mit festen oder freien Ensembles. Die von Theaterdirektor Wolfgang Haendeler und Braunschweigs Tanztheaterleiter und Chefchoreograf Gregor Zöllig konzipierte Zusammenarbeit wird mit rund 50000 Euro bezuschusst.