Flüchtlingshilfe „on tour“

Hameln (mes). Krieg, Gewalt und Vertreibung machen weltweit Millionen Familien das Leben zur Hölle. Flucht ist für sie der einzige Ausweg. Auf der Suche nach Sicherheit lassen Flüchtlinge alles zurück, was ihnen lieb und teuer ist. Sie verlieren Heimat, Besitz, Freunde und Familie. Auch nach Hameln und in den Landkreis Hameln-Pyrmont sind in den vergangenen drei Jahren zahlreiche flüchtende Menschen gekommen. Etliche fanden neben der Unterstützung durch Stadt und Landkreis auch Hilfe bei der ACKH-Flüchtlingshilfe.

In der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hameln (ACKH) arbeiten Kirchen und christliche Gemeinschaften unserer Stadt zusammen. Die Flüchtlingshilfe konzentriert sich auf die Menschen, die aus Kriegs- und besonderen Krisengebieten nach Hameln gekommen sind und eine Wohnung gefunden haben. Drei spannende Jahre liegen nun hinter der ACKH-Flüchtlingshilfe, drei Jahre lang war sie „on tour“. Ziel dieser Unternehmungen mit Flüchtlingen aus den verschiedensten Kulturen: gemeinsam etwas Positives erleben!

Anfangs standen vor allem Deutschkurse auf dem Programm. „Die ersten eineinhalb Jahre haben wir ehrenamtlich Kurse gegeben; durchschnittlich hatten wir sechs bis zwölf Teilnehmer“, sagt Udo Wolten. Darunter seien vor allem Syrer gewesen, aber auch Pakistani, Äthiopier, Sudanesen, Eritreerinnen – um die 20 Nationen waren vertreten. Im zweiten und dritten Jahr ging es den Ehrenamtlichen dann vor allem darum, die Menschen zu unterstützen, sie zu begleiten in der Sprachförderung, Ausbildungs- oder Arbeitsstellen und Wohnungen zu vermitteln und mit Vermietern zu verhandeln. Hilfe zur Selbsthilfe sei dabei immer das Ziel gewesen.

Im Jahr 2015 ist Wolfgang Nowotny zu den Helfern gestoßen. „Damals habe ich festgestellt, dass die Flüchtlinge in ihrem eigenen Saft schmoren, von der deutschen Kultur gar nichts mitbekommen.“ Daher wollte er den Betroffenen Gelegenheit geben, miteinander deutsch zu sprechen und Hilfe anbieten. „Mit der Idee ‚ACKH on tour‘ wollten wir die Menschen aus ihren Wohnungen locken.“ Mit Erfolg: Viele Angebote und Fahrten hat es seitdem gegeben – vom Besuch des Freilichtmuseums Detmold oder der Sommerrodelbahn Bodenwerder bis hin zu Wanderungen auf dem Finkenborn und einer Führung im Hamelner Museum.

„Trotz der verschiedenen Kulturen war zum Beispiel ein Besuch im Wisentgehege Springe sehr harmonisch“, sagt Nowotny. Auch beim Abschlussgrillen hätten alle Beteiligten, um die 100 Menschen, vom gleichen Grill gegessen, gesungen und miteinander eine tolle Zeit verlebt.“ Dabei sei sogar ein weiterer Termin entstanden. Einige Frauen hatten dort beschlossen, einen eritreischen Abend zu gestalten, der dann auch einige Zeit später in Hameln über die Bühne ging. Alle Begleiter waren eingeladen, und es wurde ein rundum gelungenes Beisammensein bei landestypischen Köstlichkeiten.

Damit ist auch ein weiteres Ziel erreicht: den Geflüchteten Anregungen für ihre eigene Freizeitgestaltung zu geben. „Wir waren zum Beispiel auf dem Finkenborn. Viele Teilnehmer kannten das Spazierengehen im Wald gar nicht“, so Nowotny. Auch die Spielgelegenheiten für Kinder in der Stadt seien den meisten unbekannt gewesen.

Das Engagement der Ehrenamtlichen der ACKH zeigt: Ein Miteinander der Kulturen ist in Hameln möglich. Nach drei Jahren gibt Wolfgang Nowotny zwar „ACKH on tour“ auf, aber vielleicht, so meint er, findet sich ja jemand anderes, der Ideen hat und ähnliche Angebote organisieren und umsetzen mag. Er sei auch gerne bereit, einen potenziellen Nachfolger einzuarbeiten. Denn für ihn und seine Kollegen ist es nach wie vor wichtig, den Menschen eine Chance zu geben sich in unsere Kultur einzuleben und einzudenken. „Das ist eine Bereicherung für alle!“