Schläger werden suspendiert

Hameln. Es sind brutale Szenen, die sich vor einer Hamelner Schule abgespielt haben: Ein 17-Jähriger verprügelt einen gleichaltrigen Mitschüler. Das Opfer hängt wenig später bäuchlings über einem Zaun. Umstehende helfen nicht – sie filmen die Prügelattacke. Videos der Tat tauchen im Internet auf.

Johannes Stolle, Leiter der Berufsschule, betont: „Es war das erste Mal, dass ich solch eine schreckliche Tat vor unserer Schule erlebt habe.“ Die Eugen-Reintjes-Schule zog nach der Attacke Konsequenzen – und suspendierte den Schläger, der inzwischen nicht mehr Schüler der Berufsschule ist. Andreas Jungnitz, Schulleiter des Schiller-Gymnasiums, meint: „Es ist absolut richtig, wie die Schule vorgegangen ist.“ Ausschließen lasse sich so ein Vorfall aber an keinem Standort.

Jungnitz: „Bei uns ist das in dem Ausmaß bisher nicht vorgekommen.“ Kleinere Rangeleien habe es jedoch auch schon gegeben. Ähnliches berichtet Michael Büssing, Schulleiter der Theodor-Heuss-Realschule. Selten gebe es Prügeleien. „Aber nicht in der Intensität wie zuletzt vor der Eugen-Reintjes-Schule“, meint Büssing und fügt mit Blick auf seine Schule hinzu: „Wir haben kein Gewalt-Problem.“ Der Schulsozialarbeiter könne viel auffangen. „Und wenn etwas sein sollte, sind wir wachsam, um den Schulfrieden zu gewährleisten.“

Auch Bernd Strahler, Schulleiter der Handelslehranstalt, meint: „So einen drastischen Vorfall haben wir noch nicht erlebt.“ An seiner Schule helfe eine Art Frühwarnsystem. Neben Regeln und Coaching gebe es in den Klassen jeweils bestimmte Ansprechpartner, die mit den Lehrern kooperieren. „Nach den Ferien haben wir Trainingstage, bei denen es auch um den Umgang mit Gewaltfantasien geht“, so Strahler, der aber meint: „Bei uns ist es relativ friedlich.“

Auseinandersetzungen gebe es laut Britta Bödecker, Schulleiterin der Wilhelm-Raabe-Schule, dabei hin und wieder auch zwischen Kindern im Grundschulalter. „Aber in keiner Weise in diesem Ausmaß“, sagt Bödecker und bezieht sich auf die Prügelattacke. An der Grund- und Oberschule werden Schüler, die handgreiflich werden, für den Rest des Tages nach Hause geschickt. „Wir haben die Regel: Wer schlägt, der geht“, so die Leiterin. Die Eltern würden in einem solchen Fall sofort informiert und eingebunden. „Wir suchen das Gespräch – auch über Schulsozialarbeiter“, so Bödecker. Äußerste Maßnahme sei die Klassenkonferenz.

„Wer schlägt, der geht“: Das gilt auch an der Grundschule Klein Berkel. Schulleiterin Katrin Gans: „Kleine Rangeleien hat man immer mal. Aber wer richtig ausflippt, muss für den Rest des Tages nach Hause.“ An der Klütschule habe das Thema Gewalt laut Schulleiterin Kai-Susann Brandes keine hohe Relevanz. „Nur manchmal streiten sich Kinder beim Fußballspielen auf dem Pausenhof“, so die Leiterin der Grundschule.

An anderen Schulen in Niedersachsen waren Gewalt und Kriminalität im vergangenen Jahr dagegen wieder größere Probleme. Das Landeskriminalamt hatte im April mitgeteilt, dass die Zahl der Straftaten an Schulen im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 5556 Fälle zunahm. Besonders die Zahl der Körperverletzungen stieg mit einem Plus von 29 Prozent an. Und an Hamelns Schulen?

Die Polizei kann zumindest nicht bestätigen, dass es in der jüngsten Zeit vermehrt zu bei Schlägereien verursachten Körperverletzungen an Schulen gekommen ist. „Zumindest was uns bekannt ist“, sagt Pressesprecher Jens Petersen. Der Polizeihauptkommissar bezieht sich auf aufgenommene Anzeigen, weiß allerdings auch, dass die Dunkelziffer wesentlich höher sein kann.