Eltern: „Auf die Stadt ist kein Verlass“

Bad Pyrmont. Alle Eltern dürften die Angst einer Mutter nachvollziehen können, wenn das eigene Kind verschwunden ist. Anett Förster ist es so ergangen. Eigentlich sollte ihr sechs Jahre alter Sohn mit dem Bus von der Herderschule zum Kinderhort nach Holzhausen fahren, doch da kam er nicht an, wie ihr der Hort gegen 12.30 Uhr an dem Tag mitteilte. In der Schule war er auch nicht mehr. „Also habe ich ihn gesucht und Glück gehabt, dass ich an diesem Nachmittag freihatte“, berichtet sie. Gefunden habe sie ihn weder auf dem Heimweg noch entlang der Buslinie, sondern in der Brunnenstraße. „Er hatte den Bus verpasst und sich dann alleine auf den Weg gemacht“, berichtet die Mutter, die ihre Emotionen nicht verbergen kann. „Ich hätte vom Hort eine Betreuung erwartet“, stellte sie fest. „Ich habe mir große Sorgen um meinen Sohn gemacht.“

Ihre Sorge ist, dass so etwas wieder passieren kann, denn der geplante Bustransport der Hortkinder klappt nicht so wie gedacht. Zum neuen Schuljahr ist der Kinderhort Panama aus dem Schulzentrum in die Pestalozzi-Kita nach Holzhausen umgezogen. Den Eltern hatte die Stadt zuvor „signalisiert“, wie es jetzt heißt, dass der kostenlose Mittransport mit den regulären Schulbussen funktionieren werde. Der Hort sorgte zudem für eine Übergangszeit für eine Begleitung durch Erzieherinnen. Im Vertrauen darauf hatten Anett Förster und andere Eltern Betreuungsverträge mit dem Hort geschlossen. Doch „leider erst Anfang des zweiten Quartals“ hätten Hort und Schulleitung darauf hingewiesen, das zwischen dem Ende der letzten Schulstunde und der Abfahrt der beiden Busse zu wenig Zeit bleibt, stellt die Stadt die Situation dar. Ändern habe sich das nicht mehr lassen, weil das Busunternehmen weitere Fahrten in Hameln durchführen müsse, erklärte Fachgebietsleiter Tobias Honka jetzt dem Schul- und Jugendausschuss. Weil er selber zu der Zeit in Elternteilzeit war und die Frage nicht klären konnte, entschied Bürgermeister Klaus Blome, dass ein zusätzlicher Bus eingesetzt wird. 52 Euro pro Tag muss die Stadt seit Schuljahresbeginn dafür bezahlen. Doch da das Geld dafür nicht bis zum Ende dieses Schuljahres reiche, habe man den Vertrag mit dem Unternehmer zum 12. November gekündigt. Vom 13. November an sollen die Hortkinder entweder 1,9 Kilometer zu Fuß gehen oder mit dem Linienbus 700 fahren. Betroffen sind 27 Kinder bis 13 Jahre, elf davon im Alter von 6 und 7 Jahren.

„Warum wurde die Vereinbarung mit so kurzer Frist vom Tisch gewischt?“, wollte ein Vater wissen. Er und andere Eltern waren erst am 18. Oktober informiert worden. „Die Eltern wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, kritisierte Sven Wittlake vom Stadtelternrat der Kitas. Neben der Sorge um die Kinder – in erster Linie um die Jüngsten –geht es für die Eltern auch um zusätzliche Kosten für den Bustransport, die sie nicht eingeplant hatten. 18,75 Euro kostet eine Monatsfahrkarte für die 19 Schüler, die nicht weiter als zwei Kilometer von der Schule entfernt wohnen. Die Eltern kritisierten, dass auf die Stadt kein Verlass sei.

Die Vorsitzende des Ausschusses, Sieglinde Patzig-Bunzel (SPD), sagte während der Sitzung zu, sofort nach einer Lösung zu suchen, schloss aber aus, dass die Stadt angesichts der finanziellen Situation den zusätzlichen Bus weiter bezahle. „Das ist eine freiwillige Aufgabe, das sehe ich nicht.“ Für das Schuljahr 2019/20 werde sich sicher eine andere Lösung für den Bus finden lassen.

„Ich hätte im Traum nicht gedacht, dass wir darüber sprechen müssen. Für mich war sonnenklar, dass der Transport klappt“, gab Ursula Körtner (CDU) zu Protokoll.

Heike Beckord (SPD) sprach von einer „sehr unglücklichen“ Situation. Um den Eltern aber jetzt zu helfen, will die Stadt das Gespräch mit dem Träger des Hortes suchen und anschließend das Problem gemeinsam mit der Politik und den Eltern erörtern. Der von Körtner ins Spiel gebrachte Antrag, den zusätzlichen Bus einen Monat länger fahren zu lassen, um mehr Zeit für eine Lösung zu finden, ist vom Tisch.