Mehrarbeit durch Orkantief Friederike

Bad Pyrmont. 20800 Festmeter Holz will der Pyrmonter Stadtforstbetrieb im kommenden Jahr ernten. Das ist deutlich mehr als im vorletzten und im laufenden Jahr. Grund dafür sind die Sturmschäden durch das Orkantief Friederike vom 18. Januar dieses Jahres. „Im Einschlag ist die Aufarbeitung von etwa 3000 bis 4000 Festmeter Windwurfholz enthalten“, berichtete jetzt Forstamtsleiter Uwe Schenkemeyer, dem der Borkenkäfer und die Holzpreise für Fichten Sorgen bereiten.

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 konnten wegen der anhaltend nassen Witterung und den damit verbundenen Problemen bei der Holzernte lediglich 17000 Festmeter geschlagen werden, in laufenden Jahr wird es aufgrund der zeitaufwendigen Sturmholzaufarbeitung laut Schenkemeyer auf maximal 14000 Festmeter hinauslaufen. Mittelfristig hält der Forstamtsleiter einen Einschlag von 15000 bis 16000 Festmeter jährlich für ausreichend.

Wie viele Fichten von Schädlingen wie dem Borkenkäfer und dem Fichtenbockkäfer befallen seien, ist noch ungewiss. Doch das Ausmaß scheint wie überall auch in den Pyrmonter Wäldern dramatisch zu sein. „Einen Befall durch den Borkenkäfer in diesem Umfang habe ich noch nicht erlebt“, betont der Forstamtsleiter und geht davon aus, dass sich dies im Frühjahr fortsetzen werde. „Da kommt noch einiges auf uns zu.“

Das von Schädlingen befallene Holz ist nur noch von minderen Qualität. Schon jetzt können die Pyrmonter Forstwirte angesichts der auf den Markt drängenden Menge kaum noch Nadelholz verkaufen, und wenn dann nur zum Dumpingpreis als Industrieholz für Spanplatten. Bis April 2019 ist der Absatz dieses Holzes durch einen Zwei-Jahres-Vertrag gesichert, was dann kommt, ist unklar. Schenkemeyer geht davon aus, dass sich die Lage auf dem Nadelholzmarkt durch den Anfall weiterer Käferholzmengen im Frühjahr nochmals verschärfen wird. Dagegen seien die Preise beim Laubholz weiterhin stabil. „Der Buche geht es gut“, stellt Schenkemeyer fest. Bislang seien noch keine Dürreschäden erkennbar, was nicht heiße, dass es sie nicht gebe. „Wir müssen das Frühjahr abwarten.“

Insgesamt erwartet die Stadtforst Erlöse aus Holzverkäufen im kommenden Jahr in Höhe von rund 1 Million Euro. „Bei üblichen Marktpreisen für Fichte hätten wir gut 80000 Euro mehr erlösen können“, schätzt der Forstamtsleiter. „Diese Summe erscheint relativ gering, man muss aber berücksichtigen, dass das Schadholz ohnehin schon geringwertig ist. Es geht im Grunde nur um die Preisdifferenz zwischen Industrieholz mit geringstem Erlös und geringwertigem von Käfern befallenem Stammholz.“

„Dort, wo das Windwurfholz weggeräumt ist, haben wir keinen Wald mehr“, machte Revierförster Philipp Klapper deutlich. Das betrifft vor allen Dingen das Mosterholz, das die Stadt Bad Pyrmont als Kompensationsfläche für Eingriffe in die Natur an anderer Stelle anbietet. Die Wiederaufforstung ist für den Forstbetrieb eine große Herausforderung. Auf rund 125000 Euro schätzt Klapper die Kosten und geht von einer Gesamtfläche von 30 bis 40 Hektar aus. Das wären bis zu 400000 Quadratmeter. „Da dies ad hoc nicht zu stemmen ist und es darüber hinaus auch eine Frage der Verfügbarkeit von geeigneten Forstpflanzen und Unternehmerkapazitäten ist, haben wir uns entschieden, im nächsten Jahr 4 Hektar standardmäßig aufzuforsten und weitere 10 Hektar mit sogenannten Vorwäldern zu bepflanzen“, so Klapper. In den Folgejahren sollen dann die Flächen folgen, die in den kommenden Monaten aufgearbeitet werden können. Bislang wurden 13 Hektar aufgearbeitet.

Unter einem Vorwald aus schnell wachsenden und zeitig reifenden Baumarten werden – etwa nach 5 bis 15 Jahren anspruchsvolle Baumarten wie zum Beispiel Buche, Eiche oder Ahorn angepflanzt, die nach Räumung des Vorwaldes den Schlusswald bilden. Als Baumarten für einen Vorwald bieten sich vor allem Birke, Aspe, Vogelbeere, Erle, Lärche und Weide an, die Konkurrenzvegetationen wie Brombeere oder Brennnessel unterdrücken.

„Durch den Vorwald bekommen wir eine bessere Bodenstruktur, den Schutz des Zielwaldes vor der Witterung, eine zeitliche Streckung für die Wiederaufforstung und sparen auch Kosten“, nennt Revierförster Klapper einige Vorteile dieses Vorgehens. „Dies ist ein bewährtes und anerkanntes forstliches Verfahren, wenngleich auch nicht oft anzutreffen.“