Küche kalt im Wienerwald

Hameln. Der Verkauf des Wienerwald-Grundstücks wird zur Geduldsprobe. Einem der beiden Investoren ist diese möglicherweise abhandengekommen: Dr. Klaus Boettcher ist als Investor abgesprungen. Ab sofort tritt Karol Günther als alleiniger Investor auf. Darauf hat sich das Duo nach eigenen Angaben intern verständigt. Gründe werden nicht genannt.

Dass der Rückzug mit den nur im Schneckentempo vorwärtskommenden Entwicklungen rund um die Immobilie zusammenhängt, hat niemand bestätigt, doch der Gedanke drängt sich auf. Noch immer ist der von der Stadt beauftragte Notar damit beschäftigt, die Löschung der insgesamt 244 Vorkaufsrechte zu erreichen, mit denen das Grundstück belastet ist. „Ein Ende dieser Arbeit ist vorerst nicht in Sicht“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Auch Oberbürgermeister Claudio Griese erwartet keine schnelle Lösung: „Kaum ein Außenstehender kann ermessen, wie immens der Aufwand ist.“

Vor einem Jahr, am 1. November 2017, hatte der Verwaltungsausschuss der Stadt dem Verkauf der Wienerwald-Immobilie an das Hamelner Investoren-Duo Karol Günther und Dr. Klaus Boettcher zugestimmt. „Das Gebäude kommt in sehr gute Hände“, kommentierte Griese seinerzeit die Entscheidung. Seitdem ist jedoch nichts Sichtbares geschehen. Die Frage, die sich viele Hamelner stellen: Wie geht es weiter und hat der Wienerwald überhaupt noch eine Chance?

Hinter den Kulissen sei aber umso mehr bewegt worden. „3760 Seiten mit Grundbuchauszügen musste der Notar durcharbeiten, Hunderte Adressen sichten und sortieren, fehlende Adressen ergänzen und das Ganze den einzelnen Grundbüchern zuordnen“, heißt es momentan aus dem Hamelner Rathaus. Laut Stadtverwaltung liegen nun – nach gut einem Jahr – immerhin schon 73 Löschungsbewilligungen vor. Bleiben noch 171 Vorkaufsrechte. „Das Ziel ist noch weit entfernt“, sagt Rathauschef Griese. Manche Eigentümer des Bellevue-Centers, die allesamt vorkaufsberechtigt sind, seien inzwischen verstorben, bei anderen lägen Adressen nicht vor. Hier weiterzukommen, sei „extrem zeitaufwendig und schwierig“.

Also ist auch weiterhin Geduld gefordert. Geduld, die Investor Karol Günther nach eigenem Bekunden mitbringt: „Ich weiß, dass hier dicke Bretter zu bohren sind, ohne einen langen Atem geht das nicht.“