Von Kostbarkeiten und Bücher-Zellen

Hameln-Pyrmont (ey). Im schönen Weserort Fuhlen steht eine alte Telefonzelle. Sie ist mit Büchern gefüllt. In Hameln befindet sich eine im Bürgergarten, in Emmerthal ein Bücherschrank im Kernort. Besonders oft werden die Türen mitunter nicht geöffnet. Umso wichtiger wäre es, das zu tun. Alte Bücher können Schätze sein. Buchhändler wissen das.

Stefan Matthias, Geschäftsführer der Buchhandlung Matthias (Bäckerstraße, Hameln), hält viel aufs Antiquariat. „Es gibt Stadtführer, die bei uns Informationen über Hameln und das Weserbergland finden, die sie noch nirgendwo anders aufgetan haben. Das Antiquariat ist lebendige Literaturgeschichte und zeigt, wie das Buch vom Kulturgut zum Konsumgut geworden ist.“ Man könne auf fantastische Schatzsuche gehen, es sei eine Ansammlung von Kostbarkeiten darunter, die man in den öffentlich zugänglichen Buchzellen und -schränken sicher nicht habe.

Allerdings: Der Verkauf im Antiquariat sei nicht auf einem Riesenniveau. Das bestätigt auch Peter Peschke, Inhaber der Hamelner Buchhandlung Seifert (Osterstraße) mit Antiquariat „Leseratte“. „Ich habe täglich mehrere Anrufe von Interessierten, die alte Bücher an mich für das Antiquariat verkaufen wollen. Das Interesse von Kunden, Bücher im Antiquariat zu kaufen, ist hingegen stark gesunken. Die Lesegewohnheiten haben sich einfach geändert.“ Die Folge: Kostbarkeiten gingen mitunter für einen lächerlichen Preis über den Ladentisch. Bei Schallplatten ist das überraschenderweise nicht so. „Mittlerweile beinhaltet unser Antiquariat eine Sammlung von rund 10000 LPs, und das Interesse der Käufer steigt und steigt“, sagt Peter Peschke.

An diesem Freitag ist bundesweiter Vorlesetag. Ein Grund mehr, womöglich auch in alten Bänden zu stöbern, um daraus Kindern, Großeltern oder Freunden vorzutragen. Dass sich dies lohnt, zeigt ja nicht nur die Ansiedlung weiterer Antiquariate wie etwa das Hannoveraner Antiquariat Wilder, das seine Hamelner Dependance vor einigen Jahren an der Thietorstraße eröffnete, sondern selbst beim Einkaufen im Supermarkt kann man ja mal schmökern – im E-Center Bad Pyrmont (An der Schwage 1) steht ein Bücherschrank im angeschlossenen Café. Es sind besondere Aktionen wie diese, die das Interesse am Lesen befeuern können. Die Bibliotheksgesellschaft Hameln veranstaltet von Zeit zu Zeit einen „Markt alter Bücher“. „Da ist was los, das wird gut angenommen“, sagt Vorsitzender Bernd Bruns. Der nächste Büchermarkt findet Samstag, 1. Dezember, von 10 bis 18 Uhr statt – wie gewohnt im Bahnhof Hameln, Höhe Gleis 5. Das alles ist als Alternative zu verstehen und ersetzt sicher nicht den Kauf neuer Krimis, Romane, Bildbände und vielem mehr.