Lastentest mit Rad: Stadt auf Klimakurs

Hameln (jah/ey). Weshalb er nun gerade „Long John“ heißen musste, nun, darüber mag mancher seinen Spott ergießen. Fakt ist, dass die Stadtverwaltung zurzeit ein Lastenfahrrad zu Testzwecken im Einsatz hat, um auf Kurskorrektur in Sachen Klima unterwegs zu sein. Es gibt schlechtere Ideen als diese. Und es gibt überdies schon viele Hamelner, an denen Herbert Schreiber bereits mit seinem Fahrrad vorbeigeflitzt ist.

Der Hausmeister der Stadt Hameln ist für den Bereich Familie und Soziales zuständig. Er erledigt seine täglichen Aufgaben gerne per Rad – nur beim Transport von größeren Lasten musste er bislang kapitulieren und aufs Auto umsteigen. Nun hat er leihweise für zwei Monate ein elektrisches Lastenrad gestellt bekommen und testet die umweltfreundliche Alternative. Die Aktion „Ich entlaste Städte“ ist vom Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt initiiert und wird vom Umweltbundesministerium unterstützt. Ziel ist es, einerseits zu klären, inwieweit unterschiedliche Branchen vom Lastenradeinsatz profitieren können und wie weit sich der Verkehr und damit Städte entlasten lassen. Andererseits ist es auch für die Stadt Hameln ein Versuch, ob Schreiber bei seiner täglichen Arbeit unterstützt werden kann und später ein eigenes Lastenfahrrad angeschafft wird.

Herbert Schreiber ist der Mann, der zur Stelle ist, wenn irgendwo die Glühlampe defekt ist oder ein Rohr leckt. Meistens mit dabei hat er Hammer, Schrauben und den Akkubohrer. „Wenn ich täglich meine Runden drehe, dann kommt einiges zusammen, was ich an Arbeits- und Reparaturmaterial dabei haben muss. Mit einem Lastenrad kann ich alles ohne Auto transportieren“, sagt Schreiber.

„Long John“ ist ein

ziemlich kurioser Name

Zuständig ist er für alle Jugendtreffpunkte im Stadtgebiet, den Märchengrund, den Regenbogen, die A.R.A. (Treffpunkt für die zweite Lebenshälfte), das Kinderspielhaus, den Finkenborn und das FIZ. Pro Tag kommt Herbert Schreiber auf gut 20 Kilometer, die er meistens mit dem Rad zurücklegt. Leider muss er ab und an auf ein Auto ausweichen, weil sich mit seinem normalen Fahrrad nicht alles transportieren lasse. Aber vieles.

Für den Lastenrädertest musste sich Herbert Schreiber schon im Februar bewerben. Seit heute nutzt er nun das elektrische Lastenrad „Long John“ für die Dienstfahrten. Das Rad ist mit einer abschließbaren Transportbox versehen, die immerhin 150 Liter fasst. Dazu wird über eine App aufgezeichnet, wie viele Kilometer geradelt wurden.

Die Nutzung des Lastenrades kostet die Stadt 30 Euro monatlich, davon werden die Transportkosten und die Wartung der Räder finanziert. Wenn sich der Test als Erfolg herausstellt, wird die Stadt Hameln in diesem Jahr ebenfalls ein Lastenrad anschaffen.