„Brandschutz ist Chefsache“

Bad Pyrmont. Papier ist geduldig, und die Menschen vergessen schnell. Für die Repräsentanten des Pyrmonter Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga sowie des Kur- und Verkehrsvereins (KVV) gilt das jedoch nicht. Bei dem von ihnen sowie der Werbegemeinschaft (WG) und der örtlichen Tourismusgesellschaft BPT gemeinsam ausgerichteten Sommerfest betonten sowohl Dehoga-Kreisverbandschef Arnoldus van Iersel als auch die KVV-Vorsitzende Martina Tigges-Friedrichs, es sei sehr wohl Sache des Bürgermeisters, aber auch der hiesigen Politiker auf allen Ebenen, beim Thema Brandschutz alle Stellschrauben zu ziehen. Es müsse verhindert werden, dass überbordende Kosten zur Erfüllung der Vorgaben die Hoteliers und Pensionsbetreiber die Existenz kosten. Die KVV-Frontfrau forderte: „Die Politik muss liefern.“

So kurz Dehoga-Chef van Iersel seine Begrüßung der rund 150 Feiernden im Café Robert‘s in und vor der Wandelhalle hielt, so deutlich geriet sie: Mit Blick auf die von Verwaltungschef Klaus Blome vor knapp vier Wochen geäußerte Auffassung: „Da müssen ganz andere aktiv werden“, befand der Dehoga-Chef: „Das Thema Brandschutz ist Aufgabe des Bürgermeisters.“ Der folgende Applaus entging Klaus Blome. Ein anderer Termin verhinderte seine Anwesenheit.

Warum Arnoldus van Iersel meint, dass der Bürgermeister das Thema zur Chefsache machen müsse, erklärte er später auf Nachfrage so: „Er ist vom Volk gewählt, um die Belange der Einwohner zu vertreten. Also muss er das Thema angehen.“ Denn der Verlust von Hotelbetten habe Folgen für die ganze Stadt. Natürlich seien alle Zimmervermieter einig, dass in ihren Betrieben niemand zu Schaden kommen solle, betonte van Iersel. Gleichwohl müssten die Brandschutz-Entscheider ihre Ermessensspielräume für realistische Vorgaben nutzen. Würden die Betreiber kleiner Häuser „unverzüglich“ zu kostspieligen Umbauten gezwungen, sei das unverhältnismäßig. Denn, so der „Steigenberger“-Direktor: „Wir brauchen einen gesunden Mix aus großen und kleinen Hotels.“ Für Letztere werde es auch in Zukunft Nachfrage geben. „Es wäre ein Fehler zu sagen, die Gästegeneration, die in familiengeführten Häusern übernachtet, stirbt aus.“

Zudem zog Arnoldus van Iersel eine Aussage des Bürgermeisters in Zweifel, der der Einrichtung eines lokalen Förderfonds zur Finanzierung von Brandschutzsanierungen in kleineren Betrieben wenig Chancen eingeräumt hatte. „Natürlich gibt es solche Töpfe auf Landesebene“, sagt der Dehoga-Frontmann. „Aber sie müssen angezapft werden.“ Werde den zu kostspieligen Investitionen verpflichteten kleinen Betrieben damit geholfen, dann komme das Geld doch auch wieder zurück. „Das wäre ein wichtiges Stück Wirtschaftsförderung.“

Dass die wegen nicht finanzierbarer Brandschutzauflagen erfolgte Schließung zweier Hotels schon jetzt Folgen für den KVV habe, berichtete Martina Tigges-Friedrichs. Ihrem Verein entgehen dadurch in diesem Jahr 10000 Euro Mitgliedsbeiträge. Geld, das er dringend braucht, um mit seinen Zahlungen an die Stadt die ansonsten drohende Einführung der Tourismusabgabe abzuwenden. Griffe diese Zusatzsteuer, dann drohten den Unternehmen nahezu aller Branchen deutlich höhere Abgaben an die Stadt als die aktuellen KVV-Beiträge.

Abseits der beiden großen Themen zeigten sich sämtliche Gastgeber am Montagabend überzeugt von der nach wie vor „hohen Anziehungskraft und Attraktivität Bad Pyrmonts“, wie Helmut Fahle für die Werbegemeinschaft hervorhob. Zudem riss er an, gemeinsam mit BPT-Geschäftsführer Karsten Stahlhut, Kurdirektor Maik Fischer und dem Bürgermeister am Thema „Pop-up-Store“ und Leerstandskaschierung dran zu sein. Fahle: „Wir wollen, dass es weitergeht.“