Einfach träumen von mehr Bäumen

Hameln (ey). Bäume in Städten haben kein leichtes Leben. Schadstoffe müssen sie filtern, Salze ertragen, und ihre Wurzeln haben weniger Lebensraum als die ihrer Brüder und Schwestern in Feld und Wald. Ihnen sollte mehr Respekt gezollt werden, umso mehr, da feststeht, dass sie das Mikroklima essenziell verbessern, indem sie Bakterien, Pilze und Feinstaub filtern sowie Sauerstoff spenden. Der Hitzesommer 2018 hat ihren großen Wert verdeutlicht, und es gibt nicht wenige Kritiker, die in Hameln noch viel ungenutztes Potenzial sehen, um mehr Bäume zu pflanzen. Pflanzzeit wäre jetzt.

Da ist also beispielsweise die Ohsener Straße, vor einiger Zeit saniert, mit Fahrradweg. Was die Planer augenscheinlich ignorierten, waren Pflanzmaßnahmen. Kaum ein Grün zu sehen, obwohl Platz wäre. Stellt man beispielsweise den Allee-Charakter der Schillerstraße zum Vergleich daneben, wird klar, dass an der Ohsener Straße städtebaulich nicht gerade eine Eins mit Sternchen vergeben werden könnte… Es handelt sich zwar um ein Industriegebiet, aber auch dort wird gelebt und geatmet.

„Da sind Pflanzmaßnahmen ohne Frage versäumt worden. Nicht erst seit diesem Sommer wissen wir, wie wichtig Bäume im städtischen Bereich sind“, sagt Thomas Wahmes, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Und führt ein Beispiel an: „Eine etwa 100 Jahre alte Buche, 20 Meter hoch und mit einem Kronendurchmesser von rund zwölf Metern, hat rund 600000 Blätter und bringt es damit auf rund 1200 Quadratmeter Blattfläche. In den Lufträumen im Blattgewebe findet ein Gasaustausch auf circa 15000 Quadratmetern statt – das entspricht einer Fläche von zwei Fußballfeldern bei nur einer Buche, die an einem sonnigen Tag etwa 18 Kilogramm Kohlendioxid bindet“, sagt Wahmes. Und doch gibt es Grenzen. Beispiel Innenstadt: In der Fußgängerzone könnten Bäume nur sehr bedingt gepflanzt werden aufgrund von Versorgungsleitungen im Erdreich. Die Stadt habe hier kaum Spiel-, will heißen: Pflanzraum.

Ohne Not gefällt wird kein Baum. Nur wenn die Verkehrssicherung nicht mehr gegeben sei, müsse die Säge zum Einsatz kommen. Einschließlich der Ortschaften gebe es rund 23200 Bäume im Stadtgebiet, wobei in dieser Zahl noch nicht die „Stammhalter“ an Gewässern berücksichtigt seien. Die Unterhaltungskosten – Schnitt, Überprüfung, Pflege – belaufen sich jährlich auf über 500000 Euro; hinzu kommen die Kosten für Ersatzpflanzungen in Höhe von etwa 70000 Euro (2017).