Die Schönheit der Ernte

Weserbergland (twi). Einerseits Ernteeinbußen zwischen zehn und 30 Prozent, andererseits höhere Zuckerwerte, die für ein wenig Ausgleich sorgen: Auch die derzeit auf Hochtouren laufende Rübenernte der Bauern im Weserbergland ist vom Dürresommer und dem nicht minder trockenen Herbst gekennzeichnet. Laut Rübenanbauerverband ist in etwa die Hälfte der bis Januar andauernden Kampagne geschafft, weit über ein Drittel sei gerodet. Was de facto bedeutet, dass weiterhin schwere Maschinen rund um die Uhr im Einsatz sind. Verkehrsteilnehmer sollten Vorsicht walten lassen.

Andererseits zeigen die Bilder, dass die Rübenernte fast schon kunstvoll in Szene gesetzt werden kann. Da ist die rohe Energie der Maschinen, da sind die Früchte, da sind blauer Himmel und weites Land – so schön kann die Ernte sein!

Wie wichtig es ist, Zuckerrüben anzubauen und die Ackerfrucht dabei gleichzeitig auch vor den diversen Krankheiten zu schützen, das wollte Landwirt Moritz Ehle – im wahren Sinne des Wortes – einmal in einem Feldversuch darstellen. Zu diesem Zweck hat der 38-jährige Lauensteiner Zuckerrüben auf einer 20 Quadratmeter kleinen Fläche bei Salzhemmendorf ausgesät und diese aber nicht – wie sonst üblich – mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Nullparzelle wird diese Methode in der Landwirtschaft genannt, um unter anderem auch herauszufinden, welche Mittel in der Bekämpfung von Krankheiten besonders wirksam sind. Schließlich sind die Boden- und Wasserverhältnisse genauso wie die klimatischen Besonderheiten von Ort zu Ort unterschiedlich. Nicht alles wirkt überall gleich. „Gerade das macht auch immer wieder den Reiz der Landwirtschaft aus“, findet Ehle.

Doch zurück zum Feldversuch: Gleich neben dem kleinen Quadrat der Nullparzelle befindet sich ein großes Feld mit Zuckerrüben, das mit Pflanzenschutzmaßnahmen behandelt wurde. Oberflächlich betrachtet fällt dem Laien anhand der Blätter hier erst mal kein großer Unterschied auf. Unterhalb der Oberfläche allerdings, im Boden, wird deutlich, wie klein die unbehandelte Zuckerrübe im Vergleich zur behandelten ist. „Und das ist der Grund, weshalb wir Pflanzenschutzmaßnahmen anwenden“, so Ehle.

Das leuchtet ein. Dennoch stellt sich natürlich die Frage nach alternativen Pflanzenschutzmaßnahmen. Gibt es sie? „Ja, man könnte wie im Biolandbau statt dem Ausbringen von Mitteln alternativ auch auf den Feldern hacken“, erklärt der Zuckerrübenbauer, ergänzt aber folgenschwer: „Nur mit der Inkaufnahme von massiven Ertragseinbußen.“ Außerdem steige, so Ehle weiter, das Unkrautpotenzial in kürzester Zeit exponentiell an. Mit dem praktischen Ergebnis: Es gebe in Summe weniger Zuckerrüben bei gleichzeitig unveränderten Ackerlandpreisen. Dieser Umstand führe dann zwangsläufig zu deutlich steigenden Preisen, um den Anbau von Zuckerrüben überhaupt noch rentabel aufrechtzuerhalten. Ehle spricht hier vom „Doppelten“ bei einer möglichen Preisentwicklung. „Und ob Abnehmer sowie Verbraucher bereit sind zu zahlen, ist mehr als fraglich“, glaubt der Landwirt. Für ihn habe der Feldversuch daher einmal mehr vor Augen geführt, wie notwendig der langjährig erprobte Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln sei, um eine stabile Versorgung zu stabilen Preisen zu ermöglichen.